Canon 400mm f4,0 DO IS USM, ein Erfahrungsbericht

Dieses Objektiv, vielleicht mehr als jedes andere Canon-Objektiv, ist Gegenstand eines breiten Spektrums von Meinungen. Natürlich werden, wie bei jeder größeren Anschaffung, Meinungen von Emotionen und finanziellen Faktoren beeinflußt. Die quick & dirty-Zusammenfassung der verschiedenen Stimmen im Netz ist in der Regel:

  • Die Schärfe ist sehr gut, aber fällt dramatisch mit Konvertern ab
  • Kontrast sehr gering (kann angepasst werden, wenn Aufnahme im RAW-Modus via Photoshop überarbeitet wird)
  • Sehr leicht und gut tragbar für ein großes Tele (nicht nur für einen 400mm)
  • hoher Preis
  • Altmodischer Image Stabelizer

Als (nach 25 Jahren) unzufriedener Nikon-Fotograf hatte ich Gelegenheit ein völlig neues fotografisches System zu suchen.

Ich bin Vogelfotograf, der sich auf das Ablichten möglichst vieler Vogelarten für wissenschaftliche Zwecke spezialisiert hat. Zuerst habe ich meine Bedürfnisse genau geprüft. Ich laufe viel in den unterschiedlichsten Gegenden, im Gebirge auf 2500m NN oder im Regenwald. Gewicht spielt also eine große Rolle. Dabei reise ich viel mit dem Flugzeug und hatte früher immer wieder Probleme bzgl. des Fluggepäcks. Das Objektiv sollte gut  – am besten mit aufgesetzter Sonnenblende – in einen überschaubaren Rucksack passen und jederzeit schußbereit sein. Ein Image Stabelizer sollte den Verzicht auf ein Stativ ermöglichen. Lichtstärke ist wichtig, da ich häufiger in Dämmerungslicht oder innerhalb geschlossener Wälder unterwegs bin.

Ich entschied mich dann für die Kombination Canon 400mm f4,0 DO an einer Canon 1D Mk IV. Zusätzlich kaufte ich den Canon 580EX II Flash und einen Canon Extender EF 1.4x II.

Nach gut 2 Jahren in Gebrauch und Reisen nach u.a. Papua New Guinea, Thailand, Schottland, Kalifornien, Portugal, Ungarn, Arabien, Rumänien kann ich folgendes Resümee ziehen:

Die Entscheidung für das Canon 400mm f4,0 DO war goldrichtig. Früher hat man sich schon mal überlegt, mit der Kamera loszuziehen (meist Nikon D2x und 4,0/ 500 AF-IS; meist noch mit Gitzo-Stativ) und ist dann doch nur mit dem Fernglas auf Erkundung gegangen. Einige Top-Opportunities gingen dabei verloren. Das DO ist dagegen bei einem Gewicht von weniger als 2 kg immer dabei. Ich verwende allerdings praktisch nie den 1,4x Telekonverter. Die Linse harmoniert perfekt mit dem Canon 1D Mk IV; immerhin sind auch ISO 6400-Aufnahmen für meine Zwecke – mit Abstrichen – akzeptabel. Über die optischen Leistungen will ich mich nicht weiter auslassen. Dazu ist im Internet mehr als genug geschrieben worden.

Zusammenfassend:

Für Freihandaufnahmen absolut toll (Flugaufnahmen von Großvögel wie Reiher/ Adler perfekt; Singvögel so na,na). Der Autofokus in Kombination mit dem Canon 1D Mk IV erzeugt beeindruckend viele und gute, scharfe Aufnahmen.

Aufnahmen von einem Boot sind eines der Hauptanwendungsgebiete des DO; Aufnahmeentfernung meist gering; Handling bei den begrenzten Platzverhältnissen sehr wichtig.

Die Kombination Canon 400mm f4,0 DO und Extender EF 1.4x II nutze ich sehr wenig. Ausschlaggebend sind die Einschränkungen in der AF-Geschwindigkeit und die (hier wirklich sichtbaren) optischen Unzulänglichkeiten.

Für Fernaufnahmen aus einer Hütte daher eher nicht so geeignet.

Aufnahmen in fortgeschrittener Dämmerung sind nicht die Domäne des Objektivs – dafür fehlt einfach die Lichtstärke; Blitzaufnahmen mache ich fast gar nicht mit dem DO.

Wandere ab ca 1-3 Stunden aufwärts in Feld, Wald und Flur ohne anschließend nennenswerte Rücken-Beschwerden zu haben.

Paßt perfekt – leider nicht mit angesetzter Gegenlichtblende – in den Lowe Pro Flipside 300. Perfektes Handling auch als Fluggepäck.

Auch subjektiv wirken die knapp 2000g an der Kamera sehr handlich.

Wie schon von Wolf-Dieter Peest angesprochen, nervt die wackelige Befestigung der Gegenlichtblende, was aber m.E. weniger an dem Umstand liegt, daß es nur eine Schraube gibt, sondern vor allem an die sich häufiger lösenden Schräubchen an der Befestigung Gegenlichtblende – Hauptschraube. Sollte man nicht beizeiten die Schräubchen wieder mit einem Optikerschraubendreher festziehen, hat man ein echtes Problem!

Nervig ist, daß die Gegenlichtblende im Transportmodus den Zugriff auf die Einstellungsschalter – und natürlich – den manuellen Fokuseingriff behindert.

Das “Elefantenkondom” als Schutz für die Frontlinse nutze ich praktisch gar nicht; die Linse kommt ohne Schutz in den Rucksack: Achtung Fremdkörper!

Eine alternative Lösung wie ein Kunststoffdeckel mit Schnappverschluß könnte tatsächlich die bessere Wahl sein.

Daß kein vernünftiger Koffer im Lieferumfang enthalten ist, ist ein altbekanntes Trauerspiel – auch bei Nikon.

Wie ich oben schon sagte, bin ich aktuell sehr zufrieden mit dem Canon 400mm f4,0 DO. Dabei muß sicher in Rechnung gestellt werden, das das Objektiv erst an einer Canon 1D Mk IV das richtige „Gesamtkunstwerk“ ergibt. Ob das Preis-/Leistungsverhältnis paßt muß jeder selber anhand seiner Anwendungsgebiete und seiner finanziellen Möglichkeiten selber prüfen.

Einmal – kurz vor Ablauf der Garantiefrist – hatte ich das Canon 400mm f4,0 DO zum Service bei Canon in Willich. Die Verbindung Tubus und Entfernungseinstellungsgehäuse hatte sich während der Wüstenfahrten im Oman gelockert. Optische oder Fokussiereinschränkungen gab es zwar nicht, aber bevor mit das DO komplett auseinander fällt, besser mal festziehen lassen.

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