Streuobstwiesen: eine Heimat für den Kleinspecht

KleinspechtEine Kinderstube unterm Blütendach finden Kleinspechte (Dryobates minor) in Mitteleuropa nur noch selten, denn Streuobstwiesen und andere, für die kleinen Spechte geeignete Lehensräume gibt es kaum noch. Die strukturreiche Landschaft des Vordertaunus bei Bad Soden macht da jedoch eine Ausnahme. Hier wohnen noch etliche Brutpaare in alten Baumhöhlen und zur Brutzeit bietet die Obstblüte eine plakative Kulisse für Vogelfotografen. Der Kleinspechte ist von den schwarz-weiß-roten Spechten Europas vielleicht der unbekannteste.

In der abwechslungsreichen mitteleuropäischen Kulturlandschaft hat der Kleinspecht viele Jahrhunderte in enger Nachbarschaft zum Menschen gelebt. Hier fand der ehemalige Bewohner von Auenwäldern optimale Lebensbedingungen. Doch in den letzten Jahrzehnten sind seine Bestände in Mitteleuropa zum Teil drastisch zusammengeschmolzen. In manchen Gebieten ist er zwar noch auf Verbreitungskarten zu finden, tatsächlich aber ist er vielerorts ausgestorben oder es gibt nur noch Restvorkommen. Schuld an seinem Verschwinden ist sicherlich vor allem die intensive landwirtschaftliche Nutzung und die damit einhergehende Zerstörung seines Lebensraumes.

Seine Brutplätze teilt der Specht häufig mit Steinkäuzen (Athene noctua). Hier scheint aber der Niederrhein in Nordrhein-Westfalen im bundesweiten Vergleich eine Sonderstellung einzunehmen. Denn mit rund 4.500 Brutpaaren stellt dieses Bundesland alle anderen deutlich ins Abseits. Seine bevorzugten Habitate sind strukturreiche Grünlandbereiche durchsetzt mit alten, höhlenreichen Bäumen. Auch extensiv genutzte Streuobstwiesen mit alten Obstbäumen zählen zu den idealen Lebensräumen. Hierzulande sind solche Bedingungen nicht mehr sehr oft zu finden.

Auf der Obstbaumwiese in der Nähe meines Wohnortes hatte ich in einem Frühjahr die Gelegenheit, mehrere Kleinspechtpaare zu beobachten. In einem Radius von rund 500 Metern fand ich drei Paare. Mehrere Tage lang beobachtete ich ihr Verhalten. Bei zweien war die Möglichkeit zum Fotografieren gut. Sogar vom Auto aus konnte ich schöne Fotos machen. Mit dem Einverständnis der Eigentümer, die Flächen zu betreten, konnte ich mich den Spechte bis auf etwa 10 Meter annähern. Dann musste nur noch das Wetter mit spielen. Bald war es soweit. Geduldig stand ich am frühen Morgen vor dem Baum, der sich in den letzten Tagen als „Lieblingsbaum“ herausgestellt hatte. An einem sonnigen Samstag hatte ich nach mehrstündigem Ansitz Glück. Die Obstbäume standen in voller Blüte. Ein Kleinspecht saß im Geäst des Apfelbaumes, umgeben von Apfelblüten. Zudem wechselte er im Laufe des Vormittags mehrmals seine Sitzwarte, so dass ich die Möglichkeit hatte, ihn auch in anderen Positionen zu fotografieren.

Die Kinderstube zu beobachten, versagte ich mir, um nicht Spaziergänger oder Prädatoren also vor allem Marder, auf die Höhe aufmerksam zu machen. Ich würde zwar den Zeitpunkt zu verpassen, an dem die Jungen aus ihrer Höhle kommen. Aber Artenschutz geht hier klar vor. Die Aufnahmen des Kleinspechts vom Vordertaunus haben schon u.a. den Zweck erfüllt, für den Schutz des Kleinspechts zu werben und mit schönen Bildern die Bevölkerung zu sensibilisieren.

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