Sperber: der unsichtbare Greif

Nach einem langen Winter treiben mich die ersten Frühlingstemperaturen im März nach draußen. Zwischen den Feldern und über einem Wald läßt mich ein Geräusch aufhorchen. Es ist eine Art pulsierendes, primitives, hohes Kreischen. Fast kein Vogelruf. Durch die noch nackten Baumkronen sehe ich die Quelle des Geräuschs direkt über mir am grauen Himmel. Mein erster Anblick eines Sperbers (Accipiter nisus) in diesem Jahr in der Nähe meines Hauses.

Im letzten Licht eines klaren Maiabends kommt eine zweite Sichtung hinzu. Diese ist nicht weit von der ersten entfernt. Ein Sperberpaar offenbart sich in einem spektakulären Kunstflug von 10 Minuten Länge. Die Geschwindigkeit im Wellenflug und die fließende Bewegung des Vogels faszinieren ungemein.

Im Sommer, als die Geräusche im Wald durch dichte Belaubung gedämpft werden, höre ich ähnliche Rufe wieder. Diesmal werden sie häufiger und beharrlicher gerufen und von mindestens zwei Vögeln erzeugt. Vorsichtig bewegte ich mich über holprigen und mit Ästen bestandenen Untergrund auf die Geräuschquelle zu. Immer wenn ich meinte, am Ort zu sein, hatten sich die Rufe weiter in das Waldesinnere zurück verzogen. Umso mehr ich mich vorwärts bewegte, desto weiter entfernte sich der unsichtbare Vogel.

Ein paar Tage später konnte ich einen frustrierend verschwommenen Blick auf ein Sperberweibchen erhaschen. Es war gerade so viel, dass ich das leuchtende Gelb ihrer Iris und die horizontalen Streifen auf seinem Bauchgefieder mehr oder weniger deutlich erkennen konnte Ein unverstellter, näherer Blick auf diese Vögel war aber trotz Anstrengung unmöglich. Im Wald stellen sich Sperber häufig als unsichtbar heraus.

Am nächsten Tag beschloss ich, es ein letztes Mal an dieser Stelle im Wald zu versuchen. Nach einer Stunde Wartezeit hörte ich den feinen, kreischenden Ruf wieder. Ich intensivierte meine Suche mit dem Fernglas. Nichts! Gerade hatte ich das Fernglas abgesetzt, als der Ruf wieder anhob. Ich hob mein Fernglas mehr in der Hoffnung als in der Erwartung. Der Blick landete direkt auf einem Sperber, der mit entwaffnender Ruhe auf einem Nadelbaumzweig stand. Etwas später sah ich einen zweiten Vogel, der eher unfertig aussah. Ein Jungtier. Diese hatte mich mit seinen Bettelrufen aufmerksam gemacht. Der Nachwuchs war die Quelle dieser Geräusche im Sommer. Ich beobachtete beide Vögel eine halbe Stunde lang.

Erst als sie gemächlich abflogen, sah ich die unordentlichen Reste von Taubenfedern auf dem Boden. Offensichtlich hatte eine Kohlmeise (Parus major) ihr Leben als Beute lassen müssen. Ich schüttelte den Kopf. Die ganze Zeit hatte ich nach Sperberspuren in den Bäumen gesucht, während zu meinen Füßen ein nun ein eindeutiger Hinweis lag; ein Zeichen unbemerkt.

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