Rotkehlpieper-Zugtag am Roten Meer

RotkehlpieperDie Sonne ist gerade erst seit 3 Stunden am Horizont erschienen. Trotzdem ist es schon richtig heiß. Vom Frühstück in einer Hotelanlage am ägyptischen Roten Meer kommend, drehen wir – wie immer – erst mal unsere Inspizierrunde. Dabei sehen wir wieder die beiden Kampfläufer (Calidris pugnax) und auch den einen Spornkiebitz (Vanellus spinosus) mitten in der Hotelanlage auf dem gleichen Rasen wie vor 5 Tagen. Als wir dann wieder an den freien Rassenflächen zurücklaufen, sage ich noch „… außer Schafstelzen haben wir noch keine weiteren Vögel auf dem Gras gesehen. Vor allem keine Pieper“. Das ist gerade gesagt, da sehen wir beide 2 breitstreifig gemusterte kompakte Pieper. Es sind Rotkehlpieper (Anthus cervinus). Eines der Vögel hat noch eine richtig rote Kehle. Super, die muß ich gleich noch mal ablichten gehen. Als ich zurück komme, sind beide Rotkehlpieper praktisch noch an der gleichen Stelle zugegen. Die Schafstelze (Motacilla flava) sind natürlich deutlich in der Überzahl. Als ich näherkomme, fliegen alle auf. Dann verberge ich mich kurz hinter einem üppigen Busch und robbe auf allen Vieren hinter dem Gebüsch hervor. Da stehen sie keine 8 Meter vor mir. Im Gegensatz zu den Schafstelzen stehen die Rotkehlpieper auch nicht so im Schatten und geben so ein tolles Bild trotz der steil stehenden Sonneneinstrahlung ab. Einer der Rotkehlpieper kämpft mit einer veritablen Schmetterlingsraupe. Immer wieder packt er sie am Abdomen, schüttelt sie und legt sie wieder nieder. Dann nimmt er sie wieder auf und wiederholt das Prozedere. Ich kann aber nicht beobachten, daß der Rotkehlpieper sie frißt. Der Partner beobachtet mich derweil argwöhnisch. Sie wissen beide nicht so recht, was sie mit dem langliegenden Etwas mit der Kamera anfangen sollen. Ich stelle dann fest, daß auch im blühenden Gestrüpp an der Westseite des langgezogenen Appartementkomplexes einiges los ist. So sehe ich schnell mindestens 2 Grauschnäpper (Muscicapa striata), dann 1 Braunkehlchen (Saxicola rubetra) und 2 Fitisse (Phylloscopus trochilus). Auch 2 Klappergrasmücke (Sylvia curruca) fliegen ein. Die Klappergrasmücken sind sehr scheu – im Gegensatz zu den anderen Zugvögeln, die sich zwar auch gut verbergen können, aber nicht übertreiben scheu sind und ganz gut vom Fotografen hinter einem schattenspenden Busch sitzend auf die Platte gebannt werden können.

Als Birdingziel ist Ägypten ein beliebtes Ziel, das durch die noch nicht lange zurückliegenden Anschläge offensichtlich etwas an Attraktivität verloren hat. Für den Furchtlosen bietet sich aber gerade zu den Zugzeiten die Möglichkeiten in den grünen Hotelanlagen Vögel zu beobachten und wenig später am Strand zu entspannen. Ende September bzw. Anfang Oktober ist die beste Zeit für den Herbstzug. Gleichzeitig sind die Temperaturen noch sehr sommerlich. In der ganzen Zeit war das Wetter durchweg sonnig. Es war insgesamt sehr trocken, wenn auch vom Meer bei fehlendem Wind eine feuchte Schwüle zu verzeichnen war. Die Temperaturen erreichten die ganze Zeit Werte um die 32 – 34° C. Es weht zumindest in der 1 Woche ein teilweise kräftiger Wind aus nördlicher Richtung. Der Wind kam in Böen immer wieder auf bis zu 60 km/ h (also 8 Bft) auf. Das schien die Vögel aber weder zum Ziehen zu animieren noch davon abzuhalten. Im Gegensatz zum Zuggeschehen in Mitteleuropa scheint es also nicht so lohnend, zu den Zugzeiten die Wettervorhersage im Blick zu halten. Dort ist es ja so, daß ein Wetterumschwung mit südlichen, manchmal auch westlichen Winden nach kühlen Tagen – am besten noch mit Ostwind – besonders produktiv sind. Das konnte ich – vielleicht der Kürze der Zeit geschuldet – am Roten Meer nicht beobachten. Hier kann jederzeit ein Zugvogel auftauchen. Man muß nur die Augen offenhalten.

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