Beobachtung eines leuzistischen Neuntöters

NeuntöterBei der Absuche eines bekannten Zugvogelgebiets im Nordwesten von Zypern beobachtete im Randbereich des als Campingplatz benutzten nur spärlich parkähnlich bewachsenen Gebietes einen „weißen“ Würger, der schon auf den ersten Blick kein Raubwürger (Lanius excubitor) sein konnte. Trotz der hellen Färbung. Die geringere Größe und insbesondere der Habitus ließ keinen Zweifel aufkommen, daß es um einen abnorm gefärbten Neuntöter (Lanius collurio) handeln mußte.

Die Grundfärbung des Vogels war weiß. Deutlich traten aber hell-braune Streifen an den Flanken zum Vorschein. Sowohl der Rumpf, als auch die Arm- und Handschwingen sowie der Schwanz war einfarbig weiß. Die Beine waren hell gefärbt. Die schwache Steifung wies auf ein Weibchen eines Neuntöters hin.

Der Vogel nutzte verschiedene Sitzwarten innerhalb einer kleinen Hecke. Von dort aus machte er erfolgreiche Nahrungsausflüge in die nahen, spärlich bewachsenen aber insektenreiche Brachflächen. Die Näherung mit dem Auto akzeptierte er immerhin bis auf ca. 15 Meter. Beim 3. Versuch näher zu kommen, zog er sich mit den typischen harten „Teck-teck“-Rufen in das Innere der Hecke zurück. Am nächsten Tag war der Vogel verschwunden.

Ein Partner des Vogels konnte während der gesamten Beobachtungszeit von ca. 10 Minuten nicht ausgemacht werden; es waren aber noch andere Neuntöter in dem Gebiet, das als Trittstein auf dem Weg von Afrika nach Europa gilt.

Aufgrund der beschriebenen und der auf den Fotos erkennbaren Merkmale handelt es sich bei dem Vogel um einen leuzistischen Neuntöter, wenn es nicht sogar ein Teil-Albino ist. Leuzistische Vögel haben ein mehr oder weniger weißes Gefieder, weisen jedoch auch an Augen und Beinen immer Pigmentierungen auf. Bei Albinos fehlt die Pigmentierung völlig, weshalb Augen dann rötlich, Beine und Füße eher fleischfarben erscheinen. Für einen richtigen Albino wirken die Augen dann doch zu dunkel (nicht rötlich) während Beine und Füße klar fleischfarben erscheinen.

Der hell-graue Schnabel könnte auf ein einjähriges Tier hinweisen, wenn nicht der Albinismus sich bei einem Altvogel auch auf die Schnabelfarbe auswirkt. Es ist offenbar, daß der Vogel zumindest eine Überwinterung in Afrika erfolgreich überstanden hatte.

In Europa werden zwar häufiger Individuen verschiedener Arten mit solchen Farbabweichungen beobachtet, auch bird-lens.com hatte bereits über einen sehr hellen Buchfinken (Fringilla coelebs) berichtet, bisher sind die Berichte über Neuntöter oder eine andere Würgerart sehr spärlich.

Eine Recherche zur generellen Häufigkeit albinotischer und leuzistischer Neuntöter, die Günter Barth und Günter Nicklaus im Artikel „Zur Beobachtung eines leuzistischen Neuntöters, Lanius collurio im Noswendeler Bruch“ in Lanius 35, 2014: S. 53–57 anstellte, ergab für die Zeit von 1950 bis 2012 insgesamt zwölf Fälle ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Der Neuntöter war schon häufiger Gegenstand von Blogs bei bird-lens.com. Einige Aspekte seiner  Lebensweise wurden beschrieben, wie die eines jungen, neugierigen Neuntöters vor dem Beutefang oder sein Vorgehen beim Nestbau.

Bird-lens.com ist vor allem eine Website, die die wachsende Nachfrage nach top Aufnahmen der Vögel der Westpaläarktis befriedigen soll. Um die insgesamt wachsende Nachfrage nach Top- Aufnahmen seltener Vogelarten befriedigen zu können, hat Bird–Lens.com aber auch gezielt Reisen an entfernte Orte wie Alaska oder Südamerika unternommen. Dies alles um exzellente Fotos von Vögeln machen zu können. Die Ausbeute an Bildern nicht nur von seltenen westpaläarktischen Vögeln ist sehr gut. Das schöne Bild des Blogs ist nur ein erster Eindruck, was Sie in hinter dem Reiter “Picture-Shop” sehr bald finden können. Hinterlassen Sie doch einfach eine Nachricht, wenn bird-lens.com mit einem Bild dienen kann.

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