Uferschwalben in Nistwand

UferschwalbeGelegentlich fahre ich eine einsame Landstraße entlang an der direkt neben der Straße eine nur im hinteren Teil bewirtschaftete Kiesgrube zu finden ist. Die Grube liegt in einer flachen, landwirtschaftlich genutzten Gegend. Landschaftliche Schönheit erschließt sich nur dem Kenner. Viele Spaziergänger oder Jogger kommen daher hier nicht vorbei. Als ich zufällig mal mit dem Wagen vorbei komme und neben einer Böschung parke, fliegen wenige Meter entfernt Uferschwalben (Riparia riparia) ihre Brutröhren an. Sie stören sich an dem Fahrzeug nicht im Geringsten. Sie sind auch sehr beschäftigt. Sie fliegen ständig an und ab und füttern ihre Jungen.

Aus dem Seitenfenster hebe ich vorsichtig das 4,0/ 600 mm um ein Bild nach dem anderen zu schießen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie nah man an Uferschwalben herankommt. In mehreren Brutröhren sitzen fast flügge Jungvögel, die sich schon vorwitzig bis an die Einfluglöcher wagen. Die Jungen empfangen ihre fütternden Eltern mit weit aufgerissenen, gelb scheinenden Schnäbeln. Damit bettelnd sie gierig nach Futter. In den Pausen zwischen den Fütterungen geben sich die Jungen ausgiebig der Gefiederpflege hin.

Plötzlich verliert eine der jungen Uferschwalben das Gleichgewicht und rutscht den Hang hinunter. Laut piepsend und flügelschlagend erreicht sie aber schnell wieder den Nesteingang. An einer großen Steilwand hätte das auch anders ausgehen können. An manchen Brutröhren ist zu sehen, dass viele Jungvögel bereits ausgeflogen sind. Sie kommen aber regelmäßig zur Brutwand zurück, meist als Begleitung der Eltern, die die noch in den Nestern verblieben jüngeren Geschwister füttern. Einige der Altvögel sind noch oder wieder mit dem Nestbau beschäftigt. Direkt neben mir fliegt Sand aus der Mulde. Eine Uferschwalbe beim Höhlengraben. Während der Kopf in der Kieswand verschwindet, bewacht der Partner, nur wenige Zentimeter entfernt auf einem Stein sitzend auf das Fertigwerden. Er ist sehr umsichtig und bewacht den Luftraum. Bei Gefahr wird mit akustischen Signalen gewarnt.  Schön ist zu sehen, wie ein Paar versucht, einen gut dreißig Zentimeter langen Grashalm als Nistmaterial einzubringen. Kein leichtes Unterfangen. Eine andere Uferschwalbe hält eine Feder im Schnabel. Das ist natürlich ideales Polstermaterial für die Nestmulde. Ich versuche unterdessen, möglichst viele Aspekte des Kolonie- und Familienlebens mit der Kamera einzufangen. Ich widme mich besonders dem Versuch, eine aus der Brutröhre frontal auf mich zufliegende Uferschwalbe zu erwischen. Das heißt also, auf einen gedachten Punkt scharfstellen und im richtigen Augenblick den Auslöser betätigen. Das ist trotz der Möglichkeiten der neuen AF-Systeme gar nicht so einfach. Mehr als ein Foto pro Abflug ist da nicht drin.

Eine der besten Plätze im Rhein-Main-Gebiet für die Beobachtung von Uferschwalben (Riparia riparia) ist sicherlich die Weilbacher Kiesgrube. Ein wahres Vogelparadies. Hier kann man relativ nah von einem Verbindungsdamm die Brutröhren von oben betrachten und stört die Vögel nicht im Geringsten. Die Grube liegt in der Nähe von Weilbach. Dieser Ort wiederrum ist nur 20 km von der Stadt Frankfurt in westlicher Richtung entfernt. Auch der Frankfurter Flughafen ist nicht weit. Hier wurde seit den 1960er Jahren Kiesabbau betrieben. Ein Teil der Landschaft wurde renaturiert. Teilweise wurden die Gruben nicht gefüllt und sind jetzt Heimat für viele Vogelarten, wie die Uferschwalben. Auch sonst ist das Gebiet sehr produktiv. So war es möglich eines Morgens im Juni alle vier Arten von Sylvia- Grasmücken zu sehen und zu fotografieren. Es sind die Arten, die regelmäßig in Deutschland auftreten. Zuerst war das Männchen einer Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla) im ersten Licht dieses kalten aber sonnigen Morgen zu sehen. Dann konnte eine einzelne, singende Dorngrasmücke (Sylvia communis) sehr nahe an einem der im Gebiet befindlichen Aussichtstürme gesehen werden. Eine Klappergrasmücke (Sylvia curruca) zeigte sich kurz danach. Und schließlich war noch eine stille Gartengrasmücke (Sylvia borin) zu sehen wie sie eine Raupe in einem dichten Busch fing.

Um mit der wachsenden Nachfrage nach guten Fotoaufnahmen der selteneren Arten der Paläarktis Schritt zu halten, ist bird-Lens.com sehr daran interessiert, den Umfang der Bilder der Vögel in der Westpaläarktis weiter auszubauen. Auch Reisen zu eher abgelegenen Orten waren sehr erfolgreich. Das schöne Bild, das Sie zu diesem Blog finden, ist nur ein Vorgeschmack dessen, was Sie in der Galerie “Picture-Shop” finden. Geben Sie mir einfach Bescheid, wenn bird-lens.com Ihnen mit einem zusätzlichen Bild dienen kann

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.