Wasseramseln: eine fotografische Herausforderung

Über schnellfließenden, klaren, sauberen Flüssen und BächenWasseramsel ist mitunter der Flug eine dunklen Vogels zu erkennen. Im Tiefflug schießt er über das Wasser, umgeht dabei meisterhaft evtl. aus dem Wasser ragende Felsen und umgestürzte Bäume und ist auch schon um die nächste Biegung des Baches verschwunden. Für eine an Gefiederdetails orientierte genaue Artbestimmung dauert der Vorfall viel zu kurz. Zum Glück ist die Auswahl gering. Das Artenspektrum in dem Habitat ist überschau. Viel mehr als den Eisvogel (Alcedo atthis), die Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) und die Wasseramsel (Cinclus cinclus) gibt es dort nicht.

Manchmal findet man Wasseramseln an den schönsten naturnahen Bächen, manchmal aber auch mitten in deutschen Innenstädten oder auch an Ausflugslokalen – gerade wenn es sich – wie bei dem Bild des Blogs – um alte Mühlen oder Wanderwege wie z.B. im Neandertal handelt. An letzteren Stellen sind Wasseramseln an menschliche Anwesenheit und Annäherung gewöhnt und reagieren nicht so scheu.

Die Hauptnahrung der ganzjährig bei uns verweilenden Wasseramseln stellen Wasserinsekten und Würmer dar, welche die Wasseramseln am Grund eines flachen Flusses oder Baches suchen. Um an diese Nahrungsquelle heranzukommen, schwimmen bzw. tauchen Wasseramseln unter Wasser oder laufen auf dem Grund eines Gewässers entlang. Kiesreiche Flachwasserbereiche mit faustgroßen Steinen und vorjährigem Laub, werden offensichtlich gern als Jagdrevier auf Wasserinsekten und deren Larven ausgebeutet. Dort lohnt es sich besonders Beobachtungszeit aus der Distanz zu investieren. Wasseramseln drehen gerne alte Blätter um, um sie nach darunter hausenden Wasserinsekten zu untersuchen. Solche Blätter werden auch gern für den Nestbau verwendet.

Eines Tages beschloß ich, mich mehr mit der Fotografie dieser Vögel zu befassen. Erste Ansitze im Tarnzelt am Ufer eines nahegelegenen Flüßchens waren hinsichtlich der Fotoausbeute bescheiden. Nur selten kam eine Wasseramsel auf Fotodistanz heran. Auf diese Weise hätte ich sicherlich noch lange auf schöne und formatfüllende Aufnahmen warten können.

Deshalb begann ich, das Revier eines Wasseramselpaares näher auszukundschaften und die Gewohnheiten dieser beiden Vögel zu studieren. Schon nach kurzer Zeit erkannte ich, daß dies der richtige Weg war. Im Revier des Wasseramselpaares, das sich über ca. 1 km am Fluß entlang erstreckte, gab es einige Plätze, die von den Vögeln bevorzugt angeflogen wurden. Meist handelte es sich hierbei um leicht exponierte Stellen, wie z.B. Steine, die höher als andere aus dem Wasser herausragten oder einzeln in einem sonst „steinfreien” Flußstück gelegen waren. Ein zusätzliches Zeichen waren auch unverdaute Chitinreste der aufgenommenen Insekten in Form kleiner Gewölle oder Kotspritzer, sofern diese nicht vom Wasser weggespült worden waren. Die Kotspritzer der Wasseramsel sind relativ groß; kleine gehören eher zu einer Gebirgsstelze (Motacilla cinerea). Diese Stelze teilt sich häufig das Revier mit der Wasseramsel.

In der Nähe eines solchen bevorzugten Platzes stellte ich dann mein Tarnzelt auf. Dabei achtete ich auch darauf, daß ich nicht in unmittelbarer Nähe des Nestes ansaß, denn ich wollte den Bruterfolg dieser sehr scheuen Vögel nicht durch meine fotografische Tätigkeit gefährden Schon der erste Ansitz war von Erfolg gekrönt. Ich hatte ca. eine halbe Stunde gewartet, als die erste Wasseramsel tief über dem Wasserspiegel herangeflogen kam, auf dem von mir anvisierten Stein landete und mir einige Fotos ermöglichte.

In den folgenden Wochen verbrachte ich nun viele Stunden im Tarnzelt und konnte etliche ansprechende Aufnahmen machen. Allerdings zeigte das Fotografieren nicht nur positive Ergebnisse, sondern es wurde auch regelmäßig Ausschuß in Form von Bewegungsunschärfe fabriziert. Der Grund dafür liegt darin, daß Wasseramseln, sind sie erst einmal an einer Stelle gelandet, nahezu ständig eine knicksende Bewegung vollführen. Diese werden von Belichtungszeiten unter einer 1/125 sec. nicht immer eingefroren. Kürzere Belichtungszeiten sind aber abhängig sowohl von der Tageszeit als auch der Örtlichkeit. Wie sich herausstellt, liegen die besten und zuverlässigsten Plätze häufig im Schatten der am Ufer wachsenden Bäume.

Man kann natürlich versuchen, die Fotografieranordnung leicht zu verändern. So begann ich nach einigen Ansitzen, einen der im Schatten gelegenen und von den Wasseramseln bisher immer angeflogenen Steine nach und nach aus dem Schatten heraus ins Sonnenlicht zu versetzen. Dies in der Hoffnung, daß die Wasseramseln diesen Ortswechsel akzeptieren würden. Zu meiner Freude störten sich die Wasseramseln daran nicht, so daß ich in der folgenden Zeit bei besseren Lichtverhältnissen fotografieren konnte. Man sollte seinen Fokus nicht nur auf formatfüllende Aufnahmen der Wasseramseln legen sondern auch versuchen, mehr vom Lebensraum dieser Vögel oder gar einen Anflug mit auf das Bild zu bringen.

Ob es unbedingt ein Tarnzelt sein muß, ist pauschal nicht zu beantworten. Grundsätzlich gilt wohl, was sonst allgemein immer zu beachten ist, wenn es um Tarnung geht. Was an der einen Stelle prima funktioniert, lässt sich an einer anderen Stelle aufgrund der lokalen Besonderheiten oder auch der individuellen Fluchtdistanz der Vögel nicht umsetzen.

Die günstigste Jahreszeit ist Ende Mai, Anfang Juni. Man sollte bei der Auswahl des Ansitzplatzes auf einen bemoosten Stein, Laub im Wasser oder ähnliches achten. Ansonsten wird ein braun-weißer Vogel vor einem grauen Hintergrund ein eher trostloses Foto abgeben. Ein paar Farbflecke machen da schon einen deutlichen besseren Gesamteindruck.

Geduld muß man natürlich auch haben. Halbstündige Wartezeiten zwischen zwei Anflügen sind keine Seltenheit.

Nachdem es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundertes im Zuge von Landschaftsveränderungen, Verbauungen und Umweltverschmutzungen zu Bestandseinbußen in unseren Breiten gekommen war, scheint sich eine positive Veränderung – ggf. im Zuge der EG-Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) abzuzeichnen. Jedenfalls findet seit einigen Jahren gerade an Fließgewässern eine starke Veränderung des Bach- und Flußumfelds statt. Ob dies eventuell positive Auswirkungen auf die Bestände der Wasseramsel hat, bleibt abzuwarten. Es ist aber jetzt schon deutlich geworden, dass die Entfernung von Querverbauungen und die Neuschaffung von Solgleiten und Fischaufstiegsanlagen besonders anziehend auf die Winterbestände der Wasseramseln zu wirken scheinen.

Die Wasseramsel gehört von der Erscheinung und seiner Gefiederfärbung her zwar nicht zu den auffälligen Vögeln gehört, dessen Lebensweise aber so einzigartig ist, daß er eine Sonderstellung unter den bei uns heimischen Singvögeln einnimmt. Kennzeichnend für die etwa starengroßen Wasseramseln ist ein kurzschwänziger, plumper, dunkelbrauner Körper mit weißem Kehl- und Brustlatz. Die Jungtiere hingegen weisen eine gefleckte, graubraune Gefiederfärbung auf.

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