Pelagischer Trip in den Vereinigten Arabischen Emiraten

ArabiensturmtaucherKurz nach 14:00 Uhr geht es  mit dem Boot los. Der Fahrer ist ein einheimischer Skipper, der sonst wohl Sportfischer mit raus nimmt. Man merkt und sieht, daß Treibstoff bzw. dessen Kosten keine Rolle spielt. Die beiden dicken Yamaha-Motoren haben zusammen 600 PS (wenn ich die Aufschrift richtig lese). Direkt im Hafen sehen wir schon mal eine Sandbank mit Hemprichmöwe (Larus hemprichii), Heringsmöwe (Larus fuscus), Dünnschnabelmöwe (Larus genei), Flußseeschwalbe (Sterna hirundo) und Lachmöwe (Larus ridibundus) (teilweise schon mit der Prachtkleid-Kapuze). Bei den Großmöwen sind nun direkte Vergleiche möglich. So hat eine Großmöwe perfekt das Aussehen, das im “Gulls of Europe, Asia & North America” von Olsen et.al. für eine Steppenmöwe (Larus cachinnans cachinnans) im 3. Winter angegeben wird. Inclusive der schon an eine Silbermöwe erinnernden Beinfarbe und dem mattschwarzen Gonysek. Auffallend ist auch der leichte „Schleier“ um das Auge und der kantige Kopf mit der fliehenden Stirn. Immerhin ist diese Möwe als „Uncommon to locally fairly common passage migrant and winter visitor” angegeben.

Auf einer vorgelagerten Sandbank sind neben den Möwen auch ein paar Austernfischer (Haematopus ostralegus) und einige Kiebitzregenpfeifer (Pluvialis squatarola) zu beobachten. Als wir zu unserem Boot gehen, sehen wir schön nah auch eine Rüppellseeschwalbe (Sterna bengalensis) im Hafenbecken jagen. Das Licht ist – jetzt am Nachmittag – sehr hart und daher nicht das beste Fotolicht. Der Skipper kramt ein paar längliche Fische heraus, die als Futter für die sehr fotogen jagenden Hemprichmöwe dienen. Dabei stoßen sie mit einem Affenzahn auf das Wasser und versuchen die Fische von der Oberfläche abzugreifen, bevor sie im Meer versinken. gelingen tatsächlich anfangs ein paar super Fotos. Anschließend sind die Möwen so verwöhnt (oder ängstlich), daß sie sich nicht mehr darauf einlassen und nur noch über das Boot fliegen. Die ersten „echten“ Pelagics sind dann Odinshühnchen (Phalaropus lobatus), im Schlichtkleid. Sie sind leider weniger kooperationsbereit und fliegen bei Annäherung auf; meist weiter weg. Wir passieren eine Styropor-Boje, die von einem Seeschwalbe als Ruheposten gewählt wurde. Der eher braune Kopf macht mich stutzig. Wahrscheinlich ein Jungvogel der Flußseeschwalbe. Der Wind ist gar nicht schlecht. Auf jeden Fall so viel, daß ein ggf. auftretender Sturmtaucher auch fliegen wird. Odinshühnchen gibt es jetzt zu hauf und ich halte mich anständig dran, zu knipsen. Wir fahren mit einem Affenzahn weiter raus. Dann endlich, wir sind eine gute halbe Stunde unterwegs:  Die ersten Persicher Sturmtaucher (Puffinus persicus), eines meiner Megabirds, tauchen auf. Sie wirken wirklich sehr klein und elegant. Super, sie fliegen mal schön am Boot vorbei. Meist sind sie mitten zwischen den Möwen zu finden – wenn mal eine Fischschule direkt unter der Oberfläche zu finden ist. Dann aber auch wieder in artreinen Trupps. Sie sind leider recht schnell und nicht leicht zu fotografieren. Aber dann gelingen doch ein paar schöne Aufnahmen. Die Seeschwalben, die nun verstärkt auftreten sind alle Flußseeschwalben zu sein. Wir fahren bis zum Ölhafen von Fujairah. Die schwimmenden Pipelines sind Plattformen für den Schwarzgesichtscharbe (Phalacrocorax nigrogularis), die sogenannten Socotra Cormorants. Auf einer dieser schwimmenden Schläuche ist auch mal eine voll-ausgefärbte Tundramöwe (Larus heuglini) zu sehen. Hier sind dann auch die ersten Brandseeschwalben (Sterna sandvicensis) und einige Rüppellseeschwalben zu sehen. In einem großen Bogen fahren wir über die offene See wieder zurück nach Khor Kalba. Die Seeschwalben sind nun bei tollen Nachmittagslicht überall zu sehen. Dazwischen kann ich auch mal eine kleine Seeschwalbe sehen, die mit ihrem gelben Schnabel auffällt. Als ich die Beobachtung den anderen mitteile, sagen die mir, daß es sich hier um die Orientseeschwalbe (Sterna saundersi) handelt, für die Fujairah die beste Stelle in den UAE ist.   Zum Abschluß sehen wir noch einen Schmarotzerraubmöwe (Stercorarius parasiticus), der recht lange faul auf einer Styropor-Boje sitzt und sich beim Nähern mit dem Boot wunderbar im schönsten Abendlicht fotografieren läßt.

Den Bootshafen von Kalba findet man nicht auf Anhieb, weil es auch weiter nördlich einen Hafen für Sportboote gibt. Man sollte sich die Koordinaten aufschreiben – oder einprogrammieren und auf der gut ausgebauten Corniche weiter gen Süden fahren. Auf einem großen Parkplatz vor ein paar Lebensmitteläden kann man dann den Wagen abstellen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind am Ostrand der arabischen Halbinsel gelegen. Die Vereinigten Arabischen Emirate zählen zwar aus ornithologischer nicht mehr zur westlichen Paläarktis. Trotzdem fahren viele an seltenen Vögeln der Westpaläarktis Interessierte dorthin, da sich hier relativ einfach einige der interessantesten, am wenigsten bekannte Vogelarten beobachten lassen. Die Vereinigten Arabischen Emirate bieten eine Vielzahl von Lebensräumen. Das gilt auch für die Küsten. Der Küstenbusch und die Mangrovensümpfe bei Kalba – am Indischen Ozean gelegen – weisen nicht nur Hochseevögel sondern auch Paddyreiher (Ardeola grayii), Eilseeschwalbe (Sterna bergii), Fischmöwe (Larus ichthyaetus), Wüstenregenpfeifer (Charadrius leschenaultii) und eine endemische Unterart des Halsbandliests (Todirhamphus chloris) auf.

Das Winterhalbjahr ist die beste Zeit. Ein guter Reisezeitraum ist Februar – April. Am besten man nimmt sich einen kostengünstigen Linienflug ab Deutschland (z. B. Düsseldorf, Berlin oder Frankfurt) nach Dubai mit einer der arabischen Fluglinien.

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