Steppenspötter oder Buschrohrsänger in Sri Lanka?

Buschrohrsänger
Blyth’s Reed-Warbler

Während eines Aufenthalts an der Westküste Sri Lankas schoss bird-lens.com Bilder von einem mutmaßlichen Acrocephalus-Rohrsänger im Briefs Garden, einem Ziergarten in der Nähe der Westküste. Sofort dachte ich an einen Buschrohrsänger (Acrocephalus dumetorum), konnte aber die Art nicht wirklich bestätigen. Das lag nicht zuletzt daran, dass der Lebensraum – eine Gartenhecke – für die Art recht seltsam erschien. bird-lens.com hat dann die Experten von birdforum.net um Rat gefragt. Einige hielten den Vogel für einen BRW (wie der Buschrohrsänger aufgrund seines englischen Namens Blyth’s Reed-Warbler abgekürzt wird), andere sahen einen Steppenspötter (Iduna rama) auf den Bildern. Die Proportionen des abgebildeten Vogels, der lange, ungerundete Schwanz, der allgemeine Farbtons des Gefieders und der Farbe der Beine würden eher für den Steppenspötter sprechen. Der Steppenspötter wird manchmal taxonomisch auch als Unterart des Buschspötters (Iduna oder Hippolais caligata rama) angesehen. Es handelt sich um einen einfachen, braunen Spötter mit blassen Beinen. Die Vögel brüten in Zentralasien und überwintern hauptsächlich in Indien; sie kommen aber auch bis nach Sri Lanka vor. Der nahe Verwandte des Buschspötters bevorzugt Bäume mit einer eher spärlichen Krone in einem offenem, eher trockenen Lebensraum. Und tatsächlich wird in der Literatur beschrieben, daß dieser kleine Hippolais-Spötter mit seiner ziemlich langen, dünnen, spitzen Schnauze, der flachen Stirn und Krone und dem ziemlich langen Schwanz, der durch die kurze Primärprojektion verstärkt wird, oft eher einem Acrocephalus-Rohrsänger ähnelt.

Der Steppenspötter – und mehr noch der Buschspötter – kann manchmal aber auch an einen dunklen Zilpzalp (Phylloscopus collybita) oder einen anderen Phylloscopus-Laubsänger erinnern. Der Steppenspötter unterscheidet sich von Buschrohrsänger durch sein laubsängerähnliches Verhalten und seinen längeren Schwanz, und vom Buschspötter durch sein weniger kompaktes Aussehen, flachere Körperhaltung, längeren, blassen Schnabel (meist ohne dunkle Spitze), spitzere Stirn und den harten Anschlag beim Rufen. Der Ruf ist ein trockener, harter, kontinuierlicher Rhythmus “thk … thk, thk, thk.”. Für den Westeuropäer klingt er eher wie ein harter Ruf einer Grasmücke (Sylvia sp.).

In der Literatur wird gesagt, dass der Steppenspötter eine Vorliebe für Baumkronen hat, aber er durchaus auch in Mangroven vorkommt, zumindest wenn Tamarisken und ähnlich hohe Büsche oder Bäume am Rand von Mangroven vorhanden sind. Dies hätte noch einigermaßen zu den Umständen der Beobachtung im Januar 2020 in Sri Lankas Süden gepasst. Am Ende stimmte die Community im birdforum in der Mehrheit aber doch der Bestimmung als Buschrohrsänger zu. Die Community mußte einsehen, daß die Bestimmung sich doch als schwierigerer herausstellte, als es zunächst schien. Das Gefieder sah ziemlich hellbraun und der Schnabel lang mit einem blassen, einfarbigen Unterschnabel aus. Leider war die Flügelstruktur auf den Bildern nicht gut sehen – die Flugfedern sehen für den Buschrohrsänger sogar ungewöhnlich “zauselig” aus. Das könnte ggf. nur einen Vogel in der Mauser sprechen. Außerdem würde der Schwanz auf den Fotos abwechselnd kurz und stachelig oder ziemlich lang und geradkantig aussehen. Was vielleicht den Ausschlag gab: Die Iris des Vogels auf den Bildern ist rotbraun. Spötter der Gattung Iduna haben aber ein Auge das meist dunkel ausschaut. Insgesamt war sich die Birder-Community dann einig, dass es nicht viel gibt, was den Buschrohrsänger ausschließt. Außerdem hätte man erwartet, dass ein Steppenspötter eher im Norden Sri Lankas auftaucht, z. B auf der Halbinsel Jaffna und nicht so weit unten in Sri Lanka. Im Vergleich zu der Abbildung im „Kosmos Vogelführer, Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens von Lars Svensson, Killian Mullarney und Dan Zetterström“ muß allerdings konstatiert werden, daß der Schnabel des fotografierten Vogels deutlich kürzer und kompakter aussieht.

Um den Lesern von bird-lens.com nun aber auch einen Eindruck des beobachteten Vogels zu geben, habe ich ein Bild des Buschrohrsängers gewählt. Es wäre auch möglich, das Bild eines Steppenspötters zu zeigen, wo er am Nordufer des Issyk Kul in Kirgisistan fotografiert wurde.

In der westlichen Paläarktis ist der Steppenspötter ein seltener Irrgast (viel mehr ein Irrgast als ein Buschrohrsänger) mit nur wenigen Beobachtungen für Großbritannien und nur einer Beobachtung (datiert mit Ende September 2003) aus dem Kurpark auf Helgoland.

Bird-lens ist vor allem eine Website, die die wachsende Nachfrage nach hochwertigen Aufnahmen der Vögel der Westpaläarktis befriedigen soll. Um die Nachfrage nach Top- Aufnahmen seltener Vogelarten befriedigen zu können, hat Bird–Lens.com neben dem Besuch der näheren Umgebung auch gezielt Reisen an entfernte Orte wie Afrika oder eben Sri Lanka unternommen. Dies alles um exzellente Fotos von Vögeln machen zu können. Die Ausbeute an Bildern nicht nur von seltenen westpaläarktischen Vögeln ist sehr gut. Das schöne Bild des Blogs ist nur ein erster Eindruck, was Sie in hinter dem Reiter “Picture-Shop” sehr bald finden können. Hinterlassen Sie doch einfach eine Nachricht, wenn bird-lens.com mit einem Bild dienen kann.

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