Osterausflug auf die Greifswalder Oie

TrauerenteSeeenten wie Eisenten (Clangula hyemalis), Trauerenten (Melanitta nigra) oder Bergenten (Aythya marila) im Tiefflug über der Ostsee. Noch dazu im Prachtkleid. Dies alles ist auf einem Ausflug mit der MS „Seeadler“ der Apollo-Reederei auf die Greifswalder Oie – der nord-östlichen Insel Deutschlands – möglich. Die Insel liegt nördlich von Usedom im nördlichen Vorpommern mitten in der Ostsee.

Wie bereits in anderen Blog über das Zuggeschehen beschrieben, lohnt es sich im Frühjahr und Herbst die ziehenden Trupps nicht nur der Singvögel genauer abzusuchen. In gemischten Ententrupps können sich nämlich auch andere Vertreter der Melanitta -Seeenten aufhalten. Das sollte über Ostern mal von Peenemünde aus getestet werden. Bei herrlichstem Wetter ging es pünktlich um 9.45 Uhr mit der MS „Seeadler“ hinüber zur Greifswalder Oie. Als die MS „Seeadler“ den Peenestrom verlassen hatte und den Peenemünder Haken passiert sind in der Ferne schon ziehende Mittelsäger (Mergus serrator),  Kormorane (Phalacrocorax carbo), Pfeifenten (Anas penelope), Reiherenten (Aythya fuligula), Eisenten, Trauerenten und Lachmöwen (Chroicocephalus ridibundus bzw. Larus ridibundus) zu sehen.

Schnell passieren wir die Insel Runde und sehen in der Ferne schon die Oie. Da die See nicht zu rau ist, ist es möglich die Seevögeln auf Augenhöhe am Boot vorbeifliegend zu fotografieren. Teilweise kommen Eisenten, Trauerenten, Silbermöwen (Larus argentatus) oder auch mal Spießenten (Anas acuta) auf 20 Meter Entfernung vorbei.

In der Ferne ziehen die dunklen Körper der Ringelgänse (Branta bernicla) vorbei. Einige – nicht mehr als 20  – Schnatterenten (Anas strepera) sind auf der ganzen Fahrt zu sehen. Dafür sind Samtenten (Melanitta fusca) und Schellenten (Bucephala clangula), Mittelsäger (Mergus serrator)  und Gänsesäger (Mergus merganser)  sehr zahlreich. Eine Überraschung sind die recht zahlreichen Rothalstaucher (Podiceps grisegena). Es sind sicher mehr als 100 Exemplare, die immer mal wieder zu sehen sind. Vereinzelt sind auch Sterntaucher (Gavia stellata) in der Ferne zu sehen. Natürlich nicht so spektakulär wie im Mai vor Slettnes/ Norwegen. Die Vögel fliegen allerdings sehr schnell. Da ist es gut, ein kurzes, einfach zu handhabendes Objektiv wie das Canon EF 400mm f/4 DO IS USM zur Verfügung zu haben.

Aus Gewichtsgründen hatte ich bei der Flugreise auf das Sigma 120-300 f 2.8 APO EX DG OS HSM verzichten müssen. Mit dem Zoom hätte ich wohl noch mehr Möglichkeiten u.a. der Ausschnittwahl noch während des Anflugs eines Seevogels gehabt. In der Galerie des Norwegen-Ausflugs zum Seeadler im März 2015 sind Resultate zu besichtigen, die mit einem Sigma 120-300 f 2.8 APO EX DG OS HSM möglich sind. Auch die Bilder einer anfliegenden Polarmöwe (Larus glaucoides) profitierten von den Möglichkeiten den Ausschnitt noch im Anflug – bei „Dauerfeuer“ im Highspeed-Modus – zu verringern, um damit abgeschnittenen Flügelspitzen vorzubeugen. Dies war bei dem fotografierten Trauerenten aber gar nicht notwendig. Perfekt kommen sie auf das Boot in ca. 2 Metern Höhe auf das Boot von Westen zugeflogen, verringern noch die Flughöhe als sie des Boots ansichtig werden und schauen dann auch noch verwundert oder neugierig zum Fotografen hinüber. Das perfekte Bild!

Auf der Greifswalder Oie wurden wir von Mathias Mähler, dem Leiter der Biologischen Station des Vereins Jordsand auf der Insel empfangen. Bei einem Inselrundgang, der Besichtigung der Beringungsstation und der Vogelfang-Gartens kann man viel Interessantes erfahren und zu entdecken. Neben der „Begrüßungskanadagans“ am Hafen und einem Siebenschläfer im Inselwald war das Trauerentenpärchen im Hafenbecken im schönsten Licht der Hit. Zu der Zeit ist auch mal eine Sumpfohreule (Asio flammeus) oder Waldschnepfen (Scolopax rusticola) als Beobachtungen auf der Insel möglich. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Die Sonne schien, der Wind blies weiße Wolken über den blauen Himmel.

Auf der Rückfahrt ist sogar noch ein Ohrentaucher (Podiceps auritus) in einiger Entfernung dümpelnd zu sehen. Viel zu schnell ging es mit dem Schiff durch Unmengen von Kormoranen und Enten zurück zum Festland. Die Fahrt geht am Rand des Vogelschutzgebiet Pommersche Bucht entlang, das im Frühjahr bis zu 750 Sterntauchern, 77.000 Eisenten, 170.000 Trauerenten  und 43.000 Samtenten einen Rastplatz bietet. Vor allem im Winter kommen bis zu  170 Rothalstaucher, 490 Ohrentaucher vor.

Es ist ratsam, sich für einen solchen Ausflug eines zuverlässigen Kapitäns und eines verläßlichen Boots zu bedienen. Sehr empfehlenswert ist die Firma Apollo Fahrgastreederei, die vom Hafen in Peenemünde fährt. Die Firma ist auf Ausflugsfahrten auf die Insel Ruden und die Greifswalder Oie spezialisiert und bietet Osterfahrten zu den Inseln Ruden und Greifwalder Oie an. Unterkünfte sind in Usedom in den Ostseebädern mehr als genug vorhanden.

Ansonsten ist die Greifswalder Oie, die nord-östliche Insel Deutschlands, als Hot Spot der Irrgast-Beobachtung in der Ostsee bekannt. So wurde auf dieser Insel nördlich von Usedom im nördlichen Vorpommern ein Tienshan-Laubsänger (Phylloscopus humei) Ende Oktober 2015 beobachtet. Die Beobachtung eines Tienschan-Laubsängers war damals die erste Meldung für 2015 für die Greifswalder Oie. Dagegen hielt sich vom 1. bis zum 13. November 2014 auf Helgoland ein Tienschan-Laubsänger auf.

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