Kiebitz – Junges im Seewinkel/ Burgenland

KiebitzLeise warnt der Kiebitz (Vanellus vanellus) mitten im Wasser stehend. Das ist sonst so gar nicht seine Art. Das schrille „kie-wi“ als Kontaktlaut und das „chä-chuit, wit-wit-wit-wit“ sowie „chiu-witt“ sind sonst die Lautäußerungen, die man mit diesem ungefähr taubengroßen Watvogel verbindet. Hört man die Rufe, weiß man sofort, was ihnen ihren Namen eingetragen hat. Die Vögel beeindrucken mit ihren spektakulären Balz- und Revierflügen, die durch seitlich kippende Sturzflüge und senkrechtes zu-Boden-Trudeln gekennzeichnet sind. Da sie sehr territorial sind, gehen sie jeden Eindringling – vor allem Artgenossen und andere Watvögel – sofort an. Auch Menschen werden im Flug beeindruckt. Nun aber stand der oberseits grünlich-grau schillernde mit der weißen Unterseite und schwarzem Brustband still im seichten Tümpel. Ich halte den Wagen an. Die kleine Landstraße inmitten des Seewinkels im Osten Österreichs führt direkt an salzigen Pfützen, den sogenannten, Laken vorbei. Nur spärlich ist das Ufer mit Seggen und Gräsern bedeckt. Dann taucht auch der Partner direkt am Ufer auf. Er kommt direkt auf mich zu. Wenig später sehe ich den Grund des „mutigen“ Verhaltens. Ein, zwei Junge, richtige Federbälle, treiben sich am Ufer herum. Wohl erst wenige Tage alt, erkunden sie nach einigen Minuten ohne Scheu vor dem Auto die Gegend. Mißtrauisch beäugt die Mutter die Kleinen, die nach einer Weile furchtlos die Welt der seichten Lake erkunden.

Jetzt im März beginnt die Brutzeit der Kiebitze und damit ihre stimmfreudigste Zeit. Danach sieht man bis in den Juni hinein die Partner. Wenn man Glück hat, gemeinsam mit dem Nachwuchs. Leider ist der Kiebitz durch die intensive Landwirtschaft vom Aussterben bedroht. Im Seewinkel hat er noch ganz gute Bestandszahlen und läßt sich vor allem sehr einfach und gleichzeitig schonend fotografieren. Allgemein sind für die Vogelfotografie die Monate April bis Mitte Juli die interessantesten Monate. Aber die Herbstzeit ab Mitte September bis Mitte November ist ebenfalls besonders interessant.

Die Landschaft mit Lacken, wechselfeuchten Wiesen, Trockenrasen und dem Schilfgürtel beschert dem Gebiet um den Neusiedler See eine beeindruckende Artenvielfalt. Gerade für Wiesenlimikolen wie Kiebitz (Vanellus vanellus), Uferschnepfe (Limosa limosa), Großer Brachvogel (Numenius arquata) und Rotschenkel (Tringa totanus) ist der See und der Seewinkel von großer Bedeutung. Der Löffler (Platalea leucorodia) und auch der Stelzenläufer (Himantopus himantopus) sind ebenfalls häufig zu sehen. Gelegentlich fliegen Rohrdommeln (Botaurus stellaris) über die weiten Schilfflächen am See. Ein großer Teil der Seewinkellandschaft steht unter Naturschutz und gehört zu dem 1994 mit den ungarischen Nachbarn gegründeten Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel. Die der Natur überlassene zirka 4.000 Hektar große Kernzone des Nationalparks mit Brutkolonien des Löfflers und darf aber nicht betreten werden. Die wesentlich größere Bewahrungszone ist nur auf ausgewiesenen Wegen für Radfahrer und Fußgänger zugänglich.

Da im Gebiet größere Strecken zurückzulegen sind, ist das Auto das beste Fortbewegungsmittel. Es bietet – wie in dem oben beschriebenen Fall – zudem eine gute Ansitzmöglichkeit. Da die Tierwelt durch die intensive Landwirtschaft an Kraftfahrzeuge gewöhnt ist, lassen sich die meisten Tiere beim behutsamen Annähern durch ein Auto kaum beeindrucken und erlauben manchmal Distanzen von wenigen Metern. Viele Straßen sind jedoch für PKWs gesperrt und nur für Radfahrer zugelassen.

Die Landschaft im östlichsten Zipfel Österreichs ist eine typische Pusztalandschaft mit zahlreichen, kleinen, flachen Salzseen, den so genannten Lacken, und dem nur etwas über einen Meter tiefen Neusiedler See. Sie wird daher der Seewinkel genannt. Mit einer Fläche von zirka 320 km2, die fast zur Hälfte mit hohem Schilf bewachsen ist, gilt er als der größte Steppensee Europas und beeinflusst das Klima in diesem Gebiet maßgeblich. Das ist in dieser Region sehr mild – bereits im Mai herrschen manchmal schon Temperaturen von über 30°C. Zum Glück weht fast immer ein leichter Wind, denn wenn dieser mal ausbleibt, wird die Hitze unerträglich

Gute Ortskenntnis ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei Tieraufnahmen am Neusiedler See. Gute Möglichkeiten bieten aber auch die vielen Wiesen und Wasserflächen des Seewinkels, zum Beispiel die Zitzmannsdorfer Wiesen und weiter südlich die Illmitz-Hölle. Hier finden die Zugvögel im Frühjahr und im Spätsommer geeignete Nahrungs- und Rastplätze. Der Untere Stinkersee hält im Sommer sein Wasserniveau am längsten, so dass es hier auch im Hochsommer noch einige Durchzügler zu sehen gibt. Ab Juli sind auch wieder die ersten Zugvögel in die Winterquartiere zu beobachten.

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