Vogelzug am Stockert in der Eifel

Haubenmeise in SchleheEin schöner Tag im Herbst. Indian Summer wie er im Buche steht. Diesmal soll es in die Eifel gehen, zu einem Berg, der Stockert genant wird und südlich von Euskirchen gelegen ist. Hier kann man den Vogelzug der am Tag ziehenden Vogelarten sehr gut beobachten. Es war noch dunkel, als ich ankam. Das erste Vogelgezwitscher konnte aber bereits gehört werden. Es waren vor allem Meisen, deren Rufe noch in den Bäumen zu hören waren. Dann ging es sehr schnell. Innerhalb weniger Minuten waren die Büsche voll. Natürlich waren vor allem Kohlmeisen (Parus major) und Blaumeisen (Cyanistes caeruleus) in den Schlehen und Hagebutten zu sehen. Ein wunderbarer Kontrast zu den blauen und roten Früchten, die übervoll an den Zweigen hingen. Die Zugunruhe hatte offensichtlich auch zwei Spezies von Meisen gepackt, die in der Regel nicht mit der offenen Landschaft, sondern eher mit Nadelbäumen in Wäldern in Verbindung gebracht werden. So waren gut 5 Tannenmeisen (Periparus ater) und auch mindestens 3 Haubenmeisen (Lophophanes cristatus) zu beobachten, die für eine Weile auf den Ästen einer Schlehe ausgeruhten. Nur kurz – ca. 2 Minuten – dann waren sie wieder weg.

Beim Beobachten und Fotografieren war klar zu erkennen, dass das Zuggeschehen in vollem Gange ist. Gesang und andere territoriale Verhaltensweisen waren selten zu sehen und beschränkten sich wenn auf den frühesten Morgen. Was für ein wunderschöner, früher Morgen an einem sonnigen Tag. Allerdings ziemlich kalt in den ersten Stunden. Dazu ein wahres Vergnügen – auch unter dem Gesichtspunkt der Ornithologie. Zusätzlich zu den Aufnahmen von den Meisen war es möglich Vögel wie Ringeltaube (Columba palumbus), Feldlerche (Alauda arvensis) , Heidelerche (Lullula arborea), Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla ), Zilpzalp (Phylloscopus collybita), Wacholderdrossel (Turdus pilaris), Misteldrossel (Turdus viscivorus), Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola), Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros ), Heckenbraunelle (Prunella modularis ), Bachstelze (Motacilla alba), Bergfink (Fringilla montifringilla ) und Buchfink (Fringilla coelebs) zu sehen und zu fotografieren. Eine gute Ergänzung zum Portfolio von www.bird-lens.com was auch bald in der Gallery zu sehen sein wird. Im sehr frühen Morgenlicht konnte ich sogar einen Sperber (Accipiter nisus) im Tiefflug zwischen einer jungen Nadelbaumplantage sehen. Dies direkt unterhalb des Gipfels des Stockert. Der Flug der Sperber wirkte dabei fast wie der eines Ziegenmelkers. Strange!

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Der Stockert hat eine Höhe von 434 m über dem Meeresspiegel. Der Hügel ist kein besonders hervorragender Berg, oder gar ein Orientierung im Gelände. Trotzdem ist er strategisch gelegen hier am östlichen Rand der Eifel etwa 3,5 km nordwestlich von Bad Münstereifel im Bundesland Nordrhein- Westfalen. Trotzdem ist der Stockert als Standort für ein Radioteleskop bekannt. Das Teleskop wurde 1956 gebaut und ist das erste Radioteleskop das in West- Deutschland betrieben wurde. Jetzt ist das Teleskop ist ein technisches Denkmal.

Der Stockert und seine Bedeutung für das Vogelzuggeschehen wurde mir schon vor Jahren durch einen Artikel im “Charadrius” 39, Heft 4, 2003: 187-190, der Zeitschrift der Nordrhein- Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO) bewusst. Die geografische Lage am Stockert in der Nähe der Ortschaft Eschweiler führt dazu, daß der am Tage auf breiter Front stattfindende Vogelzug im Oktober in einen Geländetrichter mündet. Während einer Untersuchung im Oktober 2001 und vom 29. September bis 1. November 2002 konnten insgesamt 18.180 Vögel von 39 Arten innerhalb von 12 Tagen beobachtet werden. Die häufigsten Vogelarten waren die Feldlerche, Alauda arvensis ( 31,3 %), der Buchfink, Fringilla coelebs, ( 27,3 %), der Star, Sturnus vulgaris, ( 12,0%), die Wacholderdrossel, Turdus pilaris, (9,8%) und schließlich die Ringeltaube, Columba palumbus, ( 6,6%). Der häufigste Greif war der Sperber, Accipifer nisus, der mit 35 Vögel vertreten war.

Der Autor des Artikels, Klaus Jaschke, erwähnt, dass, wenn das Zuggeschehen in vollem Gange ist, ein einzelner Beobachter nicht in der Lage ist, alle Vögel zu zählen. Der massivste Vogelzug findet am Morgen am Stockert etwa zwischen 9.00 und 11.00 Uhr statt. Es ist offensichtlich, dass die Zugvögel auf ihrem Weg von ihren Brutgebieten aus dem Nordosten kommen. Sie fliegen über die Köln-Bonner Rheinebene, die Zülpicher Bucht, fliegen dann auf die sanft ansteigenden Höhen der Eifel zu. Sie scheinen dabei Taleinschnitten zu folgen. Aufgrund der topographische Besonderheit hier am Stockert werden die in breiter Front ziehenden Vögel zu einem verdichtenden Wanderungsstrom veranlaßt. Da die Vögel aus der Zülpicher Bucht mit einer Höhe von rund 140m NN kommen und sie nun auf gut über 350m NN steigen müssen, fliegen die Vögel in der Regel in geringer Höhe über dem Boden.
Einer der Höhepunkte war am 17. Oktober 1993 zu beobachten. Beim Zug konnten große Schwärme von gemeinsam ziehenden Ringeltauben (Columba palumbus) beobachtet werden. Es wurde geschätzt, dass an diesem Tag insgesamt 10.000 Zugvögel beobachtet werden konnten. In einer Zugformation sah der Autor einen kleinen Watvogel mit den Tauben ziehen. Es handelt sich wahrscheinlich um einen Golregenpfeifer, Pluvialis apricaria oder um eine Bekassine, Gallinago gallinago. Für beide Arten wird berichtet, daß sie gelegentlich mit Ringeltauben ziehen.

Ähnlich ist die Situation am Randecker Maar in Südwest-Deutschland . Auch hier müssen die Zugvögel die Schwäbische Alb mit einem Höhenunterschied von bis zu 500 m ü.M. zu überwinden. Auch hier macht es die Topographie möglich, Zugvögel während des Tages sehr gut zu beobachten. Bereits in den 1960er Jahren hatte eine Gruppe von Ornithologen auf verschiedene Pässe und Bergen der Schwäbischen Alb, südlich von Kirchheim unter Teck, Zugvögel beobachtet und dabei die Bedeutung des Randecker Maar für die Zugbeobachtung entdeckt. Das Randecker Maar, ein ehemaliger Vulkanschlot, bildet einen talartigen Einschnitt. Darüber hinaus bilden die Berge davor einen Trichter. Dies hat die Wirkung, daß die Zugvögel in die Richtung des Maars gelenkt werden.

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