Laufhühnchen in Europa ausgestorben

LaufhühnchenNach fast 40 Jahren ohne bestätigte Sichtung ist das Laufhühnchen (Turnix sylvatica), auch Rostkehl-Kampfwachtel genannt, der erste Vogel, der seit dem Riesenalk (Alca impennis) in Europa ausgestorben ist. Je nachdem, wie man „Europa“ versteht – politisch oder  geografisch – leistet noch der Kanaren-Austernfischer (Haematopus meadewaldoi), auch als Kanarischer Austernfischer bekannt, Gesellschaft. Das ist eine andere “europäische” Art, die in letzter Zeit ausgestorben ist.

Die unter englischen Vogelbeobachtern eher als Andalusian Hemipode bekannte Art wurde von der spanischen Regierung offiziell als ausgestorben eingestuft. In Südspanien wurden in den letzten zwei Jahrzehnten umfangreiche Nachforschungen durchgeführt, um die ggf. verbleibenden Populationen dieser schwer zu entdeckenden Art zu finden. Die letzte bestätigte spanische Meldung datiert aus dem Jahr 1981 in der Nähe des Doñana-Nationalparks. Verlässliche Beobachtungen wurden keine mehr gemacht. Allerdings wurden Rufe bis kurz nach der Jahrtausendwende aus dem Gebiet gemeldet. Von diesen Meldungen wurde von der Seltenheitskommission jedoch keine vollständig akzeptiert. Im Gegensatz zu anderen ausgestorbenen Vögeln ist das Laufhühnchen nicht global ausgestorben. Es ist vielmehr in Afrika und Asien in anderen Unterarten weit verbreitet. In der westlichen Paläarktis hat es einen letzten Schwerpunkt mit einer kleinen und abnehmenden Population der Nominat-Unterart sylvatica, die im traditionellen Ackerland in Teilen der marokkanischen Küste vorkommt. Diese Population blieb jahrzehntelang unentdeckt und wurde erst 2011 nach einem in Dutch Birding veröffentlichten Artikel bekannt. In Europa war Spanien jedoch das letzte Rückzugsgebiet für das Laufhühnchen, das früher viel weiter verbreitet war. Die anderen Populationen u.a. in Sizilien und Portugal starben wohl schon in den 1920er und 1970er Jahren aus. Infolgedessen fand bird-lens.com ein Laufhühnchen der Unter-Sahara-Unterart epurana auf einem Afrika-Ausflug in Malawi. Es heißt Kurrichane Buttonquail auf Englisch. Das Laufhühnchen ist wirklich winzig. Ungefähr 15 cm lang und auf dem Rücken weitgehend braunkastanienbraun. Das Bild des Blogs zeigt auch die rötlich-gelbe Brust sehr gut.

In Malawi stolperten wir fast über das Laufhühnchen. Es war ein früher Morgen. Nach einem Kaffee vor den kleinen Chalets starten wir zur ersten ganztägigen Malawi-Expedition. Die typischen ostafrikanischen Vögel waren unser Hauptinteresse. Bei fast Dunkelheit gingen wir zum Auto. Ich startete den Motor des Land Rover, schaltete den Scheinwerfer ein und… erschreckte einen Vogel im Scheinwerferkegel direkt vor dem Auto, umgeben von tiefschwarzer Dunkelheit. Der Vogel stand ganz still, offensichtlich von unseren Scheinwerfern geblendet. Es sah wie eine kleine graubraune Wachtel aus. Wir stiegen aus dem Auto und versuchen den Vogel zusätzlich mit einem Jagdscheinwerfer an zu leuchten. Das war aber zu viel. Der Vogel flog davon und konnte nicht wieder gefunden werden.

Von den insgesamt 15 Turnix-Arten ist das Laufhühnchen am weitesten verbreitet. Es ist eng verwandt mit dem Fleckenlaufhühnchen (Turnix maculosa). Es ist so eng verwandt, daß beide Arten als Artgenossen betrachtet werden. Weltweit werden bis zu neun Unterarten des Laufhühnchens anerkannt. In der einschlägigen Literatur hat die Art verschiedene englische Volksnamen. So u.a. Andalusian Buttonquail, Andalusian Hemipode, Kurrichane Buttonquail und Striped Buttonquail. Die europäische Unterart (das andalusische Laufhühnchen) ist ein im  westlichen Mittelmeerraums endemischer Vogel. Das andalusische Laufhühnchen ist als Unterart überraschend nahe verwandt mit der auf dem Bild des Blogs gezeigten Unterart Turnix sylvatica lepurana mit ihrem englischen Namen Kurrichane Buttonquail. Beide Unterarten unterscheiden sich hauptsächlich in Größe und Farbe des Nackens und des Rückens.

Zur Population des Laufhühnchens wurden Untersuchungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Andalusien von Wissenschaftlern der Biologischen Station Doñana in Zusammenarbeit mit der Regionalregierung von Andalusien sowie von Freiwilligen und lokalen NGOs wie Colectivo Ornitológico Cigüeña Negra durchgeführt. Leider waren alle Nachforschungen erfolglos. Das führte dazu, dass das Laufhühnchen in Spanien und damit in Europa für ausgestorben erklärt wurde.

Diese offizielle Feststellung eröffnet bemerkenswerte Möglichkeit. Nun ist es möglich, ein offizielles Wiedereinführungsverfahren einzuleiten. Im August veröffentlichte die spanische Regierung eine Liste mit offiziell ausgestorbenen Vögeln, darunter das Haselhuhn (Bonasa bonasia), das Birkhuhn (Tetrao tetrix) und eben das Laufhühnchen. Eine solche Bestätigung des Artenstatus ist für genehmigte Wiederansiedlungsprogramme die Voraussetzung.

Man ist sich darüber im Klaren, daß jede zukünftige Wiedereinführung in Spanien durch Unterarten der Nominatform vorzunehmen ist. Die Nominatform von Turnix sylvatica ist jetzt nur noch in einem schmalen Küstenstreifen in Marokko zu finden ist. Die letzte Populationszählung in Marokko im Juni 2014 bestätigte allerdings einen rückläufigen Trend, und es gibt keine Anzeichen für eine Verbesserung in den letzten vier Jahren.

Bird-lens ist vor allem eine Website, die die wachsende Nachfrage nach top Aufnahmen der Vögel der Westpaläarktis befriedigen soll. Um die insgesamt wachsende Nachfrage nach Top- Aufnahmen seltener Vogelarten befriedigen zu können, hat Bird–Lens.com aber auch gezielt Reisen an entfernte Orte wie Afrika oder Südamerika unternommen. Dies alles um exzellente Fotos von Vögeln machen zu können. Die Ausbeute an Bildern nicht nur von seltenen westpaläarktischen Vögeln ist sehr gut. Das schöne Bild des Blogs ist nur ein erster Eindruck, was Sie in hinter dem Reiter “Picture-Shop” sehr bald finden können. Hinterlassen Sie doch einfach eine Nachricht, wenn bird-lens.com mit einem Bild dienen kann.

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