Taigasaatgänse im Binnenland Vorpommerns

Taiga Bean GooseIn der Friedländer Große Wiese vor allem südlich von Mariawerth  aber auch nördlich von Heinrichswalde konnten Anfang November in nur gut 2 Stunden am frühen Morgen gut 3000  Saatgänse (Anser fabalis)  gesehen werden. Offensichtlich flogen sie aus dem NSG “Galenbecker See” auf. Die bevorzugten Übernachtungsplätze müssen wohl der Polder 1 bei Heinrichswalde und der große überschwemmte Polder süd-östlich von Fleethof – ca. 10km westlich von Heinrichswalde – gewesen sein. Jedenfalls flogen Scharen von laut rufenden Gänsen so gegen 7:30 über die Polderdeiche hinweg in nördlicher Richtung. Später fuhr ich in die sogenannte Friedländer Große Wiese.

Die Friedländer Große Wiese ist durch teils asphaltierte bzw. betonierte Feldwege ohne Einfahrtbegrenzung sehr gut erschlossen. Als ich einige abgeerntete Maisfelder vor allem südlich von Mariawerth  passierte, hatte ich das Glück Saatgänse zusammen mit Kranichen (Grus grus) zu sehen. Da diese ebene Fläche – ein ehemaliges Kalkflachmoor – weit weg von dicht besiedeltem Land ist, gibt es hier weniger Störungen durch Jogger oder Leute, die mit ihren Hunden zu gehen als im süd-westlichen Teil Deutschlands. Die Situation ist also ganz anders als, die die im Blog „Cranes & Geese in Winter“ beschrieben wurde.  Die guten Zahlen an Gänsen auf den abgeernteten Maisfelder nicht so weit weg von der Straße waren doch erstaunlich. Ich fuhr so ziemlich alle Straßen und Feldwege in der Friedländer Großen Wiese ab. So sehe ich aber immer wieder große Trupps von Gänsen, die sehr unscheinbar auf den scheinbar leeren, abgeernteten Maisfeldern stehen. Sie können sich wirklich sehr gut tarnen. Nur wenn Gänse einfliegen, wird man häufig auf die Gänsescharen aufmerksam.

Unter den beobachteten Gänsen waren natürlich auch Blässgänse (Anser albifrons) und Graugänse (Anser anser)  aber der Fokus lag auf der Fragestellung zum Vorkommen / Anteil der der Waldsaatgans (Anser fabalis fabalis) in Gänseschwärmen. Dabei zeigte sich, daß die Waldsaatgans deutlich seltener als die Tundrasaatgans (Anser fabalis serrirostris) ist. Der Anteil dürfte nicht mehr als 5% an der gesamten Anzahl der Saatgänse (Anser fabalis)  an diesem Morgen betragen haben. Thomas Heinicke führt allerdings in einem Artikel „Neue Erkenntnisse zum Auftreten der Waldsaatgans in Mecklenburg-Vorpommern“ in Orn. Rundbrief Meckl.-Vorp. Bd. 45, H. 1, S. 3 – 18, 2004 3 auch aus, daß von der Waldsaatgans große Rastbestände erst in der Zeit zwischen Dezember und Februar zu erwarten sind. Im Laufe des Novembers erfolgt erst der Einflug. Dabei halten sich die Vögel vorrangig im Bereich der Küstenregion Vorpommerns auf. Größere Rastplätze im Binnenland befinden sich neben der oben beschriebenen Gegend noch bei Güstrow, Malchin.

Innerhalb des nordostdeutschen Überwinterungsbestandes hält sich gemäß der o.a. Untersuchungen die Mehrzahl der Vögel in Mecklenburg- Vorpommern auf, wobei neben der vorpommerschen Küstenregion in erheblichem Umfang auch Binnenlandrastgebiete wie die o.a. Gegend genutzt werden. Das Überwinterungsgebiet der Waldsaatgans ist wesentlich kleiner als das der Tundrasaatgans und beschränkt sich hauptsächlich auf den westlichen Ostseeraum (Südschweden, Dänemark, Norddeutschland, Nordwestpolen). Während z.B. in Schweden die Saatgansbestände ganz überwiegend aus Waldsaatgänsen zu bestehen schienen, haben erst jüngste Untersuchungen in einem Artikel „Tundra Bean Geese, Anser fabalis rossicus, in central and southern Sweden autumn 2009–spring 2012“ von T.Heinicke1 und A.de Jong gezeigt, daß auch im mittleren und südlichen Schweden die Gesamtanzahl der Tundrasaatgans (Anser fabalis rossicus) zwischen 5.000 und 10.000 Exemplaren liegen kann. Vor allem in milden Wintern bleiben viele der Vögel in Schweden. Das Hauptüberwinterungsgebiet ist dann die Gegend um Hammarsjön, in Nord-Ost Skania.

Die Verhältnisse in Mittel- und Westeuropa sind aber auch nicht einfacher. Tundra-und Waldsaatgans nutzen nämlich gemeinsame Rastgebiete. Im Gegensatz zu den Niederlanden, wo seit mehreren Jahrzehnten beide Subspezies getrennt erfasst werden, werden von Gänsezählern in Schweden, Deutschland und Polen die Saatgänse nur bis auf Artebene gezählt.

Obwohl Anfang November noch nicht die beste Beobachtungszeit war, konnten doch schon sehr schöne Beobachtungen und auch ein paar Fotos gemacht werden.

Weitere gute Gegenden für die Beobachtung von Saatgänsen in Mecklenburg-Vorpommern sind die Feldfluren westlich von Ladebow bei Greifswald, die Bargischower Wiesen, dann das NSG “Nonnenhof”, bei Neubrandenburg und das NSG “Ribnitzer Großes Moor” bei Dierhagen.

Ich hoffe der kurze Blog gibt Ihnen einen kurzen Eindruck, was auch im dichtbesiedelten Deutschland möglich ist.

Fühlen Sie sich frei, mich zu kontaktieren. Ich bin immer daran interessiert sind, Feedback auch von ausländischen Vogelkundlern vor und nach ihren Besuchen in Deutschland zu bekommen. Alle Birder können helfen, unser Wissen über die einheimischen und überwinternden Vögel zu vergrößern. In der Regel haben wir einen guten Überblick über manche Vogelart. Bei manchen Arten ist die Datenlage – wie oben beschrieben – noch dürftig. Informationen über große Zahlen an Rastplätzen, Raritäten, schöne Fotos können immer sehr interessant sein.

Ein kurzer Blog in der Reihe “Wo gibt es die besten Beobachtungsplätze in Deutschland” ist bereits in Vorbereitung. Bird-lens.com gibt Ihnen gerne weitere Informationen zu dem, was wann zu sehen ist und wie man dorthin kommt.

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