Rotmilane und ihre Beute

Rote Milane (Milvus milvus) und ihre Gewohnheiten sind durch ihre Beute und die Art des Beuteerwerbs bestimmt. Rote Milane sind vor allem auch Aasfresser, die auf ihren langgestreckten Flügeln im eleganten Flug die Landschaft auf der Suche nach Nahrung auf dem Boden erkunden. Sie haben nicht die Kraft oder Schnelligkeit anderer Greifvögel, wie dem Habicht (Accipiter gentilis), die in erster Linie mit ihrer Verfolgungsjagd für Beute sorgen. Obwohl sie in der Lage sind, kleine Lebewesen wie Mäuse und Wühlmäuse zu erbeuten, versuchen Rote Milane vor allem Aas als ihre Grundnahrungsmittelversorgung anzunehmen. Ziemlich oft zögern sie zu landen und schnappen den Nahrungsbrocken lieber vom Boden um ihn dann im Flug oder auf einem Baum in sicherer Höhe zu fressen. Wenn die Beute zu groß ist, um sie fort zu tragen, können sie auch auf dem Boden landen. Sie sind aber sehr vorsichtig und werden in der Regel warten, bis die Krähen (Corvus sp.) zuerst gefressen haben.

Wissenschaftlichen Untersuchungen haben gezeigt, dass Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) und Feldhasen (Lepus europaeus), wie man erwarten könnte, einen bedeutenden Teil ihrer Ernährung bilden. Wenn Aas nicht vorhanden ist, suchen sie nach anderen Nahrungsquellen. Landwirtschaftliche Bewirtschaftungsformen wie das Pflügen, die Mahd und die Ernte von verschiedenen Kulturen können eine bereite Spannbreite von Nahrung für Rote Milane bieten. Denn auf dem Feld werden weder Regenwürmer noch kleine Säugetiere verschmäht.

Schon im zeitigen Frühjahr schweben die eleganten Greifvögel über den Hügeln Mitteleuropas. Der fantastische Flug der trotz ihrer Größe elegant wirkenden Roten Milane ist dann zu bewundern. Mal hoch oben in Luft, dann wieder tief über den Feldern. Immer wieder ist es beeindruckend das anhaltende Segeln ohne einen Schwingenschlag zu beobachten, wobei der tief gegabelte Stoß durch sichtbare Bewegungen um die Längsachse die Funktion des Seitenruders übernimmt. Der geradeaus gerichtete Suchflug wird zwischendurch von einigen Kreisen unterbrochen. Bei gutem Flugwetter sieht man in Ansammlungen von Milanen immer wieder spielerische Scheinangriffe auf einen tiefer fliegenden Artgenossen. Dabei wirft sich dieser mit einer Seitenrolle blitzschnell auf den Rücken, um dem Angreifer die Fänge abwehrbereit entgegenzuhalten. Anschließend rasen beide in einer Spirale auf den Erdboden zu, steigen wieder auf und fliegen einen Looping. Sehr elegant und leicht wirkt der Flug des Rote Milans.

Ein geradeaus gerichteter Suchflug in einer Flughöhe um die 40 m wird zwischendurch von einigem Kreisen in der Luft unterbrochen. Dann folgt ein schnelles, mehr oder weniger steiles Abwärtsgleiten mit leicht gewinkelten Flügeln bis dicht über die Erdoberfläche. Der an das Herabstoßen folgende Abflug mit weit ausholenden, elastischen Flügelschlägen ist dabei besonders eindrucksvoll. Jeder Rote Milan hat natürlich seine Vorlieben; vor allem taucht er aber zuverlässig an Orten auf, die ihm kurzzeitig hervorragende Beutezugänglichkeit ermöglichen. Das kann eine frisch gemähte Wiese sein – vor der Rote Milan schon auftaucht, wenn die Traktor noch beim Mähen sind – oder auch eine Hausmülldeponie.

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3 thoughts on “Rotmilane und ihre Beute”

  1. Guten Tag Herr Kleinschmidt
    Hab eben einen Rotmilan beobachtet ( Steinhausen, Schweiz, Ackerland /Wiese neben Gewerbebebäuden) der genau wie von Ihnen beschrieben mühelos und elegant segelte und Kreise zog. Sowohl über dem Ackerland wie über Asphalt/Parkplätzen. Dabei stiess er immer wieder ein „Piiiu, piu piu“ aus. Weshalb? Ich dachte immer Beutetiere warnen, doch nicht der Jäger? Hat es damit zu tun, dass er vor allem Aas frisst und damit andere Tiere aufschreckt? Ich bin da ahnungslos, haben Sie mir einen Hinweis? Besten Dank

    1. Guten Abend Herr Irányi, schön, daß sich ein Rotmilan auch in der Schweiz so nahe neben Gewerbegebäuden im mühelosen und eleganten Flug beobachten läßt. Die „Piiiu, piu piu“ -Rufe habe ich häufig zu unterschiedlichen Zeiten gehört. Seine Beutetiere wird er damit sicher nicht warnen. Im Frühjahr meine ich die Rufe am häufigsten zu hören; der Grund ist klar: einen Partner auf sich aufmerksam machen. Der dürfte aktuell längst gefunden sein – die Milane brüten jetzt noch/schon. Mein aktuell bester Hinweis wäre, diese Rufe als Revierabgrenzungsverhalten zu deuten. Vielleicht wissen aber andre Greifvogelexperten mehr. Ich wäre an deren Kenntnisse ebenfalls interessiert. Wenn Sie mehr erfahren, wäre ich für einen Hinweis unter den Blog sehr dankbar!
      Beste Grüße J. Kleinschmidt

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