Harter Winter – gute Vogelaufnahmen

ZwergsägerJe härter der Winter, desto schwieriger ist die Futtersuche. An der Ostseeküste gilt das für die Vogelwelt besonders dann, wenn auf dem Blankensee, an den Havelseen oder gar der Ostsee das Wasser zufriert und offene Stellen selten werden. Dann überwinden die Vögel ihre natürliche Scheu und versuchen, in den Häfen auf Beutefang zu gehen. Für Fotografen ist das eine gute Gelegenheit, zu reizvollen Motiven zu kommen.

Vor einigen Jahren hatte der lang anhaltende Frost die Ostsee in eine arktische Winterlandschaft verwandelt. Viele seltene und dem Menschen gegenüber eher scheue Vogelarten hatten ihre Zurückhaltung aufgegeben und waren in den windgeschützten Häfen aufgetaucht. Dort gab es noch einige wenige eisfreie Wasserflächen, an denen die Vögel an Nahrung gelangen konnten.

Nach angenehmen Temperaturen um Weihnachten sorgten ab Sylvester Temperaturen von bis zu – 20 ° Grad Celsius für eine kältestarre Eiswüste. Zwangsweise fand sich eine vielfältige Vogelwelt in den Häfen ein. Pfeifenten (Anas penelope) und Stockenten (Anas platyrhynchos), Stockenten, verschiedene Möwenarten (Larus sp.) und Bläßrallen (Fulica atra) versammelten sich an den verbliebenen Wasserflächen. Besonders schön war ein Männchen des Zwergsäger (Mergellus albellus) an einer Eisscholle zu sehen. Alle Vögel zeigten eine erstaunliche Zutraulichkeit. Dennoch war eine Brennweite von 600 mm hilfreich. Auch Tafelenten (Aythya ferina), Reiherenten (Aythya fuligula) und vor allem die hier überwinternden Bergenten (Aythya marila) versuchten auf unzähligen Tauchgängen an Nahrung zu gelangen. Der gesammelte Seetang wurde sofort nach dem Auftauchen schnellstens verzehrt, denn es warteten viele Neider an der Wasseroberfläche. Gerade aufgetaucht, griffen sofort Möwen und andere Wasservögel an, um einen Teil der Beute zu erhaschen. Häufig waren diese Attacken erfolgreich, und die mühsam erarbeitete Nahrung endete in den Schnäbeln der Angreifer. Manchmal zogen aber auch die Möwen den Kürzeren. Im Neustädter Hafen nördlich von Lübeck konnte ich beobachten, daß selbst einer der „Schmarotzer” um die Beute gebracht wurde. Dort bemühte sich eine einjährige Silbermöwe (Larus argentatus) „redlich” um ihr Futter. Sie hatte einen auf dem Wasser treibenden Kadaver einer Reiherente entdeckt und versuchte mit aller Kraft, das tote Tier auf festes Eis zu ziehen. Da das Eis um das Wasserloch sehr instabil war, brach die mühsam aus dem Wasser gezogene Ente immer wieder ein. An Aufgabe schien die Silbermöwe allerdings nicht zu denken. Zeitweise verschwand die Möwe fast völlig unter der Wasseroberfläche, nur ihre kraftvoll schlagenden Flügel ragten noch heraus. Nach fünfzehn Minuten wurde der außergewöhnliche Kraftakt endlich belohnt. Nach langen Bemühungen gelang es der Silbermöwe (Larus argentatus), die tote Ente auf das Eis zu ziehen. Die Ente lag nun auf tragfähigem Eis. Das Öffnen des Kadavers gestaltete sich für die Möwe nicht besonders schwierig, und kurze Zeit später begann sie mit der wohlverdienten Nahrungsaufnahme. Eine Nebelkrähe (Corvus cornix) stellte sich jedoch nach wenigen Minuten als erster ungebetener Besucher ein. Sich im Hintergrund aufhaltend wartete die Krähe auf ihre Chance, einen kleinen Bissen von der Ente abzubekommen. Die Lage änderte sich jäh, als ein Mäusebussard (Buteo buteo) in 6 Meter Entfernung landete. In arttypischer Drohhaltung hüpfte der Bussard in Richtung Möwe, die ängstlich zurückwich und ihre schwer erarbeitete Beute dem Greifvögel kampflos überließ.

Im Verlauf des Winters stellte ich fest, daß in jedem Hafen Vogelarten beobachtet und fotografiert werden konnten, die man in anderen Häfen nicht vorfand. So bot das kleine Hafenbecken von Eckernförde ideale Möglichkeiten zur Fotografie von Zwergsägern (Mergellus albellus), Mittelsägern (Mergus serrator), Gänsesägern (Mergus merganser), Tafelenten und einigen Möwenarten. Am schön hergerichteten Yachthafen zwischen Graswarder und Heiligenhafen bestanden dagegen kaum Chancen auf gute Sägerfotos. Dort gab es jedoch andere Motive: Neben Berg- und Reiherenten waren hier sehr schön neben Schellenten (Bucephala clangula), Zwergtauchern (Tachybaptus ruficollis) und Kormoranen (Phalacrocorax carbo) zu sehen. Vor allem die Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) ließen die Fotografen ungewöhnlich nahe an sich heran. An der Ostseeküste lohnt im Winter aber auch der Besuch vieler anderer Hafengebiete, in denen sich Wasservögel versammeln. Alleine die Motivwahl ist in dem Getümmel manchmal schwierig. Man muß sich gedulden, um einzeln schwimmende oder ruhende Tiere aufnehmen zu können. Es bedarf Zeit, Ausdauer und Ruhe, ehe man geeignete Motive findet. Bei den langen Ansitzen sollten die niedrigen Temperaturen und der eiskalte Wind nicht unterschätzt werden. Wer sich warm und winterfest kleidet – u.a mit den richtigen Schuhen – hat schon die Hälfte des Aufwands geschafft.

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