Afrikanische Scherenschnäbel (Rynchops flavirostris) im Chobe Nationalpark

Afrikanischer ScherenschnabelMorgendlicher Dunst steht über der weiten Flußebene. Tief gebückt stehen auf einer Sandbank Dutzende von schwarz-weiß gefärbten Vögeln mit einem auffallend langen roten Schnabel. Das sind die heißt ersehnten Afrikanischen Scherenschnäbel (Rynchops flavirostris). Als wir die Flußbiegung schon eine Weile hinter uns gelassen haben, setzt sich der ganze Trupp mit schwerem, kraftvollen Flügelschlag in Bewegung. Zuerst dreht der Trupp eine Runde über dem Rastplatz. Dann geht der Trupp in den Tiefflug über. Der schwarz-weiß gefärbte, etwa seeschwalbengroße Vogel mit den langen, eleganten Flügeln, der ein paar Zentimeter über ruhigem Wasser fliegt, schwebt zur Beutejagd parallel zur Wasseroberfläche. Plötzlich fährt er seinen überdimensional großen, seitlich abgeflachten und scharfkantigen Unterschnabel aus und zieht ihn, flache Flügelschläge vollführend, durch die oberen Wasserschichten. Er fliegt so lange bis sein Schnabel mit einem Fisch in Berührung kommt. Kurz darauf klappt er den Schnabel abrupt zu, und ein kleiner silberner Fisch verschwindet zappelnd im Schlund des erfolgreichen Jägers.

Diese spektakuläre Art des Beutefangs lässt sich heutzutage bei drei Vogelarten beobachten: den Scherenschnäbeln der Gattung Rhynchops, die in den asiatischen und afrikanischen Tropen sowie entlang der amerikanischen Küste heimisch sind. Mehr Bilder der Scherenschnäbeln aus Afrika sieht man vom Sanaga River in Kamerun in der Galerie.

Über dreißig spezielle Anpassungen an die Jagdtechnik besitzen die Scherenschnäbel im Schädel- und Halsbereich – etwa hornartige Verlängerungen am Knorpel des Unterkiefers und große Ansatzstellen für Muskulatur an Kiefer und Halswirbeln.

Die Vogelbeobachtungsspezialitäten in der Umgebung des Chobe-Flusses im Norden von Botswana, die von Überschwemmungsgebieten, Grasland und Auenwäldern entlang der Flussläufe geprägt sind, sind wahre Leckerbissen für begeisterte Vogelbeobachter. Die Vogelliste zeichnet sich durch viele Arten aus, die die Nähe zum Wasser lieben. Die Vogelliste umfaßt Arten wie den Rotbauchreiher (Ardeola rufiventris), den Braunkehlreiher (Egretta vinaceigula), die Froschweihe (Circus ranivorus), die Binsenralle (Podica senegalensis), die Bindenfischeule (Scotopelia peli), den Riesenfischer (Megaceryle maxima) bis zu den oben genannten Afrikanischen Scherenschnäbel.  Aber auch Weißstirnspinte (Merops bullockoides), Papyrusrohrsänger (Acrocephalus rufescens),  Safranweber (Ploceus xanthops), Rubinkehlpieper (Macronyx ameliae) und die unübersehbaren Webervögel (Ploceus sp.) sind ebenfalls im Park zu Hause. Gäste aus dem Norden sind mit dem Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus) und dem Sprosser (Luscinia luscinia) ebenfalls vertreten.

Ausgangspunkt für den Chobe-Fluß ist normalerweise Kasane in Botswana. Diese kleine Ortschaft lebt vorwiegend vom Strom der Safaritouristen. Wir hatten uns zu Hause für die Mowana Lodge entschieden. Dort angekommen, konnten wir sofort die ersten Dorfweber (Ploceus cucullatus) beim Nestbau fotografieren. Am Nachmittag startete dann sofort die erste Bootstour auf dem Chobe. Gleich auf unserer ersten Bootsfahrt durchquerten 10 bis 20 Meter von uns entfernt Elefanten (Loxodonta africanus) schwimmend den Fluß Chobe. Die Vogelwelt läßt uns mit dem Boot sehr nah an sich heran; teilweise bis zu 2 Meter. Bienenfresser waren schon das ein oder andere Mal so nah, dass das Objektiv sie selbst bei minimaler Entfernungseinstellung nicht mehr scharf stellen konnten. Immer wieder sieht man den Weißstirnspint (Merops bullockoides). Vom Boot aus kann man sich den Vögeln des Parks so weit annähern, dass Format füllende Aufnahmen gelingen. Aber auch Reiher und die Skimmer ließen sich besser vom Boot fotografieren als aus dem Auto. Die Flusspferde (Hippopotamus amphibius) sind hingegen wesentlich scheuer. Werden Junge geführt, waren sie sehr schnell wieder untergetaucht. Antilopen akzeptierten unsere Anwesenheit auf dem Boot eher als im Auto. Der nächste Tag begann mit einer Frühpirsch im Auto. Ende August ist es in Kasane am Morgen noch recht frisch. Im offenen Geländewagen sollte man sich morgens entsprechend anziehen, denn ohne winddichte Kleidung werden die fünf Kilometer bis zum Eingang des Nationalparks ziemlich lang. Man friert bis auf die Knochen.

Im Park angekommen, tauchen schnell die ersten Antilopen auf. Die Dickhäuter haben sich noch weit in den Nationalpark zurückgezogen, erst später gegen 9:00 Uhr erscheinen die ersten Herden auf der Bildfläche, wenn sie zum Trinken an den Chobe Fluss ziehen. Im Park gibt es auch Löwenrudel. Nach den ersten beiden Ausflügen mit Geländewagen und Boot stand für uns fest, dass wir die weiteren Tage überwiegend mit dem Boot unterwegs sein würden. Normalerweise zwischen 8.30 und 9.30 Uhr begann unsere Tour. An den richtigen Stellen angekommen, geht dann alles ziemlich schnell. Auf der einen Seite kommen Elefanten an den Fluss und auf der anderen Seite gehen die ersten Flusspferde an Land. Bei der Wahl der Wassergefährte ist Umsicht geboten. Die meist angebotenen Boote sind zwar schnell, wendig und bieten genug Stauraum. Aber oft kann man die Kanäle wegen des niedrigen Wasserstands nicht ansteuern. Wir entschieden uns für ein Mokoro. Ein Mokoro ist ein etwa vier Meter langes Einbaum-Boot der auf dem Flüssen im Norden von Namibia und Botswana u.a. am Okavango in Gebrauch ist. Die flachen Boote, die im allgemeinen zum Fischen und für kleine Gruppen gedacht sind, haben sich für als hervorragend zum Fotografieren herausgestellt. Wenn der Führer mit dem flachen Bug an Land fährt, kann man sogar ein Stativ einsetzen. Besonders für lange Brennweiten entlastet das die Arme. Das zeigt auch die Vorteile einer privaten Buchung. Solche Gelegenheiten ergeben sich nämlich bei Touren mit einer Gruppe kaum. Gruppen starten auch gewöhnlich zu festen Terminen. Dann sieht man große und kleine Boote ausschwärmen und man hat seine Mühe, Bilder der Flußlandschaft ohne Boote im Hintergrund aufzunehmen.

Sowohl der August als auch der September ist noch ein guter Reisezeitkompromiß. Es ist noch nicht so heiß und der Busch ist am Ende der Trockenzeit so ausgetrocknet, dass viele Tiere an den Fluss gebunden sind.

Der rund 11.000 km2 große Chobe Nationalpark im Norden Botswanas wurde 1967 gegründet und 1987 auf die heutige Größe erweitert. Er gilt als eines der artenreichsten und landschaftlich attraktivsten Schutzgebiete im südlichen Afrika. Die Landschaft wechselt zwischen weiten Savannengebieten, Auenwald sowie Buschlandschaften nahe der Flussufer. Berühmt ist diese Region für die größte Elefantenpopulation Afrikas. In der Trockenzeit ziehen die Chobe Elefanten bis zu 200 Kilometer aus den trockenen Pfannen im Südosten des Parks, wo man sie in der Regenzeit findet, an die Flüsse Chobe und Linyanti. Hier findet man die besten Stellen zum Beobachten und Fotografieren. In den Wasserkanälen des Flusses tummeln sich außerdem etliche Flusspferde. Büffelherden (Syncerus caffer) und Puku (Kobus vardonii). Das Gebiet um den Chobe zwischen Kasane und Ngoma Bridge ist touristisch sehr gut erschlossen. Das ist zwar nicht immer nur von Vorteil für Fotografen, aber es eröffnet immerhin die Möglichkeit, je nach Geldbeutel zwischen verschiedenen Unterkünften oder Safari-Angeboten auszuwählen.

Zu den weiteren interessanten Gebieten des Nationalparks gehört die Savute, eine offene Savannenlandschaft mit Kameldorn- und Mopanebäumen. Tiere können in den kühleren Morgen- oder Nachmittagsstunden in der Savanne beim Grasen beobachtet werden. Löwes (Panthera leo) und Antilopen sind das ganze Jahr über zu sehen. In den Linyanti-Sümpfen im nordwestlichen Teil des Parks an der Grenze zu Namibia findet man die Tiere entlang des Flusses und am Rande der Sümpfe. Hier kommt der Wasserbock (Kobus ellipsiprymnus) recht häufig vor. Das vierte Gebiet des Nationalparks ist Nagotsaa. Wenn die Wasserstellen in diesem Teil des Parks gefüllt sind, gibt es kaum Orte in Botswana, an denen man besser Tiere beobachten kann.

Die geeignetsten Plätze für die Tierfotografie befinden sich in Afrika gewöhnlich in der Nähe der Lodges. Dort findet man auch die Kenner der Region. Insbesondere die von den Lodges angestellten Fahrer kennen in der Regel die Aufenthaltsorte der Tiere sehr genau. So ist es dann auch kein Problem die eindrucksvolle Südliche Giraffe (Giraffa giraffa), eine Herde Streifengnus (Connochaetes taurinus) oder auch die Pukus (Kobus vardonii) sehen. Für individuelle Safaritouren empfiehlt sich, eine Unterkunft mit entsprechenden Angeboten direkt vor Ort zu buchen. Nicht alle Lodges ermöglichen individuelle Safaris im Auto oder Boot unter Ausschluss weiterer Touristen. Auf unsere Suche nach dieser Möglichkeit stießen wir auf die Mowana Lodge, heute bekannt als Cresta Mowana Safari Resort, die wegen ihrer Größe auf den ersten Augenblick etwas abschreckend wirkte. Dieses gehobene Safariresort mit Blick auf den Chobe River hat ein hohes Strohdach und liegt jeweils 8 km vom Chobe National Park und dem Flugplatz Kasane entfernt. Unseren speziellen Wünschen kam sie jedoch sehr gut entgegen.

Botswana ist ein kostspieliges Safari-Land. Mehrere Lodges bieten teure Quartiere und unter fotografischen Gesichtspunkten nur mäßige Safari-Leistungen an. Es gibt zwar auch die preiswertere Möglichkeit zum Campen, aber das ist meist nur denjenigen vergönnt, die sehr viel Zeit investieren können. Wer in kurzer Zeit viel vor die Linse bekommen möchte oder muss, der sollte mit einem der führenden Safariunternehmen vor Ort arbeiten. Über das Internet werden jede Menge Safaris angeboren, die nach dem Baukastenprinzip zusammengestellt werden können. Aber auch für individuelle Arrangements bleibt genügend Spielraum.

Bird-lens ist vor allem eine Website, die die wachsende Nachfrage nach top Aufnahmen der Vögel der Westpaläarktis befriedigen soll. Um die insgesamt wachsende Nachfrage nach Top- Aufnahmen seltener Vogelarten befriedigen zu können, hat Bird–Lens.com aber auch gezielt Reisen an entfernte Orte wie Afrika oder Südamerika unternommen. Dies alles um exzellente Fotos von Vögeln machen zu können. Die Ausbeute an Bildern nicht nur von seltenen westpaläarktischen Vögeln ist sehr gut. Das schöne Bild des Blogs ist nur ein erster Eindruck, was Sie in hinter dem Reiter “Picture-Shop” sehr bald finden können. Hinterlassen Sie doch einfach eine Nachricht, wenn bird-lens.com mit einem Bild dienen kann.

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