Schwarzspecht an Bruthöhle

SchwarzspechtMächtige Hammerschläge schallen weit durch den morgendlichen Wald und die über die feuchten Wiesen. Die anschließenden weit tragenden Rufe bestätigen die Vermutung. Der Schwarzspecht (Dryocopus martius) ist im Revier. Im weiteren Verlauf wird, nicht weit von den Lautäußerungen, auch der Brutbaum gefunden. Es ist eine Pappel, die der Sturm vor nicht allzu langer Zeit in der Mitte abgeknickt hat. Der untere, nun abgestorbene Stamm, weist im oberen Vierteil eine große, leicht ovale Öffnung auf. Es ist wohl keine brand-neue Höhle. Dafür wirkt der Rand der Höhle nicht frisch genug; doch weisen Holzspäne am Boden auf eine Überarbeitung der Höhle, diesmal für Brutzwecke, hin.

Wenig später kommt der Schwarzspecht – ein Männchen – angeflogen. Um den eigentlichen Brutbaum herum, sind die Schwarzspechte erstaunlich ruhig. Ohne Lautäußerung wird der Baum unterhalb des Brutlochs angeflogen. Dann sichert der Schwarzspecht zur Seite, nach oben. Dann verschwindet er sodaß für eine Weile die Schwanzspitzen wie schwarze Servietten aus dem Loch schauen. Die ganze Zeit sind die Jungen nur ganz verhalten zu hören; kein Vergleich zum Krach den die jungen Buntspechte (Dendrocopos major) machen, wenn sie gefüttert werden wollen.

Nach einer Weile schaut der Schwarzspecht wieder aus der Höhle heraus. Er sichert. Dann plötzlich verläßt er die Höhle mit kräftigen Flügelschlägen. Auf die Rückkehr kann der geduldige Beobachter schon mal eine halbe Stunde warten. Wie in der Literatur beschrieben wird, zeigt Kopfvorstrecken Flugintention. Der Fotograf sollte sich also wappnen.

In seinem „Handbuch der Vögel Mitteleuropas“, Band 9 „Columbiformes – Piciformes“ beschreibt Urs N. Glutz von Blotzheim ausführlich die Präferenzen der Schwarzspechte bzgl. Ihrer Brutbäumen. Der Schwarzspecht ist in Sachen Höhlenbäume recht wählerisch. Zur Anlage von Brut- und Schlafhöhlen bevorzugt der Schwarzspecht nämlich in allererster Linie alte Buchen. Diese Vorliebe macht den Schwarzspecht normalerweise zu einem typischen Bewohner von Mischwäldern des Mittellandes. In Ausnahmefällen würde er aber auch die Kiefer nutzen. Die hier genutzte Pappel wird als Ausnahme beschrieben.

Die Nuthe-Nieplitz-Niederung ist in den trockenen Bereichen von Kiefernwäldern geprägt. Ein Buchenstamm-Spezialist wie der Schwarzspecht dürfte es also in diesem Naturgebiet südlich von Berlin schwer haben. Wie bereits in einem Blog über einen Schwarzspecht in einem Schlafbaum beschrieben, ergab eine Kartierung in den Jahren 2007 und 2008 erstaunliche Erkenntnisse. So wurden im SPA der Nuthe-Nieplitz-Niederung auf ca. 5500 ha 22 Schwarzspechte kartiert.

Urs N. Glutz von Blotzheim weist darauf hin, daß in Mitteleuropa die Eiablage bis Mitte April stattgefunden hat. Da die Brutphase ca. 2 Wochen dauert und die Junge anschließend ca. 4 Wochen gefüttert werden, sind diese Wochen – am besten ab Mitte Mai – die ergiebigsten Zeiten, um Schwarzspechte auch mal häufiger an einem Ort zu sehen. Geduld muß man aber – wie oben beschrieben – auf jeden Fall mitbringen.

Die Nahrung des Schwarzspechts besteht zu 80 Prozent aus Ameisen, die er oft unter Rinden oder im Holz findet, zu 15 Prozent aus holzbewohnenden Käferlarven und zu einem geringen Teil aus Schnecken und Früchten. Während im Sommer vor allem Weg- und Holzameisen auf dem Speisezettel stehen, ernährt sich der Schwarzspecht im Winter hauptsächlich von Waldameisen. Meist findet er diese in Fichten, die einen “rotfaulen” Kern haben. Da Ameisen in Fichten mit einem faserigen Kern überwintern, sucht der Schwarzspecht in diesen seine Nahrung.

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