Der Schneefink im Zauberberg

Schneefink„Dann gab es Schneestürme, die den Aufenthalt in der Balkonlaube überhaupt verhinderten, da das stöbernde Weiß massenweise hereintrieb und alles, Boden und Möbel, dick bedeckte. Ja, es konnte auch stürmen in dem gefriedeten Hochtal. Die nichtige Atmosphäre geriet in Aufruhr, sie war so ausgefüllt von Flockengewimmel, daß man nicht einen Schritt weit sah. Böen von erstickender Stärke versetzten das Gestöber in wilde, treibende, seitliche Bewegung, sie wirbelten es von unten nach oben, von der Talsohle in die Lüfte empor, quirlten es in tollem Tanz durcheinander, – das war kein Schneefall mehr, es war ein Chaos von weißer Finsternis, ein Unwesen, die phänomenale Ausschreitung einer über das Gemäßigte hinaus- gehenden Region, worin nur der Schneefink, der plötzlich in Scharen zum Vorschein kam, sich heimatlich auskennen mochte.

Jedoch liebte Hans Castorp das Leben im Schnee. Er fand es…“

Der Schneefink (Montifringilla nivalis) ist interessanterweise der einzige im Zauberberg benannte Vogel (abgesehen vom Steinadler) . Für den Roman »Der Zauberberg« von Thomas Mann ist Natur aber Continue reading Der Schneefink im Zauberberg

Der Graustreifentyrann in Bolivien

GraustreifentyrannKurz sitzt der ansonsten rastlos umher fliegende Graustreifentyrann (Hemitriccus flammulatus) auf einem Ästchen. Das Unterholz ist stockduster. Nur durch die Bewegungen wird man überhaupt auf den kleinen Vogel aufmerksam. Die Kombination aus hellem und dunklem Olive-Grau läßt ihn im Dickicht immer wieder untertauchen.

Früh am Morgen war ich aufgewacht. Draußen ist es noch diesig; dicke Wolken stehen am Himmel. Aber der Morgen ist eigentlich gar nicht so schlecht. Ich könnte den im englischen Flammulated Bamboo-Tyrant genannte Graustreifentyrann versuchen,  zu fotografieren. Es ist stickig-warm und der Himmel bleibt bedeckt – trotz der Morgenstunde. Ich packe also mein 2,8/300 und den MZ-5 ein. Schon nach wenigen Metern Wanderung mit dem Gepäck auf dem Rücken klebt das Hemd am Körper. Der Hauptpfad durch das Hotel Flora und Fauna- Gelände von Robin ist wirklich ein Gedicht. Hügeliger Forest, der noch mit beeindruckenden Urwaldriesen bestanden ist. Man nennt ihn den Ocorotu Forest. Super. Ich bin sehr beeindruckt, obwohl Robin meint, dass dies noch nicht mal der ursprüngliche Forest sei. Der Graustreifentyrann ist schon recht früh immer wieder aus dem Unterholz zu hören. Ich folge dem Verlauf des Pfades, der in ein Bachbett hinunter führt. Von da geht es wieder den Berg hoch. Just an dieser Stelle umflatterten uns vor ein paar Tagen die größten Fledermäuse, die ich je gesehen habe. Es sind wohl False Vampire Bat (Vampyrum spectrum). Sie heißen im deutschen Große Spießblattnase. Wie der Gattungsname, Continue reading Der Graustreifentyrann in Bolivien

Tafelente: ein Vogel im Sinkflug

TafelenteDas Schicksal der Tafelente (Aythya ferina) wird intensiv in den einschlägigen Foren diskutiert. Wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass sich das Geschlechterverhältnis der Tafelentenpopulationen in Europa und Nordafrika verändert hat. Dies könnte eine Rolle beim Rückgang der Art in der westlichen Paläarktis spielen.

Diese Ergebnisse, die gerade im Wildfowl & Wetlands Trust (WWT) Journal Wildfowl veröffentlicht wurden, zeigen, dass Populationen zunehmend “männlicher ” werden. Unter Verwendung der im Januar 2016 gewonnenen Daten verglichen die Forscher Zählungen aus Erhebungen, die im Januar 1989 und im Januar 1990 in derselben Region durchgeführt wurden. Der Anteil der männlichen Vertreter an der Gesamtpopulation betrug in den Jahren 1989 bis 1990 schon 62 %. Und im Jahr 2016 stieg dieses Mißverhältnis sogar auf 71 %.

Angesichts der Tatsache, dass das Geschlechterverhältnis bei Ausschlüpfen ungefähr 1:1 beträgt, weist diese starke, zunehmende männliche Tendenz bei erwachsenen Vögeln auf eine niedrigere Continue reading Tafelente: ein Vogel im Sinkflug

Mount Cameroon: a heaven for little birds

FarncistensängerArriving from the Northern Extension of the Rockjumper Rainforest & Rockfowl 2017 – tour we were more than tired as we had arrived on a late flight from Garoua via Yaoundé. To postpone the breakfast to get some sleep was not advisable. The birds do not sleep during the day. And: the morning hours are the most productive. We had a very good breakfast and shortly later our Rainforest & Rockfowl started off with a visit to Mount Cameroon. We were delighted to have a beautiful morning, after heavy rain the previous night, and there was an excited buzz in the air for the anticipation of great birding which lay ahead. We were not to be disappointed and the forest was alive and active throughout the day but especially in the morning.

For 10 minutes we entered the vans to get the first kilometers uphill done before we saw the fields below Mount Cameroon in front of us. We then headed up the mountain on muddy – and in cases – some slippery trails. In comparison to other trails this route is not as steep and narrow. Fortunately the climate is more comfortable here than in the lowlands.

Right in the beginning we had several brown-headed beauties, which show well after a while. Behavior and my anticipation looked for Grey Apalis. But the chestnut-browns color of the head did not seem to fit the description of a grey-brown head. The „Field Guide to the Birds of Western Africa“ (Helm Field Guides) von Nik Borrow and Continue reading Mount Cameroon: a heaven for little birds

Vogelfotografie in Eis und Schnee

RaubwürgerAuf dem niederen Fläming überwintert seit Jahren der Raubwürger (Lanius excubitor). Mein Ziel war es, diesen scheuen Vogel vor die Linse zu bekommen. Ab Anfang Oktober suchte er wieder sein Winterquartier auf. Es war nicht schwer, seine Lieblingswarte, einen Heckenrosenbusch, auszumachen. In etwa 10 Meter Entfernung stand ein Anhänger mit einer Jagdhütte darauf. Dieser sollte – nach Rücksprache mit dem Jagdpächter – mein Fotoansitz sein. Die Hütte war aus Holz gezimmert und geräumig genug. Damit mußte sich glücklicherweise der Raubwürger nicht an ein Versteck gewöhnen, denn die Hütte stand schon ein Weile. Fotografiert habe ich ihn allerdings erst im Dezember, als er mit der Mäusejagd begann. Besonders fasziniert mich, wenn der Winter plötzlich hereinbricht, die Landschaft über Nacht mit Schnee und Raureif überzieht, wenn die Luft klar und eisig ist. Solche Tage muss man nutzen, denn in unseren Breiten sind sie nicht sehr häufig. Meistens bin ich dann bereits vor Sonnenaufgang unterwegs.

Der Fläming weist schon kontinentales Klima auf. Im Winter kann es Temperaturen bis zu minus 20°C und über mehrere Wochen hohen Schnee geben. Da heißt es dann, sich warm anzuziehen. Um kalte Continue reading Vogelfotografie in Eis und Schnee

Birding at Ponta do Albernaz on Flores

KiebitzregenpfeiferIn the north of the island of Flores, there are two top birding locations, distanced only about 3km from each other. The one is the village Ponta Delgada to the east, a small site with less than 400 inhabitants, and the lighthouse on the edge of Ponta do Albernaz on the western edge. The lighthouse at Ponta do Albernaz is the most powerful lighthouse of the Azores.

The view is breathtaking, with the neighboring island of Corvo in the background. The lighthouse is accessed via an isolated roadway that extends to the western edge of Flores.

Here is the first point of arrival of the migratory birds to the island of Flores in fall. But Ponta Delgada is equally important for breeding seabirds. In Ponta Delgada, the small port and the old soccer field should be visited. The small port was productive and is always worth a view:

  • Spotted Sandpiper (Actitis macularia),
  • Red Knot (Calidris canutus) and
  • Little Stint (Calidris minuta)

were really good birds besides the 1 – 3 individuals of Ruddy Continue reading Birding at Ponta do Albernaz on Flores

Nockberge: ein österreichischer Biosphärenpark

RauhfusskauzDer Name Nocke bezeichnet die runden Formen der bis zu 2.400 m hohen Berge im Süden der österreichischen Alpen. Als Bestandteil der Gurktaler Alpen bestehen die Nockberge vorwiegend aus kristallinen Gesteinsarten und zählen erdgeschichtlich zu den ältesten Gebirgen Österreichs. Die geologische Besonderheit dieser Berglandschaft ist jedoch der rund drei Kilometer breite Kalk- und Dolomitgesteinszug, der den Nationalpark durchzieht. Vor allem dank dieser besonderen geologischen Verhältnisse entwickelte sich in den Nockbergen eine äußerst vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. 1987 als Nationalpark Nockberge gegründet, wurden die Nockberge 2012 in einen Biosphärenpark nach Konzept der UNESCO umgewandelt. Im Unterschied zu den Nationalparks, die dem Schutz von Wildnisgebieten dienen, sind die Biosphärenparks Kulturlandschaften. Die Nockberge sind vom bäuerlichen Leben geprägt, wie es hier seit Jahrhunderten gepflegt wird. Die Almwirtschaft ist der Garant für den Erhalt der weiten Wiesenflächen mit ihrer typischen Blumen.

Besonders die Vogelwelt ist mit einigen besonderen Vertretern in den Nockbergen vertreten. Genannt werden sollen nur Steinadler (Aquila chrysaetos), Steinhuhn (Alectoris graeca), Birkhuhn (Tetrao tetrix), Auerhuhn (Tetrao urogallus), Alpenschneehuhn (Lagopus muta), Mornellregenpfeifer (Charadrius morinellus), Uhu (Bubo bubo), Sperlingskauz (Glaucidium passerinum), Rauhfusskauz (Aegolius funereus), Continue reading Nockberge: ein österreichischer Biosphärenpark

Schöne Bilder bei schlechtem Wetter

TannenmeiseRegenwetter ist für den Naturfotografen in mancherlei Hinsicht Erfolg versprechend. Bei schlechtem Wetter sind im Wald viel weniger Besucher unterwegs, so dass die Tiere ungestört und dadurch weniger scheu sind. Voraussetzung ist allerdings eine sehr robuste Fotoausrüstung, die auch noch bei anhaltendem Nieselregen zuverlässig arbeitet. Unter solchen Bedingungen habe ich meine Canonausrüstung – bestehend kameraseitig aus einer Canon EOS 1D X – immer wieder besonders schätzen gelernt. Bei Regenwetter hat man die besten Chancen, neben vielen Waldvögeln wie der hier abgebildeten Tannenmeise (Periparus ater) im Fichtenwald auch mal Hirsche und Wildschweine auf Waldwiesen anzutreffen. Unter normalen Umständen bemerkt das Wild eine Annäherung schon lange bevor man selbst die Tiere zu Gesicht bekommt. Hin  gegen erzeugen Regentropfen ein gleichmäßiges Hintergrundgeräusch, das die eigenen Geräusche, die auch beim vorsichtigsten Anpirschen entstehen, überdeckt. Für Continue reading Schöne Bilder bei schlechtem Wetter

Red-necked Phalarope: Migration in the Western Palearctic

OdinshühnchenRed-necked Phalaropes (Phalaropus lobatus) are mainly known as colorful breeding birds of the Arctic tundra of Eurasia and North America. The more colorful females advertise with conspicuous courtship flights around the males, which later take care for the offspring. Following the breeding time, Red-necked Phalaropes are pronounced migratory birds. Now they change to their simple black and white non-breeding dress. In small numbers Red-necked Phalarope migrate over Germany annually. About the migration routes and the wintering areas of individual populations, however, relatively little is known. Already at the beginning of the 20th century, it was known that most of the European Red-necked Phalarope winter on the open sea. The wintering areas are dotted in the tropical seas. Well-known wintering areas are known off the west coast of South America, in the southwest Pacific and in the northwest of the Indian Ocean. A well-known area lies in the Arabian Sea. Very late, it was discovered that even on the Atlantic off the coast of West Africa Red-necked Phalarope spend the winter. It is not yet known exactly from where Red-necked Phalarope on migration over in Germany are coming and in which winter quarters they are traveling. If one previously followed the theory that there are Icelandic breeding birds on a southeastern route to Arabia, it seems today also imaginable that birds from Scandinavia rest in Germany, which winter off the West African coast.

The breeding season of the Red-necked Phalarope starts in late May. Although the birds are now in their breeding plumage, the spring passage in Germany from early May to early June is not very noticeable. Far more noticeable is the autumn migration, which extends over a longer period from mid-July to October. Females, Continue reading Red-necked Phalarope: Migration in the Western Palearctic

Long-tailed Tit ssp. caudatus in Germany

SchwanzmeiseA flock of Chickadees and Tits in the middle of the mountains right in the middle of Germany in hazy weather with low-lying clouds combined with drizzle, chilly wind from the west might contain white-headed Long-tailed Tits, which are normally immediately counted as Aegithalos caudatus caudatus.

The Long-tailed Tit (Aegithalos caudatus) exhibits complex global variation with 19 subspecies recognized. The can be divided into three groups: the caudatus group in northern Europe and Asia. The europaeus group in southern and western Europe, north-east China, and Japan. The alpinus group is confined to Mediterranean Europe and south-west Asia.

The subspecies caudatus of the Long-tailed Tit (Aegithalos caudatus)  breeds in Fenno-Scandinavia, Eastern Europe, the largest part of the former Soviet Union, parts of China and Japan, North and South Korea and Mongolia. Since the appearance of the relevant parts of field guides in european languages, this subspecies is located more westernly and southernly than indicated before. Long-tailed Tits are resident or non-migratory bird species with an invasive occurrence in some years, often finding vast numbers in the Baltic countries and in Northwest Europe.

Several subspecies of the Long-tailed Tits occur in the southern and western parts of the area of subspecies caudatus. These subspecies belong to the so-called alpinus / europaeus assemblage. The distribution area of ​​europaeus extends northwestern to Belgium, Continue reading Long-tailed Tit ssp. caudatus in Germany

Schwarzspecht in Schlafbaum

SchwarzspechtDie Nuthe-Nieplitz-Niederung ist in den trockenen Bereichen von Kiefernwäldern, manchmal richtigen Kiefernplantagen, geprägt. Ein Buchenstamm-Spezialist wie der Schwarzspecht (Dryocopus martius) dürfte es also in diesem Naturgebiet südlich von Berlin schwer haben. Trotzdem ergab eine Kartierung in den Jahren 2007 und 2008 erstaunliche Erkenntnisse. So wurden im SPA der Nuthe-Nieplitz-Niederung auf ca. 5500 ha 22 Schwarzspechte kartiert.

Da der Schwarzspecht in Sachen Höhlenbäume recht wählerisch ist, eine bemerkenswerte Zahl. Zur Anlage von Brut- und Schlafhöhlen bevorzugt der Schwarzspecht nämlich keine Nadelbäume, sondern alte Buchen. Diese Vorliebe macht den Schwarzspecht normalerweise zu einem typischen Bewohner von Mischwäldern des Mittellandes. Die wenigen Buchen in der Nuthe-Nieplitz-Niederung, die dick genug sind, sind daher heißbegehrt.

“Kliööh“ klingt es durch den winterlichen Wald. 5 dicke Buchen Continue reading Schwarzspecht in Schlafbaum

Sanft und kontrolliert schwenken: ProMediaGear GKJr. Katana Junior Teleneiger

Laut Werbetext geht es beim ProMediaGear GKJr. Katana Junior Teleneiger um die ultimative Verbindung zwischen Größe, Gewicht und Funktionalität. Üblicherweise werden für Aufnahmen fliegender Vögel Systeme wie der Wimberley Head oder auch ein Sachtler-Hydroneiger. Besonders amerikanische Naturfotografen schwören auf die vielfältigen Systeme von Wimberley Head.

Viele Systeme sind aber recht schwer und auch teuer. Bisher hatte ich die meisten Stativaufnahmen von einem massiven Burzynski Kugelkopf aus gemacht. Das ist zwar für Flugaufnahmen eigentlich überhaupt nicht geeignet, da sich die beiden Feststellschrauben nie so fein einstellen lassen, daß man von einer Kombination aus Stabilität und Flexibilität sprechen kann.

Außerdem haben sie den entscheidenden Nachteil, dass sie sich schlecht bis gar nicht (Wimberley Head) für die Landschafts- und Makrofotografie eignen, so dass hierfür zusätzlich ein Kugelkopf mitgeführt werden muss. In Alaska, bei der Fotografie von Continue reading Sanft und kontrolliert schwenken: ProMediaGear GKJr. Katana Junior Teleneiger