Invasion von Hakengimpeln in Deutschland?

HakengimpelAm 6. November 2019 flogen 11 sehr große und langschwänzige Finken nach Norden über den Königshafen an der Lister Nehrung auf Sylt. Leider zogen die Vögel stumm über den Beobachter hinweg. Außerdem waren gegen den dunkelgrauen Himmel keine Färbungsdetails zu erkennen. Von der Silhouette waren es aber mit ziemlicher Sicherheit Hakengimpel (Pinicola enucleator).

Für den mit Hakengimpeln aus dem Norden Skandinaviens vertrauten Beobachter ist diese Beobachtung des Brutvogels der borealen Nadelwälder absolut nachvollziehbar. Allerdings liegt der letzte Nachweis des Hakengimpels in Deutschland bereits mehr als 25 Jahre zurück. Laut einschlägiger Forenmitteilungen könnte die Chance auf einen neuen Nachweis und damit einen zusätzlichen Eintrag in der Deutschlandliste in den kommenden Wochen so groß sein wie lange nicht. In Skandinavien wird derzeit eine südwärts gerichtete Massenwanderung mit Nachweisen bis in den Süden Schwedens und Dänemarks beobachtet.

Die ersten Vögel erreichten Dänemark am 27. Oktober. An dem Tag wurden bis zu sechs Exemplare in Skagen gesehen wurden. Ähnlich hohe Zahlen gab es in Skagen im Oktober zuvor nur zweimal. Vögel am berühmten dänischen Beobachtungspunkt für Migration zogen nach Nordosten. Aber es drangen einige Vögel auch weiter nach Südwesten vor. 2 Hakengimpel erreichen am 29. Oktober die Wattenmeerinsel Fanø. ‚Diese liegt direkt nördlich von Sylt. Am 30. Oktober konnte für die Nordmandshage, östlich von Aalborg, die größte Tageszählung für Dänemark mit 85 Hakengimpeln in sieben Gruppen vermeldet werden. Alle zogen nach Südwesten.

Wem die o.a. Beschreibung von nach Norden ziehenden Vögeln unglaubwürdig erscheint, dem sei gesagt, daß auch im Südwesten Norwegens die Vögel bereits – wie im letzten Invasionsjahr 2012 – nach Norden ziehen. Das könnte darauf hindeuten, dass sie die Südküste erreicht haben und sich neu orientieren.

Wie auch immer: Von der letzten südlichsten Beobachtung in Dänemark sind es keine 50 km mehr bis nach Sylt.

Normalerweise wandern die in der Taiga brütenden Hakengimpel zum Überwintern nur kurze Strecken nach Süden, doch in nahrungsarmen Wintern sind sie für starke Evasionen bekannt. Seit Ende des 19. Jahrhunderts sind Dokumentationen in Mitteleuropa allerdings weitgehend ausgeblieben und selbst in Südskandinavien werden Einfälle möglicherweise aufgrund milderer Winter nur noch weitaus seltener registriert. In der vorvergangenen Woche wurden an schwedischen Zugvogel-Zählpunkten mehr als 1.000 Individuen gezählt. Mit diesen Tagessummen sind die aktuellen Wanderbewegungen aufsehenerregend. Die besten Chancen, einen Hakengimpel auch in Deutschland zu entdecken bestehen derzeit sicherlich an den Küsten von Nord- und Ostsee. Aber auch bei der Beobachtung von Zugvögeln im Binnenland sollte man vorbereitet sein.

Hakengimpel ernähren sich vorwiegend von Knospen und Beeren. An beerentragenden Sträuchern wie z.B. der Vogelbeere sind die Vögel hierzulande daher wohl am ehesten zu erwarten. Die Vögel zeigen auch im Norden Skandinaviens oft nur geringe Scheu. Beobachtungen am Vogelhäuschen sind also durchaus denkbar. Doch viele der Beobachtungen in Südskandinavien betreffen durchziehende Vögel. Es macht also Sinn, sich mit den auffälligen Rufen der Hakengimpel im Flug vertraut zu machen.

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