Schafstelzen bei der Fütterung: Fotografie-Tipps

WiesenschafstelzeEin frischer, dunstiger Frühsommermorgen mit der aufgehenden Sonne im Osten. Ein hoher Zischlaut weist auf einen Vogel mitten in der Agrarsteppe hin. Es ist eine Schafstelze (Motacilla flava), die sich mit ihrem Gelb jetzt im Sommer – anders als im Frühjahr auf dem Raps – sehr schön von den Getreidehalmen abhebt. Die Schafstelze hat 2 nahe Verwandte, die Bachstelze (Motacilla alba) und die Gebirgsstelze (Motacilla cinerea). Alle Stelzen sind nicht so einfach zu fotografieren, denn sie sind munter und ständig – mit dem Schwanz wippend – in Bewegung.

Gegenüber ihren Verwandten, Bach- und Gebirgsstelze, ist die Schafstelze etwas kleiner und auch kurzschwänziger. Das kräftigere, klare, flächige Gelb der Kehle und der Unterseite, besonders beim Männchen, ist in der Leuchtkraft kaum zu überbieten. Als Lebensraum dienen der Schafstelze Viehweiden und Kulturland. Man sieht sie auf Wiesen und auf Brachflächen. In vielen Bundesländern ist sie aufgrund der immer intensiver betriebenen Landwirtschaft viel seltener geworden. Aus diesem Grund wird sie als gefährdete Vogelart eingestuft.

Ende März, sie waren anscheinend gerade erst aus dem Winterquartier gekommen, beobachtete ich einige Paare entlang der Dämme der Absetzbecken einer Zuckerfabrik. Auf vertrockneten, letztjährigen Wildstauden, die sie auf einem kleinen aufgeschobenen Damm am Rand einer ausgedehnten Schlammflächen gerne als Sitzwarte annahmen, konnte ich sie gut beobachten. Das gelingt aus dem Pkw wesentlich besser, da die Fluchtdistanz sehr viel geringer ist als wenn man sich ihnen zu Fuß nähert. Trotzdem war die Entfernung auch mit langer Brennweite immer noch zu weit. Da mußte man schon die Brutzeit abwarten. Ab Mitte Mai führte ich alle paar Tage Kontrollfahrten durch, denn die Fütterungszeit wollte ich nicht verpassen. Die Weibchen bekam ich zunächst nicht oder nur selten zu Gesicht. Das Weibchen saß offensichtlich noch fest auf ihrem Gelege. Ende Mai entdeckte ich schließlich erstmalig einen Altvogel mit Futter im Schnabel. Das Nest vermutete ich irgendwo in den Brachflächen. Doch weit gefehlt. Konstant flog das Schafstelzenpaar in ein angrenzendes Getreidefeld. Nur etwa 8-10 m vom Feldweg entfernt fielen sie dort ein. Jetzt mußte ich fotografisch aktiv werden. Gerne wollte ich die Schafstelzen auf den Wildkräutern des Dammes fotografieren. Vielleicht auch mal ein Foto gegen den Himmel oder doch im grünen Getreidefeld. Dazu mußte ich Anflugmöglichkeiten schaffen. Ich postierte einige trockene Staudenstengel in das Weizenfeld, die die Getreidehalme nur wenig überragten. Und tatsächlich wurden sie sofort von den Vögeln als Zwischenlandeplatz und Aussichtsort angenommen. Das eröffnete mir die Möglichkeit, die Stelzen aus dem Auto heraus sowohl im Getreide als auch auf dem Damm fotografieren zu können. Und das alles ohne Störung des Fütterungsgeschäfts. Ein Problem bildeten die Licht- bzw. die Sonnenverhältnisse. Der Feldweg verläuft in Nord-Süd-Richtung, d.h., um jeweils mit der Sonne fotografieren zu können, mußte ich mich zweimal ansetzen. Morgens, um die Stelzen gegen den freien Himmel auf dem Damm aufzunehmen, und nachmittags, um sie im Weizen zu fotografieren. Zum Glück spielte das Wetter mit und ich bekam die Schafstelzen sehr schön fotografiert.

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