Gelbbrauen-Laubsänger: Irrgast wegen Fehlorientierung in großen Kreisen?

Gelbbrauen-LaubsängerGelbbrauen-Laubsänger (Phylloscopus inornatus) werden zunehmend im im westlichen Europa gemeldet. Dazu paßt auch die Meldung vom Oktober 2016 nördlich von Potsdam. Die allgemeine Zunahme der Beobachtungen im westlichen Europa in den letzten Jahren wird sehr deutlich aus Angaben aus Großbritannien, dass die Art mittlerweile dort in manchen Gegenden in einigen Phasen des Herbstes der häufigste „Warbler“ sei. Auch auf Helgoland ist dieser „Irrgast“ im Oktober nicht selten.

Beim Gelbbrauen-Laubsänger handelt es sich um einen typischen kleinen Laubsänger mit feinem, spitzem Schnabel und relativ kurzem Schwanz. Vom Aussehen her ähnelt dieser Phylloscopus-Laubsänger einem Goldhähnchen (am ehesten einem Sommergoldhähnchen (Regulus ignicapilla)). Je nachdem wie er sich positioniert, wirkt er nicht zierlicher als der heimische Zilpzalp (Phylloscopus collybita), obwohl seine Körperlänge um acht Millimeter kürzer ist. Die Oberseite ist olivgrün mit etwas hellerem Bürzel und Oberschwanzdecken. Zwei deutliche, aber unterschiedlich intensiv ausgeprägte Flügelbinden, die von den hellen Säumen der Armdecken hervorgerufen wurden, sind meist das auffälligste Merkmal. Der Oberkopf ist dunkelgrün mit sehr schwach angedeutetem hellerem Scheitelstreif. Namensgebend ist der grün-gelbe Überaugenstreif. Dieser Überaugenstreif reicht recht weit nach hinten und wird nach unten durch einen schwarzen Augenstreif begrenzt.

Auch andere Zugvögel, die teilweise weit im Osten Sibiriens erbrütet und aufgezogen werden und die normalerweise in Südostasien / Ostasien überwintern, kommen im Herbst regelmäßig in Nordwesteuropa vor. Das sind mehr als 2.500 km von ihrem Brutgebiet und mehr 8.000 km von ihrem regulären Überwinterungsgebiet entfernt. Da diese Zugvögel so weit von ihrem normalen Migrationspfad abgekommen sind, ist es interessant zu untersuchen, welche Art von Fehlern während der Durchführung ihres Zugprogramms aufgetreten sind.

Gelbbrauen-Laubsänger und Goldhähnchen-Laubsänger (Phylloscopus proregulus) gehören zu den zahlreichsten sibirischen Irrgästen in Nordwesteuropa. Der Gelbbrauen-Laubsänger brütet in Nordsibirien vom Ural bis zum Pazifischen Ozean und im Winter in Südostasien. Phylloscopus proregulus brütet in Südsibirien etwa vom Fluss Jenissei bis zum Ochotskischen Meer und im Winter in Nordostasien und Südchina. Die Literatur legt nahe, dass beide Arten ihre Winterquartiere erreichen, indem sie von Ost / Süd-Ost nach Nordost-Mongolei / Süd-Ost-Russland ziehen, gefolgt von einem Süd / Süd-West-Richtung, wodurch die Wüste Gobi, die tibetische Ebene und der Himalaya vermieden werden.

Eine wissenschaftliche Übersicht beleuchtet Erklärungen zum Auftreten von Gelbbrauen-Laubsänger und Goldhähnchen-Laubsänger im Artikel Vagrancy of Yellow‐browed Warbler Phylloscopus inornatus and Pallas’s Warbler Ph. proregulus in north‐west Europe: Misorientation on great circles? von Kasper Thorup

Mehrere Hypothesen wurden in der Vergangenheit vorgeschlagen, um das recht häufige Vorkommen dieser beiden Arten in Nordwesteuropa zu erklären. Die erste Hypothese ist: Winddrift. Junge Migranten werden von einem großen Hochdruckgebiet über der Zentralsibirischen Ebene vom Kurs abgebracht. Das erwartete Orientierungsverhalten in Nordwesteuropa ist: a) Orientierung in der normalen Migrationsrichtung (zwischen Ost und Süd-Süd-West). b) Rückenwindausrichtung.

Die zweite Hypothese ist: Fehlorientierung. A) Streuung in der normalen Migrationsrichtung, gefolgt von differentiellem Überleben in verschiedenen Richtungen, B) spezifische Großwinkel-Fehlorientierung, z. B. umgekehrte Orientierung, und C) umweltbedingte Fehlorientierung aufgrund magnetischer Anomalien. Auf der Grundlage von Orientierungstests ist es nicht wirklich möglich, zwischen den Hypothesen A), B) und C) zu unterscheiden. Die erwartete Wanderungs-Orientierung nach Hypothese 2 wäre jedenfalls westlich oder süd-westlich der angestammten Überwinterungsgebiete. Je nachdem, ob die Vögel einem Großkreis oder einer Linie in Form eines Rhombus folgen. Wenn die Vögel entlang großer Kreise reisen, dürfte man die gleiche Orientierung für Gelbbrauen-Laubsänger und Goldhähnchen-Laubsänger erwarten.

Orientierung in Bezug auf den magnetischen Norden würde zu einem rhombischen Verlauf führen. Wenn die Vögel die Richtung einmal oder mehr entlang der Route ändern, könnte fast jede westliche Orientierung erwartet werden. Um die Hypothesen oder Kombinationen davon zu unterscheiden, führte der Wissenschaftler eine Studie über die Orientierungspräferenzen beider Phylloscopus – Laubsängerin Dänemark durch.

Die Wanderungsorientierung der beiden sibirischen Arten Gelbbrauen-Laubsänger und Goldhähnchen-Laubsänger wurde im Herbst 1994 auf Christiansø, Dänemark, getestet. Die Wissenschaftler fanden eine Ost-West-Orientierungsachse. Obwohl Wetter und Klima eine wichtige Rolle für das Überleben der Irrgäste spielen, passt diese Achse gut in die Richtung von den Brutgebieten nach Christiansø. Dies deutet darauf hin, dass Fehlorientierung ein wichtiger Faktor für das Auftreten von Gelbbrauen-Laubsänger und Goldhähnchen-Laubsänger in Nordwesteuropa sein könnte. Darüber hinaus scheint es möglich, die Richtung nach Europa als Teil einer umgekehrten Großkreisroute zu erklären ist, die möglicherweise dadurch entsteht, dass die Vögel ihre innere Uhr nicht richtig einstellen bzw. zurückstellen.

Es heißt also auch mitten in Europa in den kommenden Wochen die Augen nach dieser hübschen Phylloscopus – Art offen zu halten.

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