Mäusebussarde im Schnee am Köder

Common Buzzard in FlightIst es möglich Mäusebussarde (Buteo buteo) im Winter, am besten noch im Schnee, in guter Anzahl zu beobachten und zu fotografieren. Ist das möglich mitten im bevölkerungsreichen, Deutschland? Ja, das ist es!

Das Tal des Flusses “Leine” und die umliegenden waldbedeckten Höhen namens “Leinebergland” sind nicht direkt bekannt als die Hot Spots der Vogelbeobachtung in Deutschland. Aber im Winter wird die reizvolle Landschaft zwischen den Städten Hildesheim im Osten und Hameln im Westen von Vogelbeobachter und Vogelfotografen aufgesucht, um Bilder von Mäusebussarden und anderen Vögel an Winterfutterstellen zu machen.

Nachdem ich schon die Jahre vorher im Winter in Salzhemmendorf war (s. Blog auf englisch) wollte ich diesmal auf Einladung von Wolf-Dieter Peest einen weiteren Tag bei Schnee in einem seiner neuen Ansitze verbringen. Das stellte sich als sehr produktiv heraus – wie man in der Galerie sehen kann. Wolf-Dieter Wildlife bietet Workshops für die digitale Fotografie und Bildbearbeitung an. Er eröffnet einem aber auch die Chance, in eine (oder mehrerer) seiner Hides an Teichen, kleinen Bächen oder an landwirtschaftlichen Feldern anzusitzen. Das Leinebergland mit seinen vielen Kiesgruben- 30 km südlich – der Stadt Hannover, ist ein Paradies für Naturfotografen. In den frühen 70er Jahren wurden viele Gruben zum Kiesabbau ausgehoben. Nachdem die Kiesgruben weitgehend ausgebeutet waren, wurden die Teiche und Seen wieder der Natur überlassen und bieten nun einen neuen Lebensraum für eine Vielzahl von Tier-und Pflanzenarten. Viele dieser Teiche sind wahre Paradiese für die Natur und damit auch Naturliebhaber.

Eine Beschreibung der besten Standorte mit Wolf-Dieters Ansitzhütten, finden Sie hier. Wolf-Dieter ist es gelungen, eine ganze Reihe von attraktiven Grundstücken über die letzten 15 Jahre zu pachten. So auch die von mir aufgesuchte Kaansteinhütte am Ith. Der Ith ist ein bekannter Bergzug.

Obwohl Wolf- Dieters Lieblingsvogel der Eisvogel (Alcedo atthis) ist, sind im Winter die Chancen, atemberaubende Bilder der teilweise um das Futter kämpfenden Mäusebussarde zu machen, m.E. konkurrenzlos – zumindest im westlichen Teil Deutschlands. Im Leinebergland finden nicht nur die Bussarde ihre Köder schon seit Jahren. So schnell wird man überhaupt keinen besseren Ort finden, um Bilder des Mäusebussards aus nächster Nähe oder miteinander kämpfend zu schießen. Ausgezeichnet formatfüllende Aufnahmen in absolut natürliche Landschaft sind praktisch garantiert. Wenn im Winter die natürlichen Ressourcen dieser Greifvögel knapp sind, finden sie sich regelmäßig an den gewohnten Plätzen ein.

Am Abend vorher hatte mir Wolf-Dieter noch die Ausbeute der vorangegangenen Tage an seinem Bildschirm gezeigt. Sehr schöne Anflüge von Mäusebussarden waren zu sehen. Aber auch Fotos vom Mittelspecht (Dendrocopos medius) und vom Rotmilan (Milvus milvus), die ich bisher bei Wolf-Dieter noch nicht fotografiert hatte. Die Spannung meinerseits war also durchaus hoch. Die Wintersonne erreicht erst am späten Morgen die Umgebung um die Fütterung. Es war kalt – in der Nacht zuvor wurden Temperaturen um die – 8° erreicht – und die Wettervorhersage kündigte einen sonnigen Tag mit Minus-Temperaturen an. Um Punkt 9:00 bezog ich den ehemaligen Bauwagen, der nun die Ansitzhütte ist. Die Mäusebussarde kamen nach einer Anstandsfrist von ca. 2 Stunden auch prompt und zahlreich an die Fütterungsplätze. Insgesamt 9 Exemplare konnte ich zählen. Darunter auch ein Mäusebussard, dem die Schwingen und der Schwanz mit roter Farbe markiert worden war. Das wirkt natürlich auf den Bildern nicht so schön.

Aber nicht nur Mäusebussarde sind an den Fütterungsstellen zu beobachten/ fotografieren. Auch für Singvögel wie Sumpfmeise (Poecile palustris), Kohlmeise (Parus major), Blaumeise (Cyanistes caeruleus), Kleiber (europ.) (Sitta europaea), Amsel (Turdus merula), Wacholderdrossel (Turdus pilaris), Rotkehlchen (Erithacus rubecula), Goldammer (Emberiza citrinella), Buchfink (Fringilla coelebs), Bergfink (Fringilla montifringilla), Grünfink (Chloris chloris), Feldsperling (Passer montanus) oder Spechte wie Mittelspecht (Dendrocopos medius) und Buntspecht (Dendrocopos major). Erst gegen 17:00 verließ ich den Hide. Nun war die Sonne schon längst hinter dem Berg untergegangen. Die Ausbeute konnte sich wirklich sehen lassen. Vor allem die Bilder der anfliegenden Bussarde waren vor dem grau-braunen Hintergrund des winterlichen Waldes sehenswert.

Ein besonderes Highlight waren diesmal die Rabenkrähen (Corvus corone) und vor allem die zahlreichen Kolkraben (Corvus corax), die immer wieder versuchten, den Bussarden einen Teil des ausgelegten Köders zu stibitzen. Die Kolkraben schienen aber sehr vorsichtig. Sie fraßen nie als erstes und ließen so immer den Mäusebussarden den Vortritt als Vorkoster. Ein anderes – eher ornithologisches – Highlight war ein teil-leuzistisches Männchen des Buchfink (Fringilla coelebs), das zwar recht scheu war, den ich dann aber doch mal ganz gut fotografieren konnte.

Sehr interessant waren gackernde Geräusche hinter dem Bauwagen. Ich hatte anfangs auf  Rebhühner (Perdix perdix) getippt und gehofft, dass mal eine Kette dieser inzwischen selten gewordenen Hühnervögel zur Fütterung der Singvögel kommt und sich an den Körner  gütlich tut. Über einige Stunden waren diese Rufe zu hören, aber es kam einfach kein Rebhuhn vorbei. Dann hatte ich auch die Kolkraben in Verdacht.  Wolf-Dieter hat dies dann aufgeklärt. Diese Geräusche hinter dem Bauwagen kommen von den Kolkraben. Aber Rebhühner hätte er auch dort oben. Übrigens brütet in unmittelbarer Nähe in der Nähe des Ortes Salzhemmendorf ein Uhu (Bubo bubo). Es ist also nicht ausgeschlossen, dass auch dieser Großvogel mal vorbeischaut.

Es bleibt festzuhalten, dass im Leinebergland bei Wolf-Dieter Peest ideale Voraussetzungen für eine schöne fotografische Ausbeute von Wildvögeln bestehen, die von einem Naturfotografen mit professionellem Anspruch einfach genutzt werden müssen.

An dieser Stelle möchte ich ganz herzlich Wolf-Dieter Peest danken, der die Aufnahmen in der Galerie durch seine Vorbereitungsarbeiten möglich gemacht haben. Man kann sich wohl als Außenstehender nur schwer vorstellen, was es bedeutet, bei jedem Wetter im Winter die richtige Menge an Ködern an den einzelnen Plätzen zur Verfügung zu stellen.

Insgesamt ein sonniger, kalter, erfolgreicher Wintertag. Die einzige schlechte Nachricht ist, dass der Rotmilan (Milvus milvus), der an den vergangenen Tagen zu sehen war, sich diesmal nicht zeigte. Ok, das nächste Mal …………

Um mit der wachsenden Nachfrage nach Top- Aufnahmen der selteneren Arten der Paläarktis zu bewältigen ist Bird-lens.com bestrebt, das Spektrum der Bilder von Vögeln der Westpaläarktis weiter auszubauen. Trips zu abgelegenen Orten, um Bilder von seltenen Vögeln der Westpaläarktis zu machen, waren sehr erfolgreich. Dieses schöne Bild eines fliegenden Mäusebussards ist nur ein erster Eindruck, was Sie in der Galerie im “Pictures Shop”  sehr bald finden können. Geben Sie mir einfach eine Nachricht, wenn ich mit einem Bild dienen kann.

Wenn Sie daran interessiert, die Vogelliste der Westpaläarktis zu sehen und dann auf weitere Bilder von Vögeln der Westpaläarktis weitergeleitet zu werden, sollten Sie hier mehr sehen……

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