Silberreiher tanzen im Morgennebel

Great EgretSilberreiher im Nebel sind ein tolles Motiv. Durch die weisse Farbe haben die Reiher im Morgennebel immer etwas mysthisches. Weiße Kreaturen werden in Mythen und Legenden gerne dazu benutzt, als Führer in eine andere Welt zu dienen. Weiße Hirsche, weiße Pferde und weiße Hasen sind wahrscheinlich die häufigsten Assoziationen für Magie  und werden gerne in die Verbindung mit Feen und anderen Zaubergestalten gebracht. Einen Reiher aus dem Nebel im ersten, dämmrigen Licht des frühen Morgens fliegen zu sehen, ist ein magisches Erlebnis. Das Gefieder des Silberreihers (Casmerodius albus)  hat ein brillantes, unberührtes Weiß. Sie wirken wie  Boten aus einer anderen Welt. Das langsame Schlagen ihrer Flügel hat seine ganz eigene Schönheit. Wenn sie geduldig wartend im seichten Wasser stehen, wirken sie geradezu majestätisch.

In der Natur gibt sehr wenige Dinge des rein Weißen. Nun gut, es gibt Milch und Schnee, und natürlich weiße Vögel. Lange mußte der Mensch mit Erdtönen leben, bevor uns der Fortschritt Bleichmittel und weiße Farbe brachte. Weiß in der natürlichen Umgebung war ungewöhnlich und daher umso faszinierender.

Es gab keine weißen Reiher in Deutschland, als ich ein Kind war. Überhaupt gab es sehr wenig Reiher. Reiher wurden bis in die 80iger Jahre als Fischräuber verfolgt. Der Name „Fischreiher“ für den Graureiher (Ardea cinerea) ist auch heute noch in zoologischen Lehrbüchern zu finden. Der Silberreiher (Casmerodius albus) hat sich erst in den letzten Jahren in Deutschland ausgebreitet. Der Bestand ist in Deutschland seit etwa zwanzig Jahren steigend. Zuerst als Wintergast konnte im Jahr 2012 die erste Brust im Norden Deutschlands festgestellt werden. Der erste sichere Brutnachweis für den Silberreiher in Deutschland betraf zwei Paare, die sich in einer Graureiherkolonie angesiedelt hatten. Silberreiher sind nicht Bestandteil der traditionellen Fauna des Landes. Die Leute bringen sie daher immer ein bisschen mit Störchen und Kraniche durcheinander. Natürlich tanzen die Reiher nicht – wie ja auch die in der Gallerie gezeigten – Löffler (Platalea leucorodia) nicht tanzen sondern sich gegenseitig verfolgen. Aus Spaß oder um das Nahrungsterritorium zu sichern? Wer weiß es?

Der Silberreiher ist die Reiherart mit der größten geographischen Verbreitung. So ist er auf allen Kontinenten bis auf den Südpol anzutreffen. Silberreiher sind Teilzieher. Zuerst zerstreuen sich die Jungvögel – oder sie werden von den adulten Vögeln aus den Brutgebieten vertrieben. Adulte Vögel ziehen erst ab September aus den Brutarealen ab. Allerdings bleiben sie in milden Wintern in der Nähe der Brutgebiete oder zeigen Winterfluchtbewegungen erst dann, wenn die winterlichen Bedingungen zu unwirtlich werden. Überwinternde Silberreiher können daher am ehesten in klimabegünstigten Gebieten wie am Oberrhein oder am Bodensee beobachtet werden.

Die Aufnahmen in der Gallerie wurden Ende August im Naturschutzgebiet (NSG) Wagbachniederung

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gemacht. Dieses Gebiet wird unter Ornis auch „Das Waghäusel“ genannt. Es liegt zwischen Mannheim und Karlsruhe am rechten Rheinufer in der Wagbachniederung, die sich westlich bis zum Rhein hinzieht. Das NSG ist ein wichtiger Rastplatz für Limikolen und andere Zugvögel. Fast 100 Vogelarten brüten hier und rund 250 Arten wurden schon festgestellt.

 

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