Rotkehlpieper-Zugtag am Roten Meer

RotkehlpieperDie Sonne ist gerade erst seit 3 Stunden am Horizont erschienen. Trotzdem ist es schon richtig heiß. Vom Frühstück in einer Hotelanlage am ägyptischen Roten Meer kommend, drehen wir – wie immer – erst mal unsere Inspizierrunde. Dabei sehen wir wieder die beiden Kampfläufer (Calidris pugnax) und auch den einen Spornkiebitz (Vanellus spinosus) mitten in der Hotelanlage auf dem gleichen Rasen wie vor 5 Tagen. Als wir dann wieder an den freien Rassenflächen zurücklaufen, sage ich noch „… außer Schafstelzen haben wir noch keine weiteren Vögel auf dem Gras gesehen. Vor allem keine Pieper“. Das ist gerade gesagt, da sehen wir beide 2 breitstreifig gemusterte kompakte Pieper. Es sind Rotkehlpieper (Anthus cervinus). Eines der Vögel hat noch eine richtig rote Kehle. Super, die muß ich gleich noch Continue reading Rotkehlpieper-Zugtag am Roten Meer

Bindenkreuzschnabel auf St. Lawrence/ Alaska

BindenkreuzschnabelDer Bindenkreuzschnabel, ein Vogel der Taiga, ist in Mitteleuropa höchstens mal im Winter bei einer seiner Invasionen zu sehen. Dann schließt er sich nicht selten den anderen Kreuzschnabel-Trupps an. Als europäische Brutgebiete des Bindenkreuzschnabels sind nur vereinzelte Stellen in Nordfinnland und Nordschweden bekannt. Um gute Fotos des Hakengimpels zu schießen, ist eine lange und vorbereitungsintensive Reise zu seinen Brutregionen wohl nicht zu vermeiden. Dabei lassen sich zwar auch einige andere Singvögel der Taiga beobachten. Genannt seien hier nur der Unglückshäher (Perisoreus infaustus), der Polarbirkenzeisig (Acanthis hornemanni), der Taigabirkenzeisig (Acanthis flammea), die Lapplandmeise (Poecile cinctus) und natürlich der Hakengimpel (Pinicola enucleator). Aber es bleibt eine aufwändige Angelegenheit.

Bei einem Alaskatrip im Mai/ Juni 2016 stellte sich heraus, daß es auch Alternativen gibt, um einen Bindenkreuzschnabel bei sehr guten Fotomöglichkeiten zu beobachten. Es handelte sich zwar um den Nordamerikanischen Bindenkreuzschnabel, aber die Unterschiede – obwohl vorhanden (s. z.B. die Zeichnungen verschiedener Schnabelstrukturen der beiden Kreuzschnabel-Unterarten in British Birds 100 • November 2007 • 650–657 sind nicht so groß und auch die Nominatform, der Nordamerikanische Bindenkreuzschnabel, kann als Irrgast in der Continue reading Bindenkreuzschnabel auf St. Lawrence/ Alaska

Grey-cheeked Thrush as a vagrant in the WP

GrauwangendrosselThis medium-sized thrush with its brownish-grey upperparts and tail, its pale underparts with heavier spotting on the breast, a plain grey face with some light streaks but no eye-ring would be a real mega – if identified as such in the Western Palearctic. Grey-cheeked Thrushes (Catharus minimus) are rare vagrants to the WP, with only a few records each year. All recent sightings were noticed from – sometimes – remote islands in the Atlantic as from Corvo on the Azores, St Agnes from the Isles of Scilly, Ireland, Iceland, Fair Isle or Orkney (both Scotland). Most sightings are from the fall migration with a peak at the end of October but with possibilities between end of September and the beginning of November. A record from May – as happened on the May, 26th 2015 from the County Mayo on Ireland is a real exception.

A trip to the tiny village of Gambell on the north-western tip of the big St. Lawrence Island in the middle of the Bering Sea yielded Grey-cheeked Thrush as the only representative of Catharus – Thrushes. Some tough birders flew in from the end of May to observe mainly the seabird migration. But during our seven-day stay on the Gambell– led by a guide from High Lonesome Tours – we could Continue reading Grey-cheeked Thrush as a vagrant in the WP

Alpenstrandläufer – schinzii oder alpina

AlpenstrandläuferDie Frage, zu welcher – ggf. seltenen – Unterart eine Vogelbeobachtung gehört, spielt in den letzten Jahren auch in Deutschland eine Rolle. Die Briten sind da allerdings – wieder mal – schon viel weiter. Dort werden die Feldkennzeichen unterschiedlicher Subspezies auch von Allerweltsarten intensiv diskutiert. So weit sind wir hier in Deutschland wohl noch nicht. Eine solche Art ist der Alpenstrandläufer (Calidris alpina), der sicher auch im Binnenland zwar nicht direkt ein Brot-und-Butter-Vogel ist, aber doch noch so häufig ist, daß man ihn jetzt in der 26. Dekade (Mitte September) an etlichen Stellen sehen kann.

Das interessante an den Alpenstrandläufern ist, daß sie in der Literatur auf Subspezies-Niveau – anders als ihre Calidris-Artgenossen – recht gut ausdifferenziert sind und als zirkumpolar brütender Weitstreckenzieher grundsätzlich in der Westpaläarktis auftauchen könnten.

In einem sehr informativen Artikel mit der Überschrift „Arctic Dunlin ssp. Arctica, Identification and stuff“ im Continue reading Alpenstrandläufer – schinzii oder alpina

Rohrweihe im Anflug

RohrweiheIm gaukelnden Flug kommt ein Greifvogel tief über dem Schilf angeflogen. Eine markante Gesichtsmaske, eine helle Vorderflügelkante und ein brauner Körper macht die Art-Identifikation leicht. Es ist eine Rohrweihe (Circus aeroginosus). Als Alternativen käme im Winter die Kornweihe (Circus cyaneus) und die Wiesenweihe (Circus pygargus) Frage. In den Niederungsgebieten Brandenburgs sind vor allem Rohrweihen aber auch Wiesenweihen nicht selten.

Im Flugbild zeigt die Rohrweihe im Vergleich zur Wiesenweihe breitere, an der Spitze rundere Flügel. Die Oberseite der Männchen ist dreifarbig – überwiegend braun mit hellem Kopf, der Schwanz und die Armschwingen sind grau und die Flügelspitzen schwarz. Das Weibchen ist durchgängig dunkelbraun gefiedert, hat einen gelblichen Kopf und eine gelblich-weiße Kehle. Im Vergleich zum nur wenig größeren Mäusebussard ist die Rohrweihe schlanker und ihr Schwanz ist länger. Der Flug im Vergleich zur Wiesenweihe ist nicht gar so elegant und leicht. Die typische Flugweise besteht aus einer Reihe von Flügelschlägen, auf die eine Gleitphase mit flach V-förmiger Flügelhaltung folgt. Im Gleitflug wird der Flügelbug nach vorne geschoben. Die Flügel werden weniger stark angehoben als bei den beiden anderen heimischen Arten.

Der abgebildete Vogel weist Merkmale beider Geschlechter auf. Im Jugendkleid wirkt die Rohrweihe Continue reading Rohrweihe im Anflug

Alpenstrandläufer im Niederen Fläming

AlpenstrandläuferEin Trupp von 10 Alpenstrandläufer (Calidris alpina) läuft am schlammigen Ufer einer feuchten Senke mitten in der Agrarsteppe des Niederen Fläming. Intensiv und hastig stechen sie ihren Schnabel in den feuchten Schlamm und bevorzugen die ganz flachen Bereiche, die über und über mit Insekten auf der Wasserfläche bedeckt sind. Dabei widmen sie sich ganz der Nahrungssuche. Nur ab und zu gibt es einen Warnruf und der ganze Trupp fliegt wie auf ein Kommando davon. Meist drehen sie dann eine Runde (oder auch zwei) und fallen irgendwo ohne erkennbare Präferenz für die eine oder die andere Seite des flachen Gewässers ein. Ein Gewitter kündigt sich an. Dicke Wolken stehen am Himmel nachdem es einige Tage ein hochsommerliches Wetter mitten im September gegeben hatte. Schon am Abend gegen 18:00 ist der Trupp in der Stärke anwesen. Bis zum Einbruch der Dunkelheit bleibt der Trupp zusammen. Weitere Limikolen fliegen gegen Abend leider mit Ausnahme von mindestens 3 Bekassinen (Gallinago gallinago) nicht ein. Dafür sorgen die immer wiederkehrenden Alpenstrandläufer für perfekte Fotogelegenheiten.

Wie bereits im Blog über die Limikolen auf dem Niederen Fläming beschrieben, bilden sich Wasserflächen nach starken Niederschlägen im Frühjahr und Frühsommer in der intensiv landwirtschaftlich genutzte  Hügellandschaft des Niederen Flämings im Süden Brandenburgs. Diese temporären Feuchtflächen sind zwar bei zunehmender Trockenheit über den Sommer Continue reading Alpenstrandläufer im Niederen Fläming

Ein sibirischer Irrgast: der Gelbbrauen-Laubsänger

Gelbbrauen-LaubsängerEin leise rufendes Gewusel in Hochstauden. Alljährlich findet ein ausgeprägter Zug von Wintergoldhähnchen (Regulus regulus) statt. Es lohnt sich aber genauer hinzusehen. In den gemischten Trupps können sich nämlich kleine Vertreter der Phylloscopus-Laubsänger aufhalten. Einer davon, der Gelbbrauen-Laubsänger (Phylloscopus inornatus), stammt wie die später im Jahr ziehenden Goldhähnchen-Laubsänger (Phylloscopus proregulus) aus den Taigawälder zwischen der Insel Sachalin im Ochotskischen Meer, Petschora und Ural.

Beim Gelbbrauen-Laubsänger handelt es sich um einen typischen kleinen Laubsänger mit feinem, spitzem Schnabel und relativ kurzem Schwanz. Vom Aussehen her ähnelt dieser Phylloscopus-Laubsänger einem Goldhähnchen (am ehesten einem Sommergoldhähnchen (Regulus ignicapilla)). Je nachdem wie er sich positioniert, wirkt er nicht zierlicher als der heimische Zilpzalp (Phylloscopus collybita), obwohl seine Körperlänge um acht Millimeter kürzer ist. Die Oberseite ist olivgrün mit etwas hellerem Bürzel und Oberschwanzdecken. Zwei deutliche, aber unterschiedlich intensiv ausgeprägte Flügelbinden, die von den hellen Säumen der Armdecken hervorgerufen wurden, sind meist das auffälligste Merkmal. Der Oberkopf ist dunkelgrün mit sehr schwach angedeutetem hellerem Scheitelstreif. Namensgebend ist Continue reading Ein sibirischer Irrgast: der Gelbbrauen-Laubsänger

Searching for Eurasian dotterel on migration through Middle Europe

MornellregenpfeiferThe Eurasian dotterel (Charadrius morinellus) is a member of the plover family which migrates from northern Europe, where it breeds, to North Africa, where it winters. In the Middle Rhine area (Rhineland-Palatinate and Hesse) the Eurasian dotterel was considered to be a rare vagrant until recently. Only through systematic migration surveys, a large number of records were discovered of this species. The (re)discovery required the migration status to be set by Rhineland-Palatinate ornithologists from ‘accidentally’ to ‘regular passage’. The main migration period is during late August and early September. But observations are both from return migration as well as from the fall migration to the wintering areas. Springtime observations are significantly less often counted than the fall findings. Spring migration occurs during the period between mid-April to mid-May. The species prefers open habitats in elevated locations like hilly plateaus. Only rarely the pretty small Eurasian Dotterel be discovered by accident. The Eurasian Dotterel (Charadrius morinellus) shows a strong preference for grubbed stubble fields. In the Continue reading Searching for Eurasian dotterel on migration through Middle Europe

Limikolen auf dem Zug im Fläming

BekassineNach starken Niederschlägen funkeln Wasserflächen in der intensiv landwirtschaftlich genutzte  Hügellandschaft des Niederen Flämings im Süden Brandenburgs. Diese temporären Flächen sind schon ab Juli ein Rastgebiet für eine erstaunliche Anzahl  von Watvögeln. Diese treten darüber hinaus in einer beachtlichen Arten-Diversität auf. Große Limikolenbestände, insbesondere die der Kiebitze (Vanellus vanellus), Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria) und Kampfläufer (Calidris pugnax) werden für den Landkreis Teltow-Fläming für die Nuthe-Nieplitz-Niederung und die Umgebung des Rangsdorfer Sees beschrieben. An diesen Plätzen in der weiträumigen Nuthe-Notte-Niederung – einer stark verzweigten Niederungslandschaft auf Moorböden oder nährstoffarmen Sandböden – rasten diese Zugvögel im Bereich flach überstauter Feuchtwiesen, schlammiger Uferzonen sowie auf kurzrasigen Grünland- und Ackerstandorten. In der Nuthe-Nieplitz-Niederung Continue reading Limikolen auf dem Zug im Fläming

Hakengimpel – Beobachtungen in Alaska

HakengimpelAls ein sehr standorttreuer Vogel der Taiga ist der Hakengimpel (Pinicola enucleator) höchstens im Winter bei einer der – inzwischen seltenen – Invasion in Mitteleuropa zu sehen. Um gute Fotos des Hakengimpels zu schießen, führt ein Weg zu seiner eigentlichen Brutregion nicht vorbei. Für die Westpaläarktis ist das finnische Gasthaus (oder Lodge) Neljän Tuulen Tupa entlang der Nationalstraße 4 nördlich von Inari inzwischen zu dem Anlaufpunkt geworden. Das Neljän Tuulen Tupa ist bekannt dafür, eine der zuverlässigsten Stellen in Finnland zu sein, um einige Singvögel der Taiga wie den Hakengimpel (Pinicola enucleator), den Unglückshäher (Perisoreus infaustus), den Polarbirkenzeisig (Acanthis hornemanni), den Taigabirkenzeisig (Acanthis flammea), die Lapplandmeise (Poecile cinctus) oder auch die grau-weißliche Unterart der Weidenmeise (Poecile montanus) zu beobachten. Man kann beim Gasthaus in einer der Hütten schlafen und auch eine der finnischen Aktivitäten wie die Sauna genießen.

Wie sich nun bei einem Alaskatrip im Mai/ Juni 2016 herausstellte, gibt es auch bzgl. der Fotomöglichkeiten vom Hakengimpel gute Gründe warum man 8.000 km und neuneinhalb Stunden nach Alaska, in durchaus eine berüchtigte Regenecke mit hohen Preisen fliegen sollte. Denn bei dem Hakengimpel handelt es sich nicht Continue reading Hakengimpel – Beobachtungen in Alaska

Kittlitz’s Murrelet between glaciers in Alaska

KurzschnabelalkThe big push for the last days of the birding tour in Alaska was to search for the Kittlitz’s Murrelet (Brachyramphus brevirostris). Kittlitz’s Murrelet is a rare member of the Alcid family of diving seabirds that includes the puffins, auklets and murres. This was one of the birds highest on my list, as it is a species that numbers in the low tens of thousands and does only rarely migrate along the west coast of the United States, and therefore can be seen mainly near its breeding grounds in Alaska. But in Alaska too, this bird is uncommon and local and there are recent evidences of decline.

After a 2 week trip with the tour operator High Lonesome to the Pribilofs Islands, St. Lawrence and Nome to observe the impressive bird migration along the shore of the islands to the Bering Sea I wanted to complete birding in Alaska with some birds I missed or could not see further to the west.

During summer, populations of Kittlitz’s Murrelets are concentrated in areas with large glacial fields. For this I participated in a chartered boat trip with Saltwater Tours from Seward. From Seward Harbor we started in early June. We went on a veritable boat, which is approved for 20 people. We headed on Resurrection Bay south. When pulling out of harbor, we saw the first Double-crested Cormorants (Phalacrocorax auritus) and Pelagic Cormorants (Phalacrocorax pelagicus) sitting on rocks along the shore. Suddenfly Humpback Whales (Megaptera novaeangliae) raised their heads out of the water. Black-legged Kittiwakes (Rissa tridactyla) could Continue reading Kittlitz’s Murrelet between glaciers in Alaska

Kiskunsag: ein Pussta-Juwel in Ungarn

TrielDer Winter hinterläßt ein grau-braunes Landschafskleid. Im zeitigen Frühjahr werden jedoch große Bereiche der Niederung überflutet, und die ausgedehnten Flachwasserbereiche stellen ein Eldorado für durchziehende Wat- und Wasservögel dar. Hauptsächlich sind es Uferschnepfen (Limosa limosa), Kampfläufer (Calidris pugnax) und andere langbeinige Limikolen, die sich neben diversen Entenarten in riesigen Schwärmen einfinden. Mit Glück sieht man in den Randbereichen auch die nur in Mäusejahren häufige Sumpfohreule (Asio flammeus) jagen, die in solchen Jahren in der Gegend auch brütet. Spätestens im Mai sind die meisten Flächen dann wieder ausgetrocknet, und nur in einigen Senken halten sich noch Gewässer. Aufgrund der starken Verdunstung entwickeln sich die meisten zu Sodaseen, an denen sich die an diesen extremen Lebensraum angepaßten Vogelarten wie Stelzenläufer (Himantopus himantopus), Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta) und Continue reading Kiskunsag: ein Pussta-Juwel in Ungarn

Images of birds for science & public; Western Palaearctic & the World