Zwergschnäpper an der „Grossen Treppe“ auf Helgoland

ZwergschnäpperZunächst verrät nichts die Anwesenheit eines Zwergschnäppers (Ficedula parva). Aber heute früh ist er von der „Großen Treppe“, der Verbindung von Ober- zu Unterlang auf Helgoland gemeldet worden. Zuerst sind nur die Zilpzalpe (Phylloscopus collybita) und der Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) im Hang zu hören. Von der Empore auf mittlerer Höhe der Großen Treppe lausche ich den Vogelstimmen. Ich versuche den Gesang nachzupfeifen. Zuerst geschieht gar nichts. Dann ernte ich einen knarrenden Laut mitten aus dem Dickicht.

Während der Gesang als recht melodiös bezeichnet werden kann, der durch seine pfeifenden Bestandteile in absteigender Tonhöhe charakterisiert ist, ist der Ruf deutlich weniger auffällig. Der Ruf ist nur kurz. Auch dem Gesang gehen häufig „zit“ -Silben voraus. Ähnlich ist der Ruf: ein dünnes, hohes, kurzes “dzik” oder “zit”, das manchmal in lose tickende “tk tk tk …” – Reihen übergeht. Der knarrende Laut, den ich höre, könnte mit dem in der Literatur beschriebenen “zrrrt” als Alarm-Ruf zu tun haben.

Das könnte der Zwergschnäpper also doch sein. Eigentlich ist die letzte Beobachtung schon was länger – einige Stunden – her. Plötzlich ist da Bewegung im Schatten der nahe stehenden Ahorn- Continue reading Zwergschnäpper an der „Grossen Treppe“ auf Helgoland

Yellow-headed Picathartes: a mystical bird

Gelbkopf-FelshüpferIn March 2019 I visited Ghana with Birdquest specifically to search for the White-necked Rockfowl – or Yellow-headed Picathartes – (Picathartes gymnocephalus). Previously, colonies of this bird sought by many avian enthusiasts had been recorded throughout the rainforest zone of western Africa. Ceaseless deforestation destroyed all known populations, and the bird was considered extinct in Ghana a few decades ago.

However, scientists suspected that they still existed in hard-to-reach places and tried to look for suitable spots in the interior of West Africa. The hope was confirmed when several indigenous hunters responded on appropriate questions that they knew the bird and claimed that they still existed. Then a few years ago the news broke that picathartes had been rediscovered in Ghana at a community forest reserve.

Researchers studied the environment and discovered several more colonies. Some of these colonies were opened to tourism after researchers found that responsible birdwatchers are perceived by the birds to be of little disturbance.

The White-necked Rockfowl is somewhat misnamed as it has both a yellow neck and head but the name is presumably inspired by the Continue reading Yellow-headed Picathartes: a mystical bird

Das Wattenmeer: eine einzigartige Vogelheimat

RotschenkelDas Wattenmeer gilt als eine der letzten naturnahen Landschaften Mitteleuropas. Die Mischung aus extremem Lebensraum, ungestümer Dynamik, endloser Weite und Stille faszinieren wohl jeden Besucher. Das Wattenmeer ist eine Küstenlandschaft von beispielloser Größe und Vielfalt. Wie kein anderes Ökosystem verändert das Wattenmeer täglich sein Gesicht. Es hat Land- und Meercharakter zugleich. Wind und Wellen modellieren ständig seine Oberfläche.

Das Wattenmeer ist nur geringen Flusseinflüssen ausgesetzt. Hochdynamische natürliche Prozesse werden daher im überwiegenden Teil des Watts nicht unterbrochen, wodurch eine Vielzahl von Barriereinseln, Kanälen, Sandebenen, Prielen, Salzsümpfen und anderen Küstenelementen entsteht.

Und wie kein anderes Ökosystem kann das Wattenmeer seine Farbe ändern. Wattpfützen leuchten plötzlich golden im Schein der untergehenden Sonne. Die Farben des noch nassen Watts ändern sich von Gelb über Orange nach Rot. Die Abendstimmung im Sandwatt bei Föhr kann blau-violette Töne aufweisen. Schließlich künden intensive Blautöne von der hereinbrechenden Dunkelheit. Continue reading Das Wattenmeer: eine einzigartige Vogelheimat

Basstölpel am Vogelfelsen auf Helgoland

BasstölpelSchwere weiß Vögel mit orange-gelben Köpfen stehen in der Luft vor einer steilen Klippe. Manche tragen grünes “Gemüse” im Schnabel. Direkt vom Weg aus, sind die Vögel dicht an dicht auf ihren Nestern zu sehen. Ohrenbetäubendes Gekreische, beißender Fischgeruch und gelegentlich ein Tropfen von Vogelkot aus der Luft. Es ist kein reines Vergnügen, an den Helgoländer Vogelklippen zu fotografieren.

Dafür kann man sich auf eine – zumindest in Deutschland – einmalige Art bei Flugaufnahmen austoben. Am beeindruckensten sind die Basstölpel (Morus bassanus). Formatfüllende Aufnahmen gelingen bereits mit einer Zoom 80-200. Diese Brennweite ist für Flugaufnahmen sogar perfekt geeignet. Eine 300 mm Brennweite ist schon fast zu viel. Man kann sogar darüber nachdenken, die direkt an den Aussichtspunkten stehenden Nester der Basstölpel mit einem Weitwinkel abzulichten. Anders als zu vielen anderen Gelegeheiten sind längere Brennweiten hier eher nicht angeraten. Während der Brutsaison von April bis August hat man die besten Möglichkeiten, um zu lohnenden Aufnahmen zu kommen. Silbermöwen (Larus argentatus) und Trottellummen (Uria aalge) brüten bevorzugt  ebenfalls in den steilen, unzugänglichen Continue reading Basstölpel am Vogelfelsen auf Helgoland

Pirol in Obstbaumspitze

Ein leuchtendes Gelb ist aus einer Baumkrone im ersten Licht zu erkennen. Ein goldgelber Pirol (Oriolus oriolus) sitzt auf einem flechtenüberzogenen, spärlich belaubten Ast. Natürlich kann man einen Pirol auch in Deutschland entdecken. Denn in den warmen Sommermonaten, zwischen Anfang Mai und Ende August, leben und nisten sie fast überall. Doch häufig hört man nur das Flöten des Pirols hoch aus irgendwelchen Weichhölzern. Und im grün-gelben Blätterwald eines Pappel-Weidenwäldchens Laubbaumes ist ein Pirol sehr gut verborgen.

Das wollte ich mit einem Sommertrip nach Bulgarien ändern. Wie ich es erwartet hatte, war das Wetter im Juli durchgängig richtig gut. Anfangs konnten wir von einer Kanzel mitten in dem Obstbaumhain eines Bauerndorfes morgens sehr gut beobachten. Die Sonne kam meist gerade erst am Horizont hoch als wir mit den Kaffeetassen und der Thermoskanne im Arm auf den Turm mit seiner Wendeltreppe hochliefen. Die abgestorbenen Äste der Apfel- und Kirschbäume vor uns waren prädestiniert für die Vögel, die wir in den Baumkronen erwarteten. Auf den Stromleitungen saßen gurrende Turteltauben (Streptopelia turtur). Sie lassen sich im schönen Morgenlicht schön fotografieren. Der Hit dieses Turms war aber unzweifelhaft der Pirol. Allerdings war nur das Weibchen so Continue reading Pirol in Obstbaumspitze

Heligoland and its Northern Gannets

BasstölpelA spectacular whitish bird almost effortless standing in the windy air on close distance. But also deafening screeching, biting fishy smell and occasionally a drop of bird droppings from the air. It is not a pure pleasure to photograph at the Heligoland bird cliffs.

But you can exploit a unique approach in aerial photography – at least for Germany. The most impressive birds are the Northern Gannets (Morus bassanus). Full-frame images are already possible with a 300 mm focal length lens. This focal length is even perfect for aerial photography. Only for shots of the nests with the seabirds, sometimes longer focal lengths are advised. During the breeding season from April to August, you have the best opportunities to get worthwhile shots. Herring gulls (Larus argentatus) and Common Murre (Uria aalge) also prefer to breed in the steep, inaccessible cliffs at this time.

In the breeding colonies of the bird cliffs of Heligoland there is a constant coming and going. To my surprise, however, the birds Continue reading Heligoland and its Northern Gannets

Rotkopfwürger auf Helgoland

Rotkopfwürger

Es ist 9:30 als ich Anfang Juni in Ornitho.de die Eintragung eines Rotkopfwürgers (Lanius senator) im Helgoländer Nordostgelände sehe. Ich denke, ich muß mal Brötchen holen. Zuerst laufe ich den Klippenrandweg entlang als mir schon die ersten Ornithologen entgegenkommen, die den Rotkopfwürger von oben, von den Klippen nahe der Beringungsstation, beobachtet hatten. Ja, der Rotkopfwürger war eben noch da. Er sei aber nun in Richtung Jugendherberge geflogen. Ich laufe trotzdem zu dem Aussichtspunkt auf den Klippen und sehe im Unterland viele eifrige Ornis laufen. Die Blickrichtungen sind eindeutig und wenig später scheint man fündig geworden zu sein. Da sehe ich den Rotkopfwürger auch auf einem Zaun des Wassergewinnungsgebietes sitzen. Selbst aus der Entfernung ist schön der rote Kopf und die auffallend weiße Brust zu erkennen. Ich laufe dann den Klippenrandweg entlang und die Treppe zum Nordstrand herunter. Unten angekommen, hat ein kleiner Orni-Trupp gerade sein Vormittagswerk vollbracht. Der Rotkopfwürger sei leider weg. Ich bleibe noch eine Weile mit einem Vogelbeobachter östlich vom Sportplatz stehen. Wir schauen noch eine Weile, unterhalten uns und er weist mich auf den singenden Karmingimpel (Carpodacus erythrinus) hin, den ich dann auch noch sehe und fotografiere. Ein paar ältere Damen (70+) gesellen sich Continue reading Rotkopfwürger auf Helgoland

British Yellow Wagtail on Heligoland

Gelbkopf-SchafstelzeAlthough the distribution area of Motacilla flava flavissima is not far from Germany, records of this (sub-)species are quite rare. As to be expected, there are some records from the islands in the wadden sea (Amrum, Sylt-Ost, Norderney, Wangerooge, Neuwerk, Baltrum) or near the coast as e.g. Horumersiel  but the best location for a german twitcher is Heligoland for sure. Thus, we were alerted when we saw a record in Ornitho.de at the end of May 2019.

Something yellow flashes in the green grass. Could this be the Yellow-headed Wagtail (Motacilla flava flavissima) reported this morning? On the circular route over the upper plateau of the tiny off-shore island Heligoland we actually pass a cow pasture. 6 Galloways  and a goat can be seen on a pasture fenced with electric wire. Here at the so-called Oberland of Heligoland the Yellow Wagtail of the subspecies flavissima was spotted this morning. That was at 10:15 am, much earlier than now at 4:00 pm. But the cattle meadow seems to be still worth a look. Not least because of a pale Continue reading British Yellow Wagtail on Heligoland

Alpenbraunellen und andere hochalpine Vogelarten in Hessen

AlpenbraunelleSogar 3 Alpenbraunellen (Prunella collaris) konnten am 11. April 2014 auf dem Großen Feldberg, nur 20 km von der Frankfurter Innenstadt entfernt, beobachtet werden. Nachdem ein lokaler Ornithologe, Ingo Roessler, die Art auf der Suche nach Ringdrossel (Turdus torquatus), in der Nähe des Städtchens Schmitten gefunden hatte, waren damals schnell mehrere Ornithologen auf dem Gipfel des Berges (ca. 800 m ü.M.) geeilt, um die zu dem Zeitpunkt sehr seltenen Arten zu beobachten. Inzwischen kommt die Alpenbraunelle fast alljährlich und im Jahr 2019 am 8. April wieder mit drei Artgenossen und am 26. 4. mit einem Einzelvogel am Feldberg festgestellt werden. Die Beobachtung dieser hochalpinen Vögel komplettiert sehr schön die ebenfalls in Hessen festgestellten auf der Wasserkuppe bei Gersfeld in der Rhön im Osten Hessens. Dort waren 2 Schneesperlinge oder auch Schneefinken (Montifringilla nivalis) über mehrere Tage Anfang April 2016 bei teils stürmischem Wetter und daher schlechten Bedingungen für eine Sichtung angetroffen worden. In diesem Frühjahr wurde eine für Hessen neue hochalpine Vogelart nachgewiesen. Am 4.4. wurde in Grebenstein nördlich von Kassel eine Felsenschwalbe (Ptyonoprogne rupestris) beobachtet und fotografiert. Angesichts der Ausbreitung der Felsenschwalbe als Continue reading Alpenbraunellen und andere hochalpine Vogelarten in Hessen

Gelbkopf-Schafstelze auf dem Helgoländer Oberland

Gelbkopf-SchafstelzeEtwas Gelbes blitzt auf dem grünen Gras auf. Kann das die von heute früh gemeldete Gelbkopf-Schafstelze (Motacilla flava flavissima) sein? Auf dem Rundweg passieren wir dann auch tatsächlich eine Kuhweide. 6 Galloways und ein Widder sind auf einer mit Elektrodraht eingezäunte Weide zu sehen. Hier am Oberland von Helgoland war die Schafstelze der Unterart flavissima, die Gelbkopf-Schafstelze heute morgen gesichtet worden. Zuerst wohl im Helgoländer Fanggarten und dann auch noch an der Kuhwiese, westlich vom Fangarten. Das war um 10:15; also deutlich früher als jetzt um 16:00.

Die Kuhwiese ist uns trotzdem einen Blick wert. Nicht zuletzt wegen eines blassen aufrechtstehenden Singvogels auf der kurzrasigen Weide. Ich denke an einen Brachpieper (Anthus campestris). Der Blick durch das Fernglas zeigt aber dann doch einen weiblichen Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe). Habe ich da nicht den Ruf einer Continue reading Gelbkopf-Schafstelze auf dem Helgoländer Oberland

Sumpfohreulen im schwebenden Flug

Stürmische See, fliegender Sand in Verbindung mit einem Strandspaziergang. Das sind die Ingredienzien für einen Winterurlaub auf Zeeland. Es ist schon einige Jahre her, dass ich regelmäßig Weihnachten und Neujahr an der Küste der Niederlande verbrachte. Hier hatte ich 2008 zum ersten Mal eine fliegende Sumpfohreule (Asio flammeus) beobachten können. Es war meine zweite Begegnung, nachdem ich eine im hohen Gras sitzende Sumpfohreule an der Küste bei Wilhelmshaven in Norddeutschland gesehen hatte. Natürlich wollte ich diese schöne und seltene Eule auch mal fotografieren.

Bei meinem nächsten Besuch in der südlichsten Provinz der Niederlande im Dezember 2009 hatte ich das Glück, 3 verschiedene Sumpfohreulen an einer Stelle in Aktion zu sehen. Am späten Nachmittag fangen diese Vögel an, aktiv zu werden und fliegen über die Polder in diesem Gebiet auf der Suche nach Beute. Es ist wirklich faszinierend, diese schönen Vögel zu sehen, die über die Felder fliegen und dann abrupt die Richtung wechseln, um ihre Beute, hauptsächlich Mäuse, auf dem Boden zu fangen.

Dann im Januar des nächsten Jahres verbrachte ich wieder die Tage im Winter in Zeeland. Ich hatte die Bilder, die mir in meinem Kopf vorschwebten noch nicht machen können. Ich hoffte, dass die Sumpfohreulen noch eine Weile die Polder und Sanddünen Continue reading Sumpfohreulen im schwebenden Flug

Austernfischer am Wattenmeer

Will man Vögel am und im Wattenmeer fotografieren, ist Mai die beste Zeit, denn das Brutgeschäft ist dann in vollem Gange. Austernfischer (Haematopus ostralegus), andere Limikolen und Möwen begnügen sich meist mit einer schlichten Mulde für ihr Gelege. Oder es werden wenige Steine oder Muschelschalen als „Nestdekoration“ gesammelt.

Nicht selten wählen Möwen und Austernfischer auch ungewöhnliche Brutplätze für ihre Gelege. Sturmmöwen (Larus canus) suchen nicht selten die unmittelbare Nähe des Menschen für ihre Brut. So gibt es Meldungen von Brutplätzen direkt neben Schulheime, Fachkliniken oder von den Eingangsgebäuden an Camping- und Zeltplätzen in den Dünen.

Das gilt übrigens auch für Austernfischer. Normalerweise brüten sie in der Strandzone. Insbesondere auf Salz- und Marschwiesen, aber auch auf hoher Inselgeest und in den Dünen sind sie zu finden. Seit den 1960er Jahren werden zunehmend Bruten auf Flachdächern, auch auf Gebäuden tief im Binnenland, auf Einkaufsmärkte, auf Werkhallen, Turnhallen usw. gemeldet. Auf manchen Inseln in der Nordsee werden zunehmend die Firste von reetgedeckten Häusern besiedelt. Die Jungen sind als Nestflüchter nicht lange in dem luftigen Nest. Bald purzeln sie nach dem Schlüpfen herunter und landen aufgrund ihres weichen Dunenkleides auch auf Schotter- und Steinboden weitgehend unversehrt. Sie werden dann von den Eltern zwecks Fütterung in das nebenan liegende Gelände geführt und Continue reading Austernfischer am Wattenmeer

Images of birds for science & public; Western Palaearctic & the World