Buntspecht- Gradation nach Waldbrand

BuntspechtZuerst kamen die Trockenheit und dann der Waldbrand. Nun fürchtet der Förster den Borkenkäfer. In Teltow-Fläming sind im Sommer 2019 massenhaft Kiefern an- und abgebrannt. Manche sind auch entwurzelt und umgestürzt. Doch was aussieht wie ein apokalyptisches Chaos, könnte den Beginn eines gesunden Mischwaldes markieren. Doch schon die frühe Phase des Räumens findet großen Anklang bei dem Buntspecht (Dendrocopus major). Ein Großteil der hektaweise abgebrannten Fläche war schon beräumt. Anderswo stapelte sich das angekohlte Holz. Nur vereinzelt lagen noch Baumstubben, dürre, verbrannte Stämmchen oder Äste. Trotzdem konnte der Buntspecht in einer beeindruckenden Dichte in dem Gebiet festgestellt werden. Praktisch alle 20 Meter fand sich ein Buntspecht ein; anders als im natürlichen Wald nur wenige Zentimeter über dem verkohlten Waldboden. Immer wieder waren die hohen Kicks-Rufe des Buntspechts zu vernehmen. Ab dem kommenden Frühjahr soll nachgepflanzt werden.

In den USA wird das dort “Salvage logging” genannte Verfahren der Waldberäumung durchaus kontrovers diskutiert. Beim Abholzen von Restholz werden Bäume gefällt, die durch Waldbrände, Überschwemmungen, starken Wind, Krankheiten, Insektenbefall oder andere natürliche Störungen beschädigt wurden, um die wirtschaftlichen Einbußen für die Waldeigentümer zu reduzieren. Hier wie dort ist sicher die primäre Motivation für das Abholzen von angebranntem Holz die wirtschaftlichen Schäden zu reduzieren. Als weitere Gründe für den Kahlschlag wird das Motiv Erosion zu verringern, die Intensität künftiger Waldbrände zu verringern und die Ausbreitung von Schädlingen zu verhindern oder zu verlangsamen genannt.

Die in den USA breit diskutierte Ansicht, daß das Abholzen von verbranntem Holz für die Gesundheit und Funktion der Wälder eher schädlich ist, spielt hierzulande keine Rolle.

In den USA gibt es aber auch richtige Brandspezialisten. Abgebrannte Wälder sind eine der am wenigsten verstandenen und sich am dynamischsten verändernden Waldtypen, und einige Vögel haben sich so entwickelt, um genau dieses auszunutzen. Das heißt, diese Arten kommen fast ausschließlich in stark verbrannten Wäldern vor. Der Schwarzrückenspecht (Picoides arcticus), ein naher Verwandter unseres heimischen Dreizehenspechts (Picoides tridactylus), ist einerseits einer der seltensten Vögel in den nördlichen Rocky Mountains.

Fast unmittelbar nachdem ein schweres Feuer durch einen Wald gegangen ist, fliegen holzbohrende Käfer von weit her ein, um ihre Eier zu legen. Wenn man in den USA einen Waldbrandbekämpfer fragt, kann er von Käferschwärmen erzählen, die zwischen den immer noch schwelenden Stämmen fliegen. Diese erstaunlichen kleinen Käfer haben Wärmerezeptoren, die die intensive Hitze eines Feuers aus vielen Kilometern Entfernung erfassen können. Diese Käfer kommen herbei, um Tausende ihrer Eier in die frisch verbrannten und damit toten Bäume zu legen. Aus all diesen Eiern schlüpfen Tausende von Larven, fressen die nahrhafte Kambiumschicht des Baumes um sich schließlich zu erwachsenen Käfern entwickeln zu können. Diese Zeit, eine wahre Explosion der Insektenaktivität nach einem Waldbrand, schafft einen wahren „Garten Eden“ für den Schwarzrückenspecht. Es gibt nun genug Nahrung, die buchstäblich „in den Bäumen wächst“. Aber auch in heimischen Wäldern – genau genommen in den Kiefernwäldern – lebt ein Käfer, der auf Feuer fliegt. Für den dunklen Blauen Kiefernprachtkäfer (Phaenops cyanea) ist ein Feuer, genau wie für seinen nordamerikanischen Verwandten, die einzigartige Vermehrungschance.

Zu den holzbewohnenden bzw. holzbohrenden Käfern zählt man alle Käfer, die in einer ihrer Lebensphasen auf Holzsubstrat angewiesen sind. Dazu gehören die Borkenkäfer, wie der Buchdrucker (Ips typographus), die das Holz direkt zersetzen, genauso wie der Ameisenbuntkäfer (Thanasimus formicarius), der sich wiederrum von den Borkenkäfern ernährt.

Obwohl es unbestritten ist, dass die Artenvielfalt steigt, wenn genügend totes Holz in den Wäldern vorhanden ist, kann sich die praktische Forstwirtschaft nicht immer mit dem durch Waldbrand entstandenen Flächen, die ja ein zusätzliches Auflichten im vorhandenen Wald bedeutet, anfreunden. Auch wenn es heißt, xylobionte Käfer zu fördern, so ist die Strategie nach einem Waldbrand doch meist die, alles verbrannte und angekohlte Holz schnellstmöglich zu entfernen und neu aufzuforsten. Lebensräume, in denen auch viele seltene Arten leben könnten, können so erst gar nicht entstehen bzw. verwaisen nach kurzer Zeit wieder.

Der Buntspecht kommt grundsätzlich in allen Wäldern mit Alt- und Totholzbestand aber auch in Grünanlagen vor. Der Buntspecht ist der Zimmermann der Wälder. Sein wichtigstes Werkzeug ist der kräftige Meißelschnabel. Ihn benutzt er, um Käfer und Larven aus der Rinde zu picken oder Nüsse aufzuhacken. Vor allem aber hämmert er damit Höhlen in Stämme und dicke Äste. Der Buntspecht kann zwar praktisch alle Waldtypen besiedeln und ist sehr flexibel in der Nutzung der jeweiligen Waldressourcen und Strukturelemente, eine hohe Brutbestandsdichte zeigt jedoch eine relativ hohe ökologische Qualität eines Waldgebietes an.

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