Uhus in Taunus-Steinbrüchen

UhuDer Einstellung der Jagd und Auswilderungs- und Ansiedlungsaktionen in den letzten Jahrzehnten ist es zu verdanken, dass der Taunus heute zu einem der am dichtesten mit Uhus (Bubo bubo) besiedelten Regionen in Deutschland gehört. Oft liegen die Steinbrüche, die von den großen Nachtjägern bewohnt werden, nur wenige Kilometer auseinander. Dabei besiedeln die Eulen nicht nur die großen aufgelassenen Abbaugebiete, sondern auch kleine, längst überwucherte Steinbrüche und sogar aktive Abbaugebiete, in denen unmittelbar an der Brutwand gearbeitet wird. Der eigentliche Brutplatz ist bei den Uhus meist nicht viel mehr als eine Mulde unter einem Überhang, der wenigstens etwas vor Regen schützt. Die Mulde ist praktisch nicht ausgepolstert und auch kaum von Steinen freigeräumt. Sobald die Junguhus schlüpfen, verdreckt die Mulde durch Nahrungs- und Kotreste zusehends. In Steinbrüchen sieht man die Spuren der Uhus gar  nicht selten an den Resten von Rupfungen und an Kotspritzern – insbesondere an Abbruchkanten. Reste von Rupfungen können von Igeldecken, halbe Tauben, Taubenfedern, Krähenfedern, Waldkauzfedern bis zu ausgewaschenem Gewölle reichen.

Nach einigen Wochen ist der Platz übersät mit Dreck, Rupfungsresten und Ungeziefer, so dass man das Nest schon aus einigen Metern Entfernung eher riecht als sieht. Werden die Jungvögel in den ersten Wochen noch ständig von den Eltern gewärmt, kommen die Alttiere später nur noch vorbei, um die Beute abzuliefern und sich anschließend irgendwo in die Felswand oder Continue reading Uhus in Taunus-Steinbrüchen

Abgebrannt: Pelzelnnachtschwalbe in Grassteppe

PelzelnnachtschwalbeAngesichts der Waldbrände im Süden Brandenburgs mit vielen Hundert Feuerwehrleuten im Einsatz mag es makaber erscheinen, dass Feuer für viele Vögel unabdingbar ist, um weiterhin in ihrem angestammten Habitat leben zu können. Einer dieser Vögel ist die Pelzelnnachtschwalbe – auch Weißflügel-Nachtschwärmer genannt – (Caprimulgus candicans), die in abgebrannten Teilen der Savanne auf dem Plateau im Bundesstaat Goias in Brasilien vorkommt.

Die Pelzelnnachtschwalbe ist eine seltene, wenig bekannte und bedrohte Art. Sie ist immer wieder Anlaß taxonomischer Diskussionen und ist auch unter dem Gattungsnamen Eleothreptus candicans und Hydropsalis candicans zu finden.  Wissenschaftler hatten im November 1997 eine männliche Pelzelnnachtschwalbe im Emas-Nationalpark im Bundesstaat Goiás gefunden. Das Exemplar befand sich auf einem Termitenhügel in einem kürzlich verbrannten Gebiet mit trockener Vegetation. Es wurde damals schon festgestellt, dass sich diese Nachtschwalbe sich auf verbrannte Gebiete zu spezialisieren schien. Eine Erklärung ist, dass im Zuge der Regenerierung verbrannter Vegetation ein hoher Überfluss an Insekten einstellt. Wissenschaftler empfehlen daher kontrollierte Verbrennungen, um nicht nur die Pelzelnnachtschwalbe, sondern auch Populationen anderer Tiere im Savannenhabitat des Das Emas-Nationalpark zu begünstigen.

Diese Nachtschwalbe ist eine relativ kleine Nachtschwalbe mit einem bemerkenswert ausgeprägten sexuellen Dimorphismus. Die Nachtschwalbe ist ein Bewohner der offenen Savannen Zentral-Südamerikas. Das extensive Weiß in den Flügeln und im Schwanz Continue reading Abgebrannt: Pelzelnnachtschwalbe in Grassteppe

Kaptölpel an Südafrikas Westküste

KaptölpelKaptölpel (Morus capensis) oder – auf Englisch – Cape Ganets brüten auf Bird Island bei Lamberts Bay zwischen Oktober und Februar. Die Insel ist eine der wenigen Orte, an der die Kaptölpel brüten. Knapp 300 km nördlich von Kapstadt, an der südafrikanischen Westküste liegt diese Insel. Die Insel ist knapp 3 Hektar groß und liegt in der Hafenbucht direkt gegenüber Lambert’s Bay, einem Fischerort. Die Insel ist über einen Wellenbrecherdamm mit dem Festland verbunden. Neben den Kaptölpeln wird die Insel von Kapscharben bzw. Kapkormoranen (Phalacrocorax capensis), Brillenpinguinen (Spheniscus demersus) und natürlich vielen, vielen Möwenarten bevölkert. Die Insel ist einer der wichtigsten Brutplätze für diese  Seevögel, die mit unseren mitteleuropäischen Basstölpeln (Morus bassanus) verwandt sind. Bis zu 30.000 Exemplare der blauäugigen Kaptölpel versammeln sich auf Bird Island und bieten einen grandiosen Anblick. Die leuchtenden Körperfarben bilden einen wunderschönen Kontrast zum tiefen Stahlblau des südafrikanischen Himmels. Dichtgedrängt sitzen Kaptölpel nebeneinander in der Kolonie und man kann es kaum glauben, wie punktgenau die Vögel mit einer Spannweite von fast 2 Metern in der Menge der Artgenossen landen können. Ohne zu zögern steuern sie den Partner an. Das spektakuläre Paarungs- und Territorialverhalten und die Brut lassen sich in Lamberts Bay zur richtigen Jahreszeit gut aus nächster Nähe beobachten. Während ein Vogel auf das Ei oder das Junge aufpasst ist der zweite auf Futtersuche auf dem Meer. Den geringen Platz in der großen Kolonie verteidigen gerade die Männchen ausgesprochen Continue reading Kaptölpel an Südafrikas Westküste

A gourmet among woodpeckers: a Wryneck in Estonia

WendehalsHi-pitched callings are coming out of nowhere. Even the direction is not clear. In the poor light of the dawn I see a bird in flight. First I think of a Barred Warbler (Sylvia nisoria) or maybe a small female shrike like a Red-backed Shrike (Lanius collurio). Suddenly a Eurasian Wryneck (Jynx torquilla) hops around the woodland floor in search of a new anthill. It moves clumsily on flat ground, with its tail raised. With a few hammer blows from its bill, the wryneck breaks into the ants nest. Ants swarm out, but they do not have a chance. The Wryneck can hold 150 ants in its throat at any one time.

Afterwards the Wryneck flies to an oak tree, gripping the rough bark with its strong feet. It looks in holes in the bark for grubs and food items. The Eurasian Wryneck detects the tiny sound of a beetle moving behind the bark, and swiftly inserts its long tongue to catch the insect. The bird´s sharp, chisel-tipped bill enables it to smash into anthills. Specially adapted salivary glands keep its tongue sticky, so it can pick up ants with a flicking action. The tongue is also long Continue reading A gourmet among woodpeckers: a Wryneck in Estonia

Grauschnäpper und Gartenrotschwanz in Eichenhain am Waldrand

GartenrotschwanzEin niedriger Hain mit Stieleichen (Quercus robur), der über und über mit seinen Früchten, mit nicht ganz reifen Eicheln behangen schien, war an diesem warmen, aber bedeckten August-Sommertag der Anziehungspunkt für eine Vielzahl von Vögeln. Hier konnten 10 verschiedene Singvogelarten beobachtet werden. So jagte ein Familienverband von Grauschnäppern (Muscicapa striata) immer wieder aus dem Eichenhain und dem dahinter stehenden Kiefernwald hinaus auf eine Pferdeweide. Auch die Pfosten der Weide waren gern gesehene Jagdwarten. Am Waldrand fiel wenig später auch ein junger Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) auf. Dafür daß der Gartenrotschwanz in der Minderzahl war, konnte er sich gegenüber den Grauschäppern (sicher mind. 8 Exemplare) ganz gut durchsetzen. Trotzdem war die Konkurrenz – auch intraspezifisch – um die beste Jagdwarte unverkennbar. Immer wieder gab es Verfolgungsjagden, die in der Mehrzahl Artgenossen galt, ansonsten aber auch schon mal eine andere Vogelart betrag. Ein adulter und ein junger Pirol (Oriolus oriolus) stellten sich dann auch ein. Im hinteren Bereich waren es Buchfinken (Fringilla coelebs) und ein junger Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes), die sich zwischen Continue reading Grauschnäpper und Gartenrotschwanz in Eichenhain am Waldrand

Lammergeier at Mount Olymp/ Macedonia

BartgeierThe rush of wind through feathers is the only sound to break the silence as a huge bird glided by just a few meters from a crack high in the mountains around Mount Olymp. A Lammergeier or Bearded Vulture (Gypaetus barbatus) soars above the mountains, scavenging for a meal. It is the only species of bird that cracks open bones to feast on the marrow inside. Lammergeiers are able lifting large carcasses to great heights. Then they drop them onto the rocks below to break up the bones and access the marrow. Smaller bones are swallowed whole.

Like other mountainous areas of Greece, Mt Olympus has a fine selection of raptors and these include Egyptian Vulture (Neophron percnopterus), Eurasian Griffon (Gyps fulvus), Cinereous Vulture or Eurasian Black Vulture (Aegypius monachus), Short-toed Eagle (Circaetus gallicus), Levant Sparrowhawk (Accipiter brevipes), Golden Eagle (Aquila chrysaetos)  and Lanner Falcon (Falco biarmicus). A national park in the eastern part of the Olympus Mountains of northern Thessaly includes some of the most dramatic scenery in the whole of Greece and is popular with hikers as well as birders. Lammergeiers were regularly seen until a few years ago and they were thought to be no longer permanently resident in the area.

But this year, an adult Lammergeier has been seen and photographed on the 6th April in Mt. Olympus by Thomas Nikolopoulos. The Lammergeier in flight appeared with a Golden Eagle on the grey sky.  This is the first observation of an adult plumage bearded vulture since several years.

Two years ago, though, a 2nd-3rd calendar year bird was observed. Lammergeiers do occur in Crete, where the population is stable, at around 7 pairs. In the Alps the population has been increasing Continue reading Lammergeier at Mount Olymp/ Macedonia

Expedition zum Mount Kupé Bushshrike – Equipment & Logistik

Bei einer Expedition zu dem  – im englischen als Serle’s Bushshrike oder Mount Kupe Bushshrike bezeichneten – Halsbandwürger (Telophorus kupeensis)  war ich in den Bakossi Mountains sehr erfolgreich gewesen. Nach einem erfolglosen ersten Tag hatte ich zusammen mit den unverzichtbaren Guides am Ende des 2. Tages dann insgesamt 7 Individuen des Halsbandwürgers  „encountered“; davon 4 Sichtungen und 3 weitere Exemplare, die an anderer Stelle nur gehört wurden.

Die Bakossi Mountains sind  Teil der sogenannten Cameroon Mountain Arc im westlichen Landesbereich Kameruns. Hier herrscht eine Afrotropische Bergvegetation vor. Neben dem Halsbandwürger kommen als weitere endemische Arten u.a. das Kamerunfrankolin (Francolinus camerunensis) und Bannermanturako (Tauraco bannermani) vor

Insgesamt verbrachte ich an der im Blog zum Halsbandwürger-Paarungsritual beschriebenen Stelle an einem Bergkamm knapp 15 Minuten und schieße anfangs mit dem Canon EF 400mm 1:2.8 L IS II USM auf einem Gitzo-Stativ. Die häufigen Standortwechsel des Halsbandwürgers zusammen mit dem unerwartet niedrigen Standort des Vogels lassen mich dann zum Canon EF 200mm f/2L IS USM an der Canon EOS 5DS R wechseln. Trotz Belichtungszeiten mit 1/160 sec. später auch mit 1/80 sec. ermöglichte der vorzügliche Continue reading Expedition zum Mount Kupé Bushshrike – Equipment & Logistik

Grünlaubsänger im Old-Growth-Forest von Oandu

GrünlaubsängerToller Taigawald ist hier nahe dem Örtchen Oandu im Lahemaa Nationalpark im Norden Estlands erhalten geblieben. Ein sogenannter Old-Growth-Forest-Trail verläuft zwischen uralten Laub- und Nadelbäumen. Immer wieder wird der Pfad über Bohlen geführt. Der Trail ist ein Waldlehrpfad. Verschiedene Info-Tafeln informieren über den alten Taigawald, seine Flora und Fauna. Im Verlauf der kleinen Wanderung konnten wir schon einige typische Bewohner dieses sich weit westlich ausbreitenden Taigawaldes entdecken. Aber dann an einem der Hinweisschilder des Lehrpfads. Ein Gesang, laubsängerhaft und doch weder Fitis (Phylloscopus trochilus) noch Zilpzalp (Phylloscopus collybita). Der Hinweis von einem entgegenkommenden Vogelbeobachter stimmt also: an einem der letzten Info-Tafeln des Weges singt tatsächlich ein Grünlaubsänger (Phylloscopus trochiloides). Laut schmettert er seine Strophen in den Taiga-Himmel. Zu sehen ist aber erstmal nichts. Die Singwarte befindet Continue reading Grünlaubsänger im Old-Growth-Forest von Oandu

Common Swift and Northern House-Martin: a bad year in Germany?

MehlschwalbeYou could read in May several times in the media that there were fewer Common Swifts (Apus apus) and Northern House-Martins (Delichon urbica) this year than in previous years. For example, a conservation organization reported on the results of the “Stunde der Gartenvogel”, which is equivalent  the RSPB Big Garden Birdwatch number of these fast-flying insectivores declined by 40% less compared to 2006, when the first garden birds count (Stunde der Gartenvogel) was heralded.

But is it possible to deduce the extent of the loss of insect-eating birds from a momentary impression?

Meanwhile, both species are already longer in the country and the breeding season is almost over. Thus, the number of Common Swift has already passed its zenith again and since the beginning of August, no adult or this year’s specimens are present at some colonies in Brandenburg. House-Martins will be still present for several weeks but have bred already as well.

Thus, there are now good preconditions for answering the question Continue reading Common Swift and Northern House-Martin: a bad year in Germany?

Zwergscharben im Pinios-Delta/ Nordgriechenland

ZwergscharbeImmer wieder taucht ein kleiner schwarzer Wasservogel zwischen den im Wasser liegenden Baumstämmen der Kanäle im Pinios-Delta auf. Er hat Ähnlichkeit mit dem in Mitteleuropa häufigen Kormoran (Phalacrocorax carbo). Es ist aber der kleine Vertreter, die Zwergscharbe (Phalacrocorax pygmeus). Der Pinios mündet in einem Delta nördlich der Ortschaft Stomio ins Mittelmeer. Ein Großteil des fruchtbaren Schwemmlandes wurde schon vor Jahrzehnten trockengelegt und landwirtschaftlich genutzt. In den verbliebenen ursprünglichen Biotopen hat sich eine mannigfaltige Tier und Pflanzenwelt erhalten. 370 Hektar des Gebietes stehen unter Naturschutz. Dort bilden mit Lianen überzogene Platanen und Weiden dschungelartige Auwälder. Das Pinios-Delta umfasst eine Vielzahl von Feuchtgebieten und trockeneren Lebensräumen, darunter Fluss- und Küstenwälder, Salzmarschen und Süßwassersümpfe.  Obstgärten und Haine wechseln sich mit Auenwäldern, Küstenlagunen, Sanddünen und Stränden und sogar Steppenlebensräume ab.

Über 200 Vogelarten wurden bisher im Delta festgestellt, darunter alle europäischen Reiherarten, Bienenfresser (europ.) (Merops apiaster) und Blauracken (Coracias garrulus). Schwarzstirnwürger Continue reading Zwergscharben im Pinios-Delta/ Nordgriechenland

Influx of Rosy Starlings in Middle Europe

RosenstarRosy Starlings (Pastor roseus) are sociable and partly nomadic breeding birds of the steppes and semi-deserts of Central Asia and Southeastern Europe. Westward thrusts are usually associated with the mass propagation of grasshoppers. In Germany, Rosy Starlings are rare vagrants with few records per year, which usually affect rather inconspicuous pale-colored juveniles. At the moment, however, the chances of observing an attractive adult bird in partly breeding plumage are as good as virtually never before.

Currently there is a strong influx of Rosy Starlings. In the past two weeks, an unusually large number of adult Rosy Starlings have been found far to the west of their regular breeding grounds. Hundreds Continue reading Influx of Rosy Starlings in Middle Europe

Haubentaucher auf dem Altmühlsee

HaubentaucherEin Haubentaucher (Podiceps cristatus) sitzt aufrecht auf seinem Nest. Die Entfernung vom Steg beträgt nur 12 Meter. Am Altmühlsee haben sich die Haubentaucher an die Nähe des Menschen gewöhnt. Während der Brutzeit sitzt praktisch immer ein Altvogel auf dem schwimmenden Nest, nur wenige Zentimeter über der Wasserlinie. Der Partner sucht derweil nach Nahrung um den brütenden Altvogel mit kleinen Fischchen und Schwimminsekten zu versorgen. Früher im Jahr, so ab März/ April kann man ihr spektakuläres Balzverhalten beobachten. Brust an Brust richten sie sich im Wasser mit Nistmaterial im Schnabel auf und schließlich erfolgt auf einer der eigens zu diesem Zweck errichteten Plattformen aus abgebrochenen Schilfhalmen und Röhricht die Kopulation.

Die Haubentaucher sind am Altmühlsee so zutraulich, dass sie auf der Vogelinsel auch direkt neben dem Rundweg brüten. Sie scheuen sich dabei nicht unter den Holzbrücken hindurch zu tauchen, auch wenn Besucher darauf stehen. Man muss sich dann nur auf dem Holzsteg postieren und die anschwimmenden Vögel fotografieren. Continue reading Haubentaucher auf dem Altmühlsee