Gemeinsame Jagd bei Kornweihen

KornweiheKornweihen (Circus cyaneus) eng beisammen im Jagdgebiet hatte ich schon häufiger gesehen. Erstmalig konnte aber im letzten Jahr eine gemeinsame, offensichtlich abgestimmte Jagd von mehreren Kornweihen beobachtet werden. Ein phantastisches, akrobatisches  Schauspiel im Havelland. Das Havelländische Luch bei Buckow – westlich von Berlin – stellt eine einzigartige Niederungslandschaft dar. Eigentlich bekannt als das Trappengebiet Deutschlands, stellt es im Winter Überwinterungshabitate vor allem für Greife zur Verfügung. Verschiedene Arten von fliegenden Beutegreifern wie Roter Milan (Milvus milvus), Kornweihe (Circus cyaneus), Mäusebussard (Buteo buteo), Rauhfußbussard (Buteo lagopus), Merlin (Falco columbarius) und auch mal eine Sumpfohreule (Asio flammeus) nutzen die Vielfalt der Wiesen, Weiden und Äcker um hier ihre Wintermahlzeit abzuholen. Auch der Seeadler (Haliaeetus albicilla) ist Nahrungsgast. Anders als die vorgenannten Arten hält er sich aber nicht mit Mäusen auf sondern versucht die teils im Gebiet äsenden Gänse zu jagen. Leider greift er auch schon mal bei einer Großtrappe (Otis tarda) zu.

Bei einem Besuch des Havelländische Luchs konnten sehr interessante Beobachtungen von gemeinsam jagenden Kornweihen über einen längeren Zeitraum gemacht werden. Schon eine Weile waren mindestens 7 Kornweihen (Circus cyaneus) beim niedrigen Nahrungsflug über den Äckern und Weiden zu beobachten. Eine Gebüschgruppe von Weiden schien dann gegen 9:30 die besondere Aufmerksamkeit von zuerst 2, dann 3 Weibchen dieser Weihenart auf sich zu ziehen. Die Weiden standen entlang eines Wirtschaftsweges und in den Weiden schien eine lohnenswerte Beute zu sein. Jedenfalls kreisten die Weihen für gut 15 Minuten unentwegt über den Weiden, legten dann mal eine akrobatische Sturzflugübung ein und flogen dabei auf Schwingenweite an die Bäume heran. In wilden Wendemanövern berührten die Flügel fast die Zweige der Weiden. Langsam wurde deutlich, daß ein größerer Trupp Goldammern Zuflucht in den Weiden gesucht hatte und die Weihen wohl versuchten, die Goldammern zum Abflug zu veranlassen, um sie dann auf der Flucht zu schlagen. Es war nicht erkennbar, daß diese Jagd erfolgreich war. Die Weihen waren recht hartnäckig. Nachdem sich die Mitglieder der Jagdgesellschaft im näheren Umkreis auch gerne gegenseitig attackierten, wurde doch wiederholter Anflug festgestellt. Nachdem sich noch ein Kornweihen-Männchen dazu gesellt hatte, konnte in einer Flugpause ein Trupp von vielleicht 20 Ammern beim hastigen Verlassen der Weidengruppe beobachtet werden. Anschließend hatten die Kornweihen das Interesse an dem Weidengebüsch verloren. Das Verhalten, Vögel aus Bäumen z.B. an einer Winterfütterung heraus zu scheuchen, hatte ich bisher nur vom Sperber (Accipiter nisus) gehört. Offensichtlich haben auch Kornweihen mit dieser Methode Erfolg.

Bemerkenswert war der Umstand, daß die Weihen hier gemeinsam zur Tat schritten; ein geradezu sozial abgestimmtes Verhalten. Das ist insofern besonders erwähnenswert, da Urs N. Glutz von Blotzheim in seinem „Handbuch der Vögel Mitteleuropas“, Band 4 „Falconiformes“ zwar über in hartnäckiger Wiederholung ausgeführte Jagd auf Ringeltauben, Rebhühner und Enten berichtet, ansonsten aber die wenig gesellige Art der Kornweihe beschreibt, die eine Vergesellschaftung mit Artgenossen nur an den Schlafplätzen zuläßt. Immerhin wird von den im Winter fest begrenzten Jagdgebieten berichtet und angedeutet, daß es gegenüber Artgenossen und anderen Greifen durchaus Interaktionen geben könnte. Diese seien aber nicht näher bekannt.

Nach der erfolglosen Jagd auf die Ammern erprobten die Kornweihen ihre Flugkünste bei ausgedehnten Aufscheuch- und Verfolgungsjagden auf die reichlich im Gebiet vorhandenen Nebelkrähen (Corvus cornix). Diese Rabenvögel wurden mit Wonne aufgescheucht um dann mit flinken Wendungen zuerst aufgescheucht und anschließend locker im Verfolgungsflug abgehängt. Überhaupt schien es so, daß die Kornweihen die bei weitem agilsten und flugfreudigsten Vögel des Gebiets an diesem kühlen Spätherbstmorgen waren. Auch die wenigen, verbleibenden Kiebitze (Vanellus vanellus) des Gebietes wurden vor Anflügen nicht verschont.

Im Herbst suchen Kraniche und 180.000 Wasservögel ihre Rast- und Sammelplätze im Naturpark Westhavelland auf. Besonders ergiebig ist das Havelländische Luch bei Buckow. Beobachtungstürme bei Buckow und bei Garlitz bieten Beobachtern hervorragende Möglichkeiten, die Vogelwelt unmittelbar mitzuerleben.

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