Feldmerkmale des Buschrohrsängers

BuschrohrsängerEine mitteleuropäische Entdeckung eines Buschrohrsängers (Acrocephalus dumetorum) im Feld erfolgt erstaunlich selten – wenn man sieht, wie nah die westliche Verbreitungsgrenze dieser Art ist. Über die Beobachtung eines Buschrohrsängers im Matsalu National Park in Estland hatte bird-lens.com ja bereits berichtet. Es wird wohl an der Ähnlichkeit mit den beiden heimischen Rohrsängerarten, Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) und Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) liegen. So sind Meldungen wie die in ornitho.de vom 1. Oktober 2017 („..Bestimmung nachträglich anhand von Bildern. Bei Nachsuche am 22.10. von mir nicht mehr wiedergefunden.“) auch nicht verwunderlich.

Hinzu kommt, daß der Vogel nicht so eindeutig singt, auch ein guter Imitator ist, daß man auf Anhieb an einen Buschrohrsänger. Die Meldung in ornitho.de vom Donnerstag, 22. Juni 2017 ist da symptomatisch. Ein Buschrohrsänger in Bielefeld sang mehrmals kurz, Teile erinnern an Sumpfrohrsänger, Teile an Gelbspötter. Man grenzte die Artbestimmung dann über den Lebensraum (Hecken/Bäume in einem bebauten Gebiet) ein. Man hat also nicht nur die Rohrsänger, vor allem den Sumpfrohrsänger, sondern auch noch Gelbspötter (Hippolais icterina) oder sogar Orpheusspötter (Hippolais polyglotta) auseinander zu halten. Erstaunlich – oder auch nicht – hoch ist der Prozentsatz an Fängen, so u.a. im Fanggarten von Helgoland oder der Greifswalder Oie.

Auch in den Niederlanden gab es 2012 nur 17 Meldungen für die Niederlande. Bis Mitte 2017, nur 5 Jahre später, gibt es aber fast 40 Datensätze, was auf das verstärkte Beringen im Fanggarten und mit einer besseren Kenntnis der subtilen Unterschiede des Buschrohrsängers gegenüber den beiden heimischen Rohrsängerarten, Teichrohrsänger und Sumpfrohrsänger zu tun hat.

Trotz der oben angeschnittenen Schwierigkeiten Buschrohrsänger von den beiden häufigeren Rohrsängerarten, dem Teichrohrsänger und dem Sumpfrohrsänger zu unterscheiden, gibt es doch ein paar Kriterien, die schon im Feld bei der Beobachtung, spätestens dann aber bei der Betrachtung von Fotos hilfreich sein sollten. Zum einen ist dies die Gesamtfärbung. Wie ja schon im Blog über den Buschrohrsänger im Matsalu National Park in Estland gesagt, wirken im Allgemeinen Buschrohrsänger grauer, eher kälter im Ton. Die weißliche Unterseite weist auch deutlich weniger Kontrast an den Flanken auf. Die beiden anderen Rohrsängerarten haben deutlich warm-bräunliche Flanken, die besonders bei jungen Vögeln auffällig sind. Insgesamt weisen beide Rohrsänger einen wärmeren, eher braun-rötlichen Ton auf. Dies ist bei ausgewachsenen Teich- und Sumpfrohrsänger im Spätsommer oder Herbst weniger ausgeprägt; jedoch im direkten Vergleich zum Buschrohrsänger immer noch erkennbar.

 Ein gutes Kriterium ist auch, dass die Buschrohrsänger eher einheitlich gefärbt sind.  Sowohl der Teich- als auch der Sumpfrohrsänger weisen deutlich mehr Kontrast auf. Es gibt kaum Farbunterschiede in den Schirmfedern; die Federzentren sind nicht kontrastierend abgesetzt. Verschiedentlich wird auf die Färbung des Schnabels als Unterscheidungskriterium verwiesen. Die in der Literatur vermerkten Hinweise lassen sich diein Estland gemachten Fotos aber nicht bestätigen.

Für denjenigen, der sich stärker mit der Flügelanatomie auseinandersetzen möchte, sei noch auf typische Flügelstrukturmerkmale hingewiesen. Die Handschwingen weisen deutliche Strukturunterschiede aus. So ist die Handschwinge P2 deutlich kürzer als die Handschwingen P3, P4 und meist sogar P 5.

Die Handschwingenprojektion ist ein weiteres Merkmal, das man im Vergleich der Rohrsänger nutzen kann. Selbst bei vernünftigen Fotos kann man dies erkennen, solange der Flügel von der Seite fotografiert wird. Beim Buschrohrsänger ragen 6-7 Handschwingen über die Schirmfeder hinaus; beim Teich- als auch beim Sumpfrohrsänger sind dies 7-8. Die relative Länge ist ebenfalls wichtig. Die Handschwingenprojektion beim Buschrohrsänger ist relativ kurz. Die Handschwingen ragen im Vergleich mit den Schirmfedern beim Buschrohrsänger nur zu 50-70% heraus. Das bedeutet, dass die Handschwingen beim zusammen gelegten Flügeln nur 50% der Länge der Schirmfeder ausmachen. Beim Teichrohrsänger sind es 70-80% und beim Sumpfrohrsänger sogar 90-100%. Dies bedeutet, dass die Handschwingenprojektion gleich lang ist wie die Schirmfedern. Eine Handschwingenprojektion von > 70 % schließt den Buschrohrsänger definitiv aus.

Buschrohrsänger werden laut den Berichten in Ornitho.de und dem Club 300.de immer wieder auch in Deutschland gesichtet. Demzufolge gibt es durchaus Chancen, dass Vogelbeobachter ihn auch vergleichsweise westlich beobachten können. Wie gesagt: bisher erstaunlich selten. Vielleicht liegt es an der Verwechslung mit den beiden häufigeren Rohrsängerarten.

Buschrohrsängersind Langstreckenzieher, die recht spät im Jahr in ihre Brutgebiete im östlichen Mittel- und Nordeuropa ziehen. Erst ab Ende Mai, sind sie auch an ihrer westlichen Grenze des Verbreitungsgebiets zu finden. Dabei und beim Herbstzug kommt es natürlich immer mal wieder dazu, daß Vögel „falsch“ abbiegen. So gab es z.B. Meldungen 2014 von der Greifswalder Oie, von Helgoland und auch von Peenemünde. Auf Helgoland war der Buschrohrsänger sehr gut u.a. am Kurteich auf der Hauptinsel zu sehen. Er trieb sich aber auch um das E-Werk und die Jugendherberge herum. Auf der der Greifswalder Oie wurde ein Buschrohrsänger am 21.05. 2014 gefangen und beringt. Bis dato gab es von der Greifswalder Oie 4 Nachweise im Jahr 2015: je ein Fängling am 20.05., 21.05. und 26.05. sowie eine Beobachtung eines singenden Vogels am 24.05.2014.

Der im Blogbild abgebildete Buschrohrsänger konnte nun erstmals in seinem Brutgebiet, in Estland fotografiert werden. Die bisher verfügbaren Bilder u.a. im “Picture Shop” wurden stattdessen von einem Buschrohrsänger gemacht, das ausgiebig am Rande eines Busches im Winter 2008 im Keoladeo Ghana Nationalpark (auch Bharatpur genannt) in Indien verweilte. Hier überwintert die Art regelmäßig.

Um mit der wachsenden Nachfrage nach Top- Aufnahmen der selteneren Arten der Paläarktis zu bewältigen ist Bird-lens.com bestrebt, das Spektrum der Bilder von Vögeln der Westpaläarktis weiter auszubauen. Trips zu abgelegenen Orten, um Bilder von seltenen Vögeln der Westpaläarktis zu machen, waren sehr erfolgreich. Dieses schöne Bild eines Buschrohrsängers ist nur ein erster Eindruck, was Sie in der Galerie in der “Picture Shop” sehr bald finden können. Geben Sie bird-lens.com einfach eine Nachricht, wenn ich mit einem Bild dienen kann.

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