Halsbanddohlen in Ostdeutschland

Dohle
copyright: A. Stoehr

Das Thema der Identifikation der Dohle der Subspezies soemmerringii, die im Deutschen auch Halsbanddohle genannt wird, ist weiterhin heiß diskutiert. Die Dohle (Corvus monedula soemmerringii) wird nur vereinzelt in den einschlägigen Foren gemeldet. So gab es in 2014 in ornitho.de zwar einige Meldungen aus dem Norden und Osten des Landes. Diese wurden aber häufig bezweifelt.

Während eines Besuchs des Havellands bei der Ortschaft Mötzow in der sogenannten Beetzseeheide im Landkreis Potsdam-Mittelmark waren damals Beobachtungen von Halsbanddohle in Trupps mit Saatkrähen (Corvus frugilegus) und einigen Nebelkrähen (Corvus cornix) gemacht worden, die dem Administrator von bird-lens.com einen eigenen Blog wert war. Hierzu nun eine ausführliche Kommentierung von A. Stöhr.

Wie auch Alessandro Kormannshaus bin auch ich der Meinung, dass es sich nicht um eine Halsbanddohle handelt. Ich wohne seit August 2014 in der Uckermark und habe bereits mehrere solcher Vögel gesehen.

Dort sehe ich auch immer wieder Dohlen, deren Kontrast zwischen hellem Nacken und Unterseite mich auf den ersten Blick an eine Nebelkrähe erinnert. Das war mir so extrem aus Süddeutschland und Schleswig-Holstein nicht bekannt. Dieser “Nebelkrähenvergleich” steht auch so im Artikel von Offereins, allerdings als Kennzeichen der Unterart monedula gegenüber unserer Unterart spermologus. Wobei der Nacken bei soemeringii noch heller sein soll.

Was bedeutet das jetzt? Ich weiß es nicht: habe ich bisher noch keine “echten” monedulas gesehen, oder ist ein deutlicher Kontrast zwischen schwärzlichem Gefieder und hellgrauem Nacken bei monedula ein Hinweis auf Hybridisierung mit soemmeringii, wie es im Artikel anklingt?

Diese Frage fand ich interessant, und deshalb habe ich mich intensiver mit der Bestimmung von Halsbanddohlen beschäftigt. Ich glaube, dass viele Beobachter durch die Diskussion, die vor einiger Zeit beim Club300, birdnet-Forum bzw. bei ornitho lief, verunsichert sind. Als Folge gelten sie anscheinend nach derzeitigem Stand als kaum sicher bestimmbar und es kümmert sich (deshalb?) derzeit auch keine Kommission um diese Seltenheit, was ich schade finde.

Um diese Situation zu überwinden sollte man nochmals den Artikel von Offereins durchlesen und sich dann eines bewusst machen: eine (extrem gefärbte) Halsbanddohle ist keine nordische Dohle mit auffälligem Halsband !

Das scheint mir in früherer Literatur nicht klar herausgestellt worden zu sein. Der Tenor in Svenssons Beringerführer, dem Handbuch der Vogelbestimmung,und der NBB-Monografie ist immer ähnlich: die drei Unterarten sind nur wenig differenziert und gehen fließend ineinander über. Daraus wird dann folgende Aussage abgeleitet:

“…Es ist grundfalsch und aussichtslos, Dohlen einfach nach dem Vorhandensein oder Fehlen eines Halsbandes als soemmeringii oder monedula bzw. spermologus bestimmen zu wollen.”, (Zitat aus dem NBB Buch von Rolf Dwenger, von http://f3.webmart.de/f.cfm?id=1231426&r=threadview&t=3890198&m=16267541#16267541).

In einem Punkt haben natürlich alle eben genannten Quellen recht: die breiten Übergangszonen zwischen den drei Unterarten sorgt sicher dafür, dass viele Individuen keiner UA sicher zugeordnet werden können. Aber darum geht es meiner Meinung nach auch nicht, deshalb:

Es geht nicht darum, die Unterart einer Dohle zu bestimmen, sondern darum, in Deutschland eine extrem gefärbte Halsbanddohle zu finden und (mindestens) als “zeigt Kennzeichen von” soemerringii zu dokumentieren.

Nochmals andersherum: ich denke nicht, dass Halsbanddohlen ein Bestimmungs- sondern ein Einschätzungsproblem sind. Die Kennzeichen sind ja im Artikel von Offereins genannt worden (von dem es übrigens zwei Versionen gibt:

http://calidris.home.xs4all.nl/jackdaw.htm und

http://calidris.home.xs4all.nl/monedula.htm )

[Ein weiteres Beispiel: im Artikel: “Zum Auftreten von „Halsbanddohlen”. (Corvus monedula ssp.) in Westfalen von W. ERZ.

(http://www.anthus.de/download/anthus_1968_1_4_8.pdf) werden Bälge von Dohlen mit hellen Halsbändern gezeigt, aber: die dort gezeigten Bälge zeigen ja keine typischen, extrem gefärbten Halsbanddohlen.] Jetzt kommt es auf die Einschätzung der zuständigen Gremien an:

Ist für die Annerkennung einer Halsbanddohle ein im Brutgebiet als nestjung beringte Vogel nötig, reichen Maße aus (da kenne ich mich nicht aus, es soll aber eventuell doch Unterschiede geben, siehe in dem Artikel.

oder reichen SEHR GUT dokumentierte Vögel, die ALLE Kennzeichen von soemmeringii in PERFEKTER Ausprägung zeigen?

Ich würde für Letzteres stimmen (nicht nur, weil mich Vogelbestimmung interessiert), weil ich glaube, dass man mit dieser Vorgehensweise in der heutigen Zeit mit Portalen wie Ornitho oder naturgucker viele Informationen gewinnen kann, die ansonsten verloren gehen würden.

Ein Beispiel: im Buch “Vogelzug und Vogelbestände in Mitteleuropa” macht Wulf Gatter interessante Aussagen zum Zug von weißköpfigen Schwanzmeisen, obwohl am Randecker Maar sicher nicht jede sicher als caudatus bestimmt werden kann (in eine ähnliche Richtung geht der sehr interessante Artikel zum Durchzug des Mornells aus der Limicola).

Mit der Zeit sollten von den zuständigen Gremien (ornitho-Regionalkoordinatoren/Naturgucker-Fachbeiräte, Avifaunistische Komissionen) Kriterien aufgestellt werden, die die Frage beantwortet, welche Dohlen als (zeigt Merkmale einer) Halsbanddohle anerkannt werden können. Das ist in der Vergangenheit am Besten mit Taigazilpzalpen und caudatus Schwanzmeisen geschehen, wobei tristris zeigt, diese Kriterien nicht in Stein gemeiselt sein müssen.

Besteht dann nicht die Gefahr, dass Vögel als Halsbanddohlen anerkannt werden, die keine sind?

Wie gesagt, dass einzuschätzen ist Sache der genannten Gremien und unabhängig von den Kennzeichen zu sehen. Was wir als Beobachter beitragen können:

Wir müssen selbstkritisch sein: zeigt mein Vogel alle Kennzeichen in 100% Perfektion? Beobachtungen müssen durch gute, viele Fotos belegt sein, Bei der Halsbanddohle ist die Ausprägung des Halsbandes stark abängig von Haltung und Beleuchtung.

Offereins hat bereits darauf hingewisen dass der weißliche Halsseitenfleck von vorne am Auffälligsten erscheint. Auf unscharfen (gilt vor allem für Bewegungsunschärfe) Fotos erscheint der weiße Halsring häufig länger und deutlicher, als er in Wahrheit ist.

Unter den folgenden links habe ich einmal Fotos von Dohlen mit mehr oder weniger ausgeprägten Halsbanddohlenmerkmalen zusammengestellt (bei Interesse habe ich noch mehr)

https://www.dropbox.com/sh/tqyblxz2ebukshh/AABx8cm2sPFaVTl6V-cb84rDa?dl=0

https://www.dropbox.com/sh/0fi7u2s8p5fuovp/AACJK116JXLoko6-O5uKINuJa?dl=0

https://www.dropbox.com/sh/48a8ujri9ytcvs2/AAB698NqG7lRIamMNV_5JlN9a?dl=0

https://www.dropbox.com/sh/ghny89erpnyqhhq/AAAWcOmbQx_O6lgEfrjX1PA3a?dl=0

https://www.dropbox.com/sh/jojnftr5w1cojkb/AADfJStKtXGL6ONSR_o8WNj_a?dl=0

Zum Weiterdiskutieren sind folgende links interessant:

http://www.pbase.com/image/137541518

http://www.pbase.com/martijnbot/image/137550089

http://calidris.home.xs4all.nl/Snijrus2.jpg

http://www.pbase.com/hansverhoeven/image/134816184

http://www.warbler.phytoconsult.nl/jackdaw.htm

Diese Vorgehensweise kann man durchaus auch auf andere “Unterarten-ID Probleme” übertragen, die in letzter Zeit diskutiert werden und alle eines gemeinsam haben:

  • Unterschiede zur einheimischen Unterart
  • seltenes, aber regelmässiges Vorkommen
  • (breite) Hybridzone zwischen einheimischer und fremder Unterart

Also: caudatus-Schwanzmeisen, sommeringii-Halsbanddohlen, Waldbaumläufer der UA familiaris und Sturmmöwen der UA heinei …. Ich finde, an dem Thema sollten wir dranbleiben. Dohlen mit (sehr vielen) Kennzeichen von soemmeringii sind nach Literaturangaben zumindest in Ostdeutschland im Winter nicht selten, siehe hier: Die Vogelwelt des Nationalparks Unteres Odertal von Winfried Dittberner

Kompendium der Vögel Mitteleuropas (bis 5% der Durchzügler in MVP) http://club300.de/gallery/photo.php?id=28300

Was mir noch aufgefallen ist: die Phänologie des Auftretens von Dohlen mit hellem Halsband in dem Artikel von W.Erz ähnelt sehr dem Muster, das in dem Artikel von Offereins beschrieben wird…

Es bleibt natürlich das Problem der breiten Hybridzone zwischen soemmerringii und spermologus in Polen, die natürlich auch bei uns erscheinen. Die allermeistenVögel, die ich im vergangenen Winter gesehen habe, sahen nicht 100% perfekt für eine Halsbanddohle aus (s. meine Bilder). Deshalb habe ich mir folgende Alternative überlegt, nach Diskussionen mit J. Blessing und C.Stohl aber wieder verworfen (an dieser Stelle beiden Danke dafür!). Dennoch möchte ich sie vorstellen:

Man nimmt auch Vögel mit auf, die nur zu 90% einer Halsbanddohle entsprechen (wie z.B. meine, die eine etwas hellere Brust und helle Säume der USD zeigt, http://www.ornitho.de/index.php?m_id=54&backlink=skip&mid=132449). Dafür müssten die genannten Gremien anhand von problematischen Individuen festlegen, welche Vögel noch als anerkennbare Halsbanddohle gelten.

Ein Abgrenzungsproblem zur UA monedula oder allgemein zu Dohlen mit deutlichem Halsband besteht meiner Meinung nach nicht, wenn man sich an die bekannten Kennzeichen hält. Schaut euch mal diese Dohle hier an: https://flic.kr/s/aHskn7jJm8 Sie zeigt zwar einen sehr ausgeprägten, breiten und hellen Halsseitenfleck, ist aber trotzdem keine Halsbanddohle: die Unterseite ist zu hell, die Kopfseiten zu dunkel und der Halsseitenfleck reicht nicht weit genug in den Nacken hinein.

Ich habe übrigens in den Monaten Mai bis September vergeblich versucht, in der Uckermark Dohlen mit deutlichem Halsband zu finden. Der hier gezeigte Vogel ist der erste, den ich in diesem Herbst gefunden habe.

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