HEIF, das neue Bildformat und die Canon EOS 1DX Mark III

Das CR3 RAW-Dateiformat findet nun auch Einzug in die EOS-1D Serie. Die Aufnahme im RAW kann unkomprimiert erfolgen mit 16.384 Abstufungen per Farbkanal und damit einem hohen Dynamikumfang wird die Bildqualität gegenüber den Vorgänger-Modellen verbessert. Mit der EOS-1D X Mark III muss man aber nicht zwingend in RAW aufzeichnen, um Bilddateien mit einem größeren Dynamikumfang zu erhalten.

Canon betont selber die Schnelligkeit des Workflows bei der Dateienübertragung mit JPEG und – ab jetzt – HEIF Dateien.

Canon bietet bei ihrem Top-Modell erstmals HEIF als Option an. Zuerst wird man aber vergeblich nach dem HEIF-Format suchen. Wie bei den Vorgängermodellen erscheint in der 2. Registerkarte „Aufnahme“ allein die Möglichkeit zwischen RAW und JPEG zu wählen.  Das HEIF-Format kann erst angegeben werden, wenn [HDR-Aufnahme Einstellungen] auf [Aktivieren] gesetzt ist. Dann ist aber auch nur die Größe L möglich.

Auf Anhieb denkt man, daß das neue Bildformat HEIF (High Efficiency Image File Format), was im Deutschen so viel wie „Bilddateiformat mit hoher Effizienz“ bedeutet,  näher verwandt mit JPEG ist. Das ist es nicht, es ist eine eigene Entwicklung. HEIF-Dateien speichert die Canon EOS 1 DX Mark III mit einer Bandbreite von 10 Bit Farbe (statt 8 Bit bei JPEG). Farbtiefen von bis zu 16 Bit sind aber mit dem Format theoretisch möglich. Aber auch die Bandbreite von 10 Bit bringt schon einen höheren Dynamikumfang und damit besser durchgezeichnete Lichter. Über die Kameraeinstellungen lassen sich damit auch HDR PQ Bilder aufnehmen.

Das neue Grafikformat HEIF unterstützt sicher die Entwicklung im World Wide Web: Schließlich spielt auch dort die Größe verwendeter Bilder und Grafiken eine entscheidende Rolle. Gängig sind schon jetzt folgende Dateiendungen: .heif, .heic, .heifs, .heics.

HEIF ist ein sogenanntes Containerformat. Als solches ist es in der Lage, eine beliebige Zahl von Bildern (inklusive der Metadaten) zusammenzufassen, die in verschiedenen Formaten codiert sein können. Bei der Entwicklung von HEIF verfolgte man das Ziel, das bisher vorherrschende Kompressionsformat JPG/ JPEG in Sachen Effizienz zu übertreffen. Dieses Ziel konnte man letztlich auch erreichen. Bei gleicher bzw. sogar leicht verbesserter Qualität benötigen die im neuen Format gespeicherten Bilder etwa 50 bis 60 Prozent weniger Speicherplatz als entsprechende JPEG-Bilder. Canon hat aber der verbesserten Bildqualität von HEIF-Dateien den Vorrang gegeben. So bietet dieses Dateiformat im Vergleich zu JPEG eine bessere Bildqualität bei nahezu gleicher Dateigröße.

Während der JPEG-Standard in erster Linie Verfahren zur Komprimierung von Bildern beschreibt, definiert die HEIF-Norm eine Art „Container“, der explizit für die Speicherung digitaler Bilder vorgesehen ist. Kompression spielt aber auch bei der Erzeugung von .heif-Dateien eine wichtige Rolle, wobei diese im Vergleich zu RAW-Dateien natürlich ebenfalls  verlustbehaftet ist; wie es ja bei der heute hauptsächlich verwendeten JPEG-Kompression der Fall ist. Bei gleichem Komprimierungsgrad zeichnet sich ein Bild im HEIF-Format jedoch immer durch eine bessere Qualität aus, was insbesondere auch auf die Unterstützung von Farbtiefen bis zu 16 Bit zurückzuführen ist.

Für das HEIF-Format kommt nicht nur die geringe Dateigröße der Fotos zum Tragen, sondern auch die Möglichkeit, Bilder zu verknüpfen und auf diese Weise Bildanimationen oder Kompilationen in einem einzigen Container – also einer einzelnen Datei – zu speichern. So dient HEIF nicht nur als platzsparendes Format, sondern bereitet die Bilderinhalte auch optimal für die Weiterverwendung, z.B. beim Teilen in sozialen Netzwerken, auf. HEIF bietet den Vorteil, wesentlich mehr Neben-Informationen – wie zum Beispiel Metadaten oder Text- und Audio-Dateien – sowie ganze Bildsequenzen speichern zu können. JPEG, das für die Speicherung vorrangig auf das JPEG File Interchange Format zurückgreift, bietet derartige Möglichkeiten nicht. Daraus resultiert allerdings auch der Umstand, dass Codierung und Dekodierung bei HEIF deutlich mehr Hardware-Ressourcen benötigen, was bei einer größeren Zahl an Bildern zu spürbar längeren Speicher- und Ladezeiten führt. Für ältere, leistungsschwächere Geräte ist das moderne Containerformat also trotz effizienter Speicherung eher ungeeignet.

Noch ist HEIF ein ziemlich exotisches Format. Canon geht jedoch davon aus, dass es sich in Kürze durchsetzen wird und auf Sicht JPEG ablöst. Allerdings sind spezielle HDR-Displays nötig, um diese Vorteile auch sichtbar zu machen. Zudem gibt es bislang wenige Programme, die HEIF verarbeiten können. Canons Digital Photo Professional (DPP) in der letzten Version kann es natürlich. Die Kompatibilität der HEIF-Dateien erweitert sich fortlaufend. Zusätzlich lässt sich dieses Dateiformat kameraintern auch in ein Standard JPEG umwandeln.

Das ist auch gut so. Denn momentan gibt es Probleme im Microsoft Windows 10 selbst im aktuellen Release mit den HEIF-Bilderweiterungen, die bei Canon .HIF heißen. Im Internet erfährt man, daß man aus den „‪Dienstprogrammen & Tools“ von Microsoft ein entsprechendes Programm herunter laden muß. Mit der HEIF-Bilderweiterung können Windows 10-Geräte dann Fotodateien lesen und schreiben, für die das HEIF-Format (High Efficiency Image File) verwendet wird. Diese Dateien können aber wohl nur die Erweiterung „.heic“ oder „.heif“ haben. Wie das mit der von Canon verwendeten Endung .hif harmoniert, wird sich noch zeigen.

Ein schöner Bericht – in englisch – zur Bedeutung von HEIF und JPEG für die neue EOS 1 DX kann man hier finden:

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